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Weltwirtschaft : Weltbank erwartet schwächeres, aber stabileres Wachstum

Die Konjunktur in China hat sich zuletzt abgeschwächt Bild: dpa

Die Weltbank stuft die Turbulenzen an den Finanzmärkten als Übergangsphänomen ein. Weil die Geldpolitik sich in Amerika und in Japan neu einstelle.

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          Die Weltbank hält die aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten für „kurzfristige Anpassungen“, die nicht länger als drei bis sechs Monate dauern sollten. Das hat der Chefvolkswirt der Entwicklungshilfeorganisation, Kaushik Basu, vor Journalisten in Washington erklärt. Basu führte die aktuellen Schwankungen an den Finanzmärkten auf „Herdenverhalten“ von Investoren zurück. Derzeit würden entscheidende politische und andere Variablen angepasst, bezog er sich unter anderem auf die erwartete Minderung der Anleihekäufe durch die amerikanische Notenbank Federal Reserve und die drastische geldpolitische Lockerung in Japan. Diese Änderungen zum Besseren seien aber mit Ängste und Unsicherheiten verbunden, erklärte Basu.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Weltbank nahm in ihrem halbjährlichen Wachstumsausblick ihre Prognose für die Weltwirtschaft leicht zurück. Global soll die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 2,2 Prozent steigen, marginal weniger als die 2,3 Prozent im vergangenen Jahr. Für 2014 erwartet die Bank dann eine Beschleunigung auf 3 Prozent. Die Weltbank sieht darin eine heilsame Entwicklung zu langsameren, aber weniger schwankungsanfälligem Wachstum. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Probleme in den Industriestaaten eine größere Krise provozierten, habe abgenommen. „Wir haben den Grund erreicht, wir werden hier wohl für eine Weile sein, aber es ist eine langsame Erholung“, sagte Basu.

          Generell bezeichnet die Weltbank die niedrigeren Wachstumsraten als die „neue Normalität“. Das Wachstum werde durch das strukturelle Potential bestimmt, nicht aber mehr wie vor der Krise durch Luftblasen-Phänomene, erklärte der Chefautor des Berichts, Andrew Burns.

          Warnung vor Überhitzungen

          Die Weltbank warnt dabei schnell wachsende Schwellen- und Entwicklungsländern vor Überhitzungen und empfiehlt eine straffere Geld- oder Finanzpolitik. Burns verwies auf die Philippinen, Thailand und Vietnam, Kolumbien und Ecuador sowie Ghana. Allgemein sieht die Weltbank in den Entwicklungsländern nicht mehr viel Spielraum für eine Wachstumsbeschleunigung. Die Mehrzahl der Entwicklungsländer habe sich von der Finanzkrise 2008 mehr oder weniger voll erholt und wachse gemäß ihrer Möglichkeiten. Im Schnitt aller Entwicklungsländer erwartet die Weltbank ein Wachstum von 5,1 Prozent in diesem Jahr.

          Für China senkte die Weltbank ihre Wachstumsprognose um 0,7 Prozentpunkte auf 7,7 Prozent. In Indien erwartet sie ein Wachstum von 5,7 Prozent, in Brasilien von 3,9 Prozent.

          Als neues Risiko für die Entwicklungsländer nennt die Weltbank einen weiteren Rückgang der Rohstoffpreise. Ein Fall der Metallpreise um 20 Prozent würde das Wachstum von Exporteuren in Afrika südlich der Sahara um 0,7 Prozentpunkte verringern. Im Gegenzug würden natürlich Metallimporteure davon profitieren.

          Den Industriestaaten mit hohem Einkommen als Gruppe prognostiziert die Entwicklungshilfeorganisation ein Wachstum von nur 1,2 Prozent in diesem Jahr, das sich 2014 auf 2 Prozent beschleunigen soll. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten soll dabei um 2 Prozent wachsen. Die Wirtschaft im Euro Raum werde um 0,6 Prozent schrumpfen. Erst im kommenden Jahr sieht die Weltbank hier wieder Wachstum von 0,9 Prozent.

          Lob für Abenomics

          Als weitere Unsicherheit treibt die Händler an den Finanzmärkten die Unsicherheit über die japanische Geldpolitik. Im Gegensatz zur Fed weitet die Bank von Japan ihre quantitative Lockerung erst richtig aus. Basu betonte, dass aus Sicht der Entwicklungsländer die erwartete Rücknahme der quantitativen Lockerung in den Vereinigten Staaten durch die Ausweitung der quantitativen Lockerung in Japan teils kompensiert werden könnte. Das Ausmaß der erwarteten quantitativen Lockerung in ein in Japan entspräche ungefähr dem Volumen der dritten Lockerungsrunde (QE3) in den Vereinigten Staaten.

          Dabei hat die Weltbank ihre Wachstumsprognose für Japan auf 1,4 Prozent fast verdoppelt. Die Lockerung der Geld- und Finanzpolitik im Zuge der sogenannte Abenomics sei genau das, was Japan auf kurze Sicht brauche, erklärte Basu. Die Folgen auf die Entwicklungsländer erwartet die Weltbank nur leicht negativ. Zwar belaste die Abwertung des Yen; doch würden Entwicklungsländer in der japanischen Lieferantenkette profitieren. Auch dürfte von Japan eine größere Nachfrage ausgehen. Basu betonte freilich, dass Japan auf mittlere Sicht die Staatsverschuldung in den Griff bekommen müsse. Mittelfristig höheres Wachstum setze zudem eine größere Produktivität voraus.

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