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Wie gut geht es den Deutschen? : Ein Wohlstands-Indikator zum Mitmachen

Wann ist reich reich genug? Bild: dpa

Wohlstandsindikatoren, die über die Menge an Güter und Dienstleistungen hinausgehen, sind kompliziert. Die OECD ermöglicht es Internet-Nutzern, sich ihren Indikator selbst zu basteln.

          Es ist eine Frage, um die seit Jahren intensiv gestritten wird: Wie misst man den Wohlstand eines Landes? Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) galt lange als das Maß aller Dinge. Doch weil diese Kennzahl lediglich die in einem Land produzierten Waren und Dienstleistungen zusammenfasst, steht sie als Maß für den Wohlstand in der Kritik. Forscher auf der ganzen Welt tüfteln an einer neuen Formel für das Glück, die nicht nur das Materielle, sondern auch weichere Faktoren wie die Gesundheit und die Bildung der Menschen oder den Zustand der Umwelt berücksichtigen soll.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          In Deutschland hat im vergangenen Jahr eine Enquete-Kommission des Bundestages eine „ganzheitliche“ Maßzahl erarbeitet, die sich aus zehn Indikatoren und mehreren Subindikatoren zusammensetzt. Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung dann angekündigt, der Wohlstandsmessung jenseits des Bruttoinlandsprodukts stärkere Bedeutung zu geben. Auch in anderen Staaten gibt es solche Bestrebungen.

          Was all diesen Alternativindikatoren gemein ist: Sie sind kompliziert, und sie geben mit einer scheinbaren Objektivität das vor, was für den Wohlstand einer Nation wichtig ist und was nicht. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Wohlstandsindex der OECD. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stellt seit Mai des Jahres 2011 im Internet elf Kriterien bereit, die jeder Benutzer mit seiner persönlichen Gewichtung zu einem eigenen Index zusammensetzen kann. Auf diese Weise lässt sich der Wohlstand der Länder nach eigenen Vorstellungen vergleichen. Mehr als 3 Millionen Besucher hatte die Seite nach Angaben der OECD bislang. Seit Montag steht der „Better Life Index“ im Internet auch auf Deutsch zur Verfügung. Haken: Leider funktioniert die Seite nicht mit Microsofts Internet Explorer.

          Eine erste Zwischenbilanz hat die OECD schon vor eineinhalb Jahren gezogen. Sie zeigte, dass Menschen ihrer subjektiven Lebenszufriedenheit, ihrem Gesundheitszustand und ihrem Bildungsniveau den höchsten Wert beimessen. Diesen Kriterien folgt der Zustand der Umwelt, das Verhältnis von Arbeit und Freizeit und die berufliche Situation. Der Größe der Wohnung, dem Einkommen und dem politischen System gaben die Nutzer wiederum weniger Gewicht.

          Werden alle elf Bereiche - von Lebenszufriedenheit über Einkommen, Beschäftigung und Umwelt bis hin zu Sicherheit - gleich gewichtet, liegt Deutschland auf Platz 17 von 34 Ländern. Davor liegen beispielsweise Belgien, Irland, Luxemburg und Österreich. Angeführt wird das Ranking von Australien, dahinter liegen Schweden, Kanada und Norwegen.

          Besonders gut schneidet Deutschland in den jeweils von eins bis zehn bewerteten Bereichen Bildung (7,6) und Umwelt (8,8) ab. Den niedrigsten Wert erzielt die Bundesrepublik im Bereich Zivilengagement (3,9), der Wahlbeteiligung und Mitwirkung am demokratischen Prozess misst.

          Der OECD-Index gibt Einblicke in die Dinge, die Menschen subjektiv wichtig sind. Wie groß der Mehrwert gegenüber dem Wohlstandsindikator BIP ist, bleibt umstritten. Forscher errechneten einen großen Zusammenhang zwischen dem OECD-Index mit gleichgewichteten Kriterien und dem BIP.

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