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Vereinigte Staaten / G7 : Greenspan erwartet Wende in amerikanischer Leistungsbilanz

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Bild: dpa

Der amerikanische Notenbankchef erwartet, daß der schwache Dollar und Haushaltsdisziplin den Importhunger dämpft. Vor dem G7-Treffen streiten die Industriestaaten, wie Afrika zu helfen sei.

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          Die Schwäche des Dollar und größere Haushaltsdisziplin der Regierung in Washington werden schon bald zu einer Verringerung des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits führen. Diese Einschätzung hat der Chairman der amerikanischen Notenbank (Fed), Alan Greenspan, geäußert. Der Währungshüter zeigte sich zugleich zuversichtlich, daß sich diese Anpassung aufgrund der hohen Flexibilität der amerikanischen Wirtschaft ohne nennenswerte Wachstumseinbußen vollziehen werde.

          "Wir könnten womöglich an einen Punkt gelangen, wenn wir ihn nicht schon erreicht haben, an dem Exporteure in die Vereinigten Staaten nicht länger bereit sind, eine weitere Abschwächung des Dollar durch eine Verringerung ihrer Gewinnmargen auszugleichen", sagte Greenspan auf einer Veranstaltung in London. Der Fed-Chairman hält sich anläßlich des Treffens der Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben führenden Industrienationen (G 7) in der britischen Hauptstadt auf. Eine Verringerung des amerikanischen Imports und eine Erhöhung des Exports gelten als Voraussetzung für ein sinkendes Leistungsbilanzdefizit. Es beträgt inzwischen fast 6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, ein Niveau, das vielen Ökonomen als nicht tragfähig gilt. Greenspan äußerte sich optimistisch, daß die amerikanische Regierung die Haushaltskonsolidierung ernst nehme und so zu einer Verringerung des Kapitalbedarfs beitrage. Der hohe Zustrom ausländischen Kapitals dient Amerika zum Import von Waren und Dienstleistungen.

          Streit über Schuldenerlaß

          Unterdessen herrscht zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien weiterhin Uneinigkeit über die Finanzierung eines Schuldenerlasses für die ärmsten Entwicklungsländer. Die amerikanische Regierung lehnt einen Vorschlag des britischen Schatzkanzlers Gordon Brown ab, einen Teil der Goldreserven des Internationalen Währungsfonds (IWF) höher zu bewerten oder zu verkaufen. Das machte der Staatssekretär im amerikanischen Finanzministerium, John Taylor, in London deutlich. "Wir sind nicht davon überzeugt, daß dies notwendig ist", sagte Taylor, der den erkrankten Finanzminister John Snow vertritt.

          Nach dem Willen Browns soll durch eine Neubewertung der Goldreserven des IWF - sie belaufen sich derzeit auf 3217 Tonnen und sind zu historischen Kosten von rund 40 Dollar je Feinunze bewertet - der Erlaß sämtlicher Schulden der ärmsten Entwicklungsländer gegenüber dem IWF finanziert werden. Die amerikanische Regierung lehnt auch einen Vorschlag Großbritanniens ab, wonach die Entwicklungshilfe durch die Schaffung einer Internationalen Finanzfazilität (IFF) bis zum Jahr 2015 um jeweils 50 Milliarden Dollar erhöht werden soll. Im Rahmen der IFF würden die langfristigen Entwicklungshilfezusagen der Industrienationen als Sicherheit für neue Kapitalmarktanleihen dienen. Mit dem Geld aus den Anleiheverkäufen soll dann die Hilfe für die Entwicklungsländer aufgestockt werden. Deutschland, Frankreich und Italien unterstützen Browns Plan. Washington will für die Entwicklungshilfe keine zusätzlichen Schulden aufnehmen. Zu den G 7 zählen noch Kanada und Japan.

          Yuan-Kurs flexibilisieren

          Einvernehmen besteht zwischen den Vereinigten Staaten und den Europäern indes in ihrem Wunsch nach einer möglichst raschen Flexibilisierung des Wechselkurses des chinesischen Yuan. Taylor bezeichnete die Diskussionen mit der chinesischen Führung darüber als "gut und offen". "Wir wissen, daß China sich auf diesem Weg voranbewegt", sagte Taylor. China ist neben Südafrika, Indien und Brasilien als Gast zu den Beratungen der Siebenergruppe geladen.

          Berichten aus London zufolge senkt der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft in diesem und dem kommenden Jahr leicht. Die IWF-Ökonomen sagen demnach 2005 und 2006 einen Zuwachs des globalen Bruttoinlandsprodukts von jeweils 4,2 (bisherige Prognose 4,3) Prozent voraus. Im vergangenen Jahr wuchs die Weltwirtschaft Schätzungen zufolge um rund 5 Prozent.

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