https://www.faz.net/-gqe-10zd6

Wirtschaftsausblick bis Ende 2010 : OECD erwartet 700.000 Arbeitslose mehr

  • Aktualisiert am

Erst 2010 soll es wieder aufwärts gehen Bild: AP

Der Konjunktureinbruch wird nach Einschätzung der OECD in Deutschland zu einem heftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. Die Zahl der Arbeitslosen werde bis Ende 2010 um rund 700.000 steigen, teilte die Organisation in Paris mit. Danach soll es wieder besser werden.

          2 Min.

          Die deutsche Konjunktur ist von der weltweiten Wirtschaftskrise laut OECD besonders hart getroffen. Wachstum soll es erst wieder im Jahr 2010 geben. Auch der DIHK senkt seine Prognose für 2009. Das Statistische Bundesamt bestätigt, dass Deutschland bereits in die Rezession gerutscht ist. Die finstersten Zahlen kamen am Dienstag von der OECD.

          Danach fällt die wirtschaftliche Talfahrt in Deutschland bis weit ins nächste Jahr an. Den Tiefpunkt des Wirtschaftsabschwungs sieht die OECD Mitte des kommenden Jahres, allerdings werde der Arbeitsmarkt wesentlich länger stark belastet

          Der Konjunktureinbruch wird nach Einschätzung der OECD in Deutschland zu einem heftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. Die Zahl der Arbeitslosen werde bis Ende 2010 um rund 700.000 steigen. In Deutschland werde das zu einem Anstieg der Quote von 7,7 auf knapp über 9 Prozent führen.

          Prognose drastisch nach unten korrigiert

          Die deutsche Wirtschaft werde 2009 um 0,8 Prozent schrumpfen. Ihre letzte Prognose vom Juni korrigierte die OECD damit drastisch nach unten. Vor fünf Monaten rechnete die Organisation noch mit einem Wachstum von 1 Prozent in Deutschland für 2009. Die deutsche Wirtschaft leidet besonders unter dem Abschwung im gesamten OECD-Raum der 30 wichtigsten Industriestaaten, weil das Land besonders vom Export abhängt und sich der Nachfrageeinbruch deswegen überdurchschnittlich stark ausprägt.

          Einziger Lichtblick ist der private Konsum: „Die Inflationsrate wird 2009 auf deutlich unter 1,5 Prozent sinken, die Privathaushalte haben daher, begünstigt durch die höheren Lohnabschlüsse der vergangenenen Monate, mehr Geld in der Tasche“, sagte der OECD-Deutschland-Experte Felix Hüfner.

          Für das Jahr 2010 rechnet die OECD in Deutschland wieder mit einem durchschnittlichen Wachstum von 1,2 Prozent. Schon ab dem zweiten Halbjahr 2009 sei mit einer Konjunkturerholung zu rechnen.

          OECD: Nicht gezielt einzelne Branchen stützen

          Angesichts der dramatischen Auswirkungen ruft die OECD Berlin zu einer stärkeren Konjunkturstützung auf. „Das nicht sehr große Programm der Bundesregierung ist zeitlich zu lang gestreckt und wird eher den Aufschwung ab 2010 stärken als die Rezession stoppen“, sagte Andreas Wörgötter, für Deutschland zuständiger Direktor der OECD-Wirtschaftsabteilung. Angesichts der stabilen Haushaltslage des Bundes stelle sich die Frage, „ob die Möglichkeiten ausgeschöpft sind“. Grundsätzlich sei in der gegenwärtigen Situation eine Förderung des Privatkonsums etwa durch Steuersenkungen willkommen.

          Von der Stützung eines bestimmten Sektors wie der Autoindustrie rät die OECD dagegen ab. „Entscheidend ist die Stabilisierung des Finanzsektors. Einzelne Branchen haben dagegen keine systemische Bedeutung für die Volkswirtschaft“, erklärte Schmitt-Hebbel. Wenn man mit einem Sektor beginne, könne man die Frage nicht beantworten, bei welcher Branche man aufhöre.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.