https://www.faz.net/-gqe-qc1g

Vereinigte Staaten : Der amerikanische Konjunkturmotor läuft langsamer

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Stimmung auf den Anleihemärkten ist negativ. Doch Bankvolkswirte und Regierung halten den Pessimismus für überzogen. Sie prognostizieren in der zweiten Jahreshälfte ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum.

          4 Min.

          Um die Verfassung der amerikanischen Wirtschaft und den Ausblick für die Konjunktur ist es nicht gut bestellt. Dieser Eindruck drängt sich beim Blick auf die amerikanischen Anleihemärkte auf. Dort wirft die maßgebliche Staatsanleihe mit zehn Jahren Laufzeit nicht einmal 4 Prozent ab, rund 70 Basispunkte weniger als vor einem Jahr. Der Rückschluß auf die Wachstumsaussichten ist zulässig, weil sich in den Kapitalmarktrenditen nicht nur die Erwartungen der Marktakteure bezüglich der Inflationsentwicklung, sondern auch der Verzinsung auf das eingesetzte Kapital spiegeln. Geht es mit der Wirtschaft bergab, dann sinkt gemeinhin die Rendite, geht es bergauf, so steigt gewöhnlich die Kapitalverzinsung.

          Derzeit scheint auf die Indikatorqualität der Anleiherenditen aber nur bedingt Verlaß zu sein: Nicht nur Regierung und Notenbank in Washington, auch zahlreiche Bankvolkswirte an der Wall Street halten den Pessimismus der Finanzmarktakteure für überzogen. Alan Greenspan, Chairman der Federal Reserve (Fed), hat mit Blick auf das ungewöhnliche Verhalten der Anleihekurse sogar von einem „Rätsel“ gesprochen. Richtig ist, daß die amerikanische Konjunktur einen Teil ihrer Wachstumsdynamik aus dem vergangenen Jahr eingebüßt hat.

          Sinkende Sparquoten wirken ausgleichend

          Nach einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,4 Prozent 2004 ist die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2005 mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,5 Prozent gestiegen. Für das zweite Quartal liegen die Prognosen der Wall-Street-Ökonomen vielfach bei etwas mehr als 3 Prozent. Grund für die Abschwächung des Wachstums waren ein langsamerer Anstieg der Konsumausgaben, größere Zurückhaltung der Unternehmen bei Investitionen in Ausrüstung und Computersoftware sowie der hohe Überschuß des Imports im Vergleich zum Export. In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung schmälert der Import von Waren und Dienstleistungen das BIP, der Export erhöht es. Der sogenannte negative Außenbeitrag hat das amerikanische Wachstum im ersten Quartal um rund 0,7 Prozentpunkte gedämpft.

          Gleichwohl ist es um die größte Volkswirtschaft der Erde nicht schlecht bestellt. Das Vertrauen der Verbraucher in die wirtschaftliche Zukunft schwankt zwar von Monat zu Monat ein wenig, ist aber unter dem Strich noch sehr ordentlich. Im Mai hat die Entspannung der Kraftstoffpreise sogar zu einer Verbesserung des Konsumklimas geführt. Viele Verbraucher haben die höheren Benzinpreise - eine Gallone (3,8 Liter) Normalbenzin kostet im Landesdurchschnitt 2,09 Dollar, 4,5 Prozent mehr als vor einem Jahr - durch eine weitere Verringerung ihrer Sparquote ausgeglichen. Sie lag in den vergangenen drei Monaten nur noch bei 0,6 Prozent des verfügbaren Einkommens. Im Jahr 2004 waren es 1,2 Prozent. Der private Verbrauch wird darüber hinaus gestützt von einer besseren Einkommensentwicklung.

          Höherer Stundenlohn, niedrige Zinsen

          Die Arbeitsmarktdaten für Mai blieben zwar hinter den Erwartungen der Bankökonomen zurück, denn es wurden statt der prognostizierten 180.000 nur rund 78.000 zusätzliche Stellen geschaffen; seit Jahresbeginn aber sind 900.000, auf zwei Jahre gesehen sogar 3,5 Millionen neue, zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. Die Arbeitslosenquote ist von ihrem jüngsten Höchststand im Sommer 2003 um 1,2 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent gesunken. Für die Entwicklung der Löhne und Gehälter ist die zunehmende Nachfrage nach Arbeitskräften nicht folgenlos geblieben: Im ersten Quartal erhöhten sie sich mit einer Jahresrate von 7,3 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Lieber was Eigenes: Ein Einwohner von Wuhan erhält eine Impfung mit dem chinesischen Sinopharm-Vakzin.

          Impfstoffe : China bremst BioNTech aus

          Die Verhandlungen liefen bereits, man war zuversichtlich. Eine Milliarde Impfstoffdosen im Jahr wollte das Unternehmen auf dem größten Markt der Welt verkaufen. Doch daraus wird wohl nichts.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.