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Wachstumsprognose : IWF mahnt Europa und Amerika zur Aktion

Der IWF hat seine Wachstumsprognose gesenkt Bild: dapd

Der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft gesenkt und warnt Amerika und Europa.  Versagten sie mit ihrer Politik.  drohe 2013 eine Rezession in den Industriestaaten.

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          Der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft ein wenig gesenkt und fordert die Europäer und die Amerikaner zu entschlossenem Handeln auf, um eine Rezession in den Industriestaaten zu verhindern. Die Unsicherheit über den Fortgang der europäischen Schuldenkrise und über die fiskalische Klippe in den Vereinigten Staaten laste schwer auf dem Ausblick, mahnt der Fonds im neuen Weltwirtschaftsausblick, den er am frühen Dienstag morgen in Tokio (Ortszeit) veröffentlichte. Nach der Prognose wird die Weltwirtschaft in diesem und im kommenden Jahr nur noch um 3,3 und 3,6 Prozent wachsen. Das sind 0,2 und 0,3 Prozentpunkte niedriger als noch im Sommer vom Fonds erwartet.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          „Die wirtschaftlich Erholung dauert an, aber sie hat sich weiter abgeschwächt“, sagte Olivier Blanchard, der Chefvolkswirt des IWF, vor Journalisten in Tokio. Das Wachstum sei zu niedrig, um in den Industriestaaten die Arbeitslosigkeit zu senken. Für die Industriestaaten als Gruppe erwartet der IWF ein Wachstum von 1,3 und 1,5 Prozent in diesem und im kommenden Jahr.

          Der Fond begründet die wirtschaftliche Abschwächung mit traditionellen Einflüssen wie der fiskalischen Konsolidierung und der Schwäche des Finanzsystems. Blanchard aber betonte, dass darüber hinaus „mehr am Werk sei“. Er sprach von einem „generellen Gefühl der Unsicherheit.“ In ihre Prognose unterstellen die IWF-Ökonomen, dass es den europäischen Regierungen gelingt, die Euro-Schuldenkrise weiter schrittweise in den Griff zu bekommen.

          Als zweite Kernvoraussetzung ist angenommen, dass die Vereinigten Staaten die fiskalische Klippe im Jahr 2013 von drastischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen umschiffen, die Schuldengrenze erhöhen und einen mittelfristigen Plan beschließen, um den Bundeshaushalt mit seinem hohen Defizit auf einen nachhaltigen Pfad zu führen. Scheitern die Europäer und die Amerikaner an diesen Aufgaben, werde der Ausblick abermals enttäuscht werden, warnt der IWF. Für diesen Fall schließt er nicht aus, dass die Industriestaaten in die Rezession stürzen und die Schwellen- und Entwicklungsländer nur noch schwach wachsen werden.

          Höheres Rezessionsrisiko

          Wie groß diese Gefahren sind, verdeutlicht der Fonds mit – naturgemäß unsicheren - Berechnungen von Rezessionsrisiken. Die Wahrscheinlichkeit für ein Wachstum der Weltwirtschaft von weniger als 2 Prozent, was einer Rezession in den großen Industriestaaten entspricht, setzt der Fonds mittlerweile mit 17 Prozent an. Im Frühjahr waren es nur 4 Prozent gewesen. Eine andere Rechenmethode zeigt, dass das Rezessionsrisiko für die Vereinigten Staaten im kommenden Jahr 15 Prozent beträgt, für Japan 25 Prozent und für den Euro-Raum 80 Prozent.

          Zur Behebung der europäischen Schuldenkrise reicht dem IWF nicht, dass die Finanzminister am Montag den Rettungsfonds ESM in Kraft gesetzt hatten. Der Währungsfonds erwartet vielmehr, dass die Europäer darüber hinaus die Bankenunion bis zu einer paneuropäischen Einlagensicherung und zu einem gemeinschaftlich finanzierten Mechanismus zur Auflösung und Umstrukturierung notleidender Banken vorantreiben. Auch müssten sie die fiskalische Integration voranbringen. Der ESM soll nach Vorstellungen des IWF dabei direkt Banken kapitalisieren können. Der Fonds hofft, dass die Europäer mit solch einem glaubwürdigen Fahrplan die finanzielle Disintegration zwischen den Euro-Staaten überwinden können.

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