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Weltbank : Kapital strömt in Entwicklungsländer

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Bild: F.A.Z.

Viele Entwicklungs- und Schwellenländer haben vom kraftvollen Wachstum der Weltwirtschaft profitiert. Das hat sich in einem größeren Zustrom privaten Kapitals niedergeschlagen, hat die Weltbank herausgefunden.

          Viele Entwicklungs- und Schwellenländer haben vom kraftvollen Wachstum der Weltwirtschaft im vergangenen Jahr profitiert. Das hat sich nicht zuletzt in einem größeren Zustrom privaten Kapitals niedergeschlagen. Gleichwohl sind die Entwicklungsländer verwundbar im Fall eines kräftigen Zinsanstiegs an den internationalen Kapitalmärkten oder ungeordneter Verschiebungen im Währungsgefüge. Zu dieser Einschätzung gelangt die Weltbank in Washington in ihrem neuen Weltentwicklungsbericht.

          Die Weltwirtschaft sei 2004 um 3,8 Prozent gewachsen, so schnell wie seit vier Jahren nicht mehr, berichtet das multilaterale Kreditinstitut. Die Volkswirtschaften der Entwicklungsländer seien im Durchschnitt um 6,6 Prozent gewachsen. Der Saldo des privaten Kapitalstroms in die Entwicklungsländer habe sich um 51 Milliarden Dollar auf 301,3 Milliarden Dollar erhöht. Mehr als die Hälfte dieser Summe (165,5 Milliarden Dollar) entfalle auf Direktinvestitionen, ein Plus von 13,7 Milliarden Dollar im Vergleich zu 2003.

          Interesse der Märkte geweckt

          "Die Erholung des Kapitalstroms ist ein willkommenes Signal für das wiedererweckte Interesse der Märkte an den Entwicklungsländern. Zugleich spiegeln sich darin die Erfolge vieler dieser Länder in der Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wider", sagte der Chefvolkswirt der Weltbank, Francois Bourguignon, anläßlich der Vorstellung des Berichts. "Wir dürfen aber nicht vergessen, daß die herrschenden globalen Ungleichgewichte Risiken darstellen, die diese Gewinne zunichte machen könnten", fügte der Ökonom mit Blick auf das hohe Defizit in der amerikanischen Leistungsbilanz und mögliche Turbulenzen an den Finanzmärkten hinzu.

          Nach Bourguignons Worten stellt der Übergang zu höheren Zinsen im Zuge der geldpolitischen Straffung insbesondere durch die amerikanische Notenbank eine Bewährungsprobe für das internationale Finanzsystem dar. Die Schlüsselfrage für die Entwicklungsländer sei, ob vor diesem Hintergrund der gute Zustrom ausländischen Kapitals fortwähre oder nicht. Prinzipiell sei die Anhäufung von Währungsreserven ein wirksamer Schutz gegen einen spärlicheren Kapitalstrom. Eine Reihe von Schwellenländern habe aber in den vergangenen Jahren ungleich mehr Reserven angehäuft als sinnvoll sei. "Diese Länder sollten ihre Strategie überdenken", heißt es in dem Weltbankbericht.

          Langsameres Wachstum in diesem Jahr

          Die Bank rechnet damit, daß sich das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr auf 3,1 Prozent verlangsamen wird. In den Entwicklungsländern sagen die Ökonomen der Bank ein Wachstum von 5,7 Prozent im Durchschnitt voraus. Am stärksten dürften demnach die Entwicklungsländer in Ostasien und dem pazifischen Raum wachsen (7,4 Prozent nach 8,3 Prozent 2004), gefolgt von Südasien (6,2 Prozent nach 6,6 Prozent). Für den Euro-Raum rechnet die Weltbank mit einem Wachstumsrückgang von 1,8 auf 1,2 Prozent, Japan werde von 2,6 Prozent auf 0,8 Prozent zurückfallen. Die amerikanische Volkswirtschaft bleibt demnach Motor der Weltkonjunktur, ihr Wachstum wird sich von 4,4 Prozent auf 3,9 Prozent verringern.

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