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Weltkonjunktur : Asien setzt deutsche Wirtschaft unter Dampf

China ist die Lokomotive der Weltkonjunktur: Containerhafen am Jangtse in Wuhan Bild: dpa

China scheint derzeit eine einzige Baustelle zu sein. Der Aufschwung dort zieht die Weltkonjunktur mit und hebt auch die Nachfrage nach deutschen Exportgütern. Doch der Boom wird nicht ewig weiterlaufen, gerade China könnte auch zum Risiko werden

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          Für die Schiffgucker am Hamburger Hafen war dieser Mittwoch ein spannender Tag. Die „Christophe Colomb“ hatte festgemacht am Burchardkai. Mit einer Länge von 366 Metern und 13.800 Stellplätzen ist sie das größte Containerschiff, das jemals in der Hansestadt angelegt hat. Noch vor nicht allzu langer Zeit hätte der Riesenpott wohl ziemlich vereinsamt an der Kaimauer gelegen - der Hamburger Hafen hatte in der globalen Wirtschaftskrise 2009 schwere Umsatzrückgänge verbucht. Doch nun ist wieder hektischer Betrieb im größten deutschen Hafen.

          Christian Geinitz

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          „Der Aufschwung ist bei uns deutlich zu spüren“, sagt Jens Meier, Geschäftsführer der Hamburg Port Authority. Auch die Mienen der im vergangenen Jahr arg gebeutelten Reeder hellen sich auf. Denn mit steigender Nachfrage klettern die Transportpreise, die Frachtraten. „Seit Anfang dieses Jahres ist der Charterratenindex um mehr als 80 Prozent gestiegen“, sagt Sönke Fanslow, Vorstand der Hansa-Treuhand-Gruppe. Die Zahl unbeschäftigter Containerschiffe sei binnen sechs Monaten von 580 auf 175 gesunken.

          China zieht die Weltwirtschaft hinter sich her

          Der Außenhandel brummt wieder. Er zieht Deutschland aus dem Rezessionsloch des vergangenen Jahres, das bestätigen die aktuellen Exportzahlen. Im Mai lag die Ausfuhr um stolze 28,8 Prozent über dem schlechten Vorjahreswert. Das war die größte Jahressteigerung seit dem Boom der Jahrtausendwende. „Der Export läuft fast so heiß wie gegenwärtig die Temperaturen“, freut sich André Schwarz, Sprecher des Außenhandelsverbands BGA. Insgesamt erwartet er in diesem Jahr einen Zuwachs der Ausfuhr um 9 Prozent. „Das erschien anfangs als eine ziemlich optimistische Prognose, doch im ersten Halbjahr ist unsere Erwartung von der realen Entwicklung noch übertroffen worden,“ sagt Schwarz.

          Spannend für Schiffgucker: Die „Christoph Colomb” in Hamburg

          Die Branchen, die in der globalen Rezession besonders tiefe Einbrüche erlebten, blühen wieder auf: Der Maschinenbau konnte im Mai eine Steigerung der Aufträge um 61 Prozent zum Vorjahresmonat vermelden - freilich war das Niveau im Mai 2009 auch besonders schlecht. Glänzende Zahlen melden auch einige Autohersteller. Der Branche hatte mancher nach Ende der Rezession noch ein langes Siechtum prophezeit. Nun bekommen die Hersteller im oberen Segment - BMW, Audi und Daimler - so viele Bestellungen, dass sie mit der Produktion kaum nachkommen. Bemerkenswert stark ist die Nachfrage nach Luxus-Autos in China.

          Das Reich der Mitte zieht die Weltwirtschaft hinter sich her, es ist die unbestrittene Lokomotive der Konjunktur. Im Krisenjahr 2009, als die Weltwirtschaft erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg schrumpfte, wuchs Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 9,1 Prozent. In diesem Jahr erwarten die meisten Konjunkturbeobachter nochmals 9 bis 10 Prozent. Auch andere fernöstliche Länder kommen wieder mächtig in Fahrt, Singapur etwa, das nach dem tiefen Rezessionseinbruch 2009 in diesem Jahr nun 13 bis 15 Prozent Wachstum erwartet, oder das oft unterschätzte Taiwan. „Asien ist die am schnellsten wachsende Region der Welt“, betont Maria Laura Lanzeni, Schwellenlandexpertin von Deutsche Bank Research, „und sie wird es wohl bleiben.“

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