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Trotz Wachstumsdelle : DIHK rechnet mit 300.000 neuen Stellen

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Die Lufthansa will 2000 Flugbegleiter einstellen Bild: dpa

Die deutsche Industrie blickt zwar mit wachsender Skepsis auf das neue Jahr, doch der Stellenaufbau setzt sich wohl weiter fort. Dienstleister könnten ein Jobmotor sein. Trotz der abgeschwächten Geschäftslage habe es eine ähnlich gute Lageeinschätzung „zuletzt zur Zeit der Wiedervereinigung gegeben“.

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          Die deutsche Industrie blickt mit wachsender Skepsis auf das neue Jahr. Die Erwartungen der Unternehmer liegen deutlich unter den Werten aus dem Frühjahr und Sommer und nur noch leicht über denen aus dem Herbst 2007. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seiner zum Jahresende abgeschlossenen repräsentativen Industriebefragung.

          „Wir rechnen mit einem Anstieg der Industrieproduktion von immerhin rund 4 Prozent, nachdem 2007 rund 7 Prozent erreicht wurden“, sagte DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier der F.A.Z. in Berlin. Auch 2006 war die Industrieproduktion um etwa 7 Prozent gestiegen. Treier hob hervor, dass sich der Stellenaufbau in den befragten 17 Industriebranchen fortsetzen werde, nachdem dort bis zum Jahr 2006 kontinuierlich Stellen abgebaut worden waren.

          „2008 werden nach Einschätzung des DIHK ebenso wie im Jahr 2007 rund 100.000 zusätzliche Industriearbeitsplätze geschaffen werden“, sagte er. Das verarbeitende Gewerbe und mit ihm die industrienahen Dienstleister fänden wieder zu ihrer Rolle als Jobmotor zurück. Allerdings bremse der Fachkräftemangel zunehmend den Stellenaufbau in der Industrie und Wachstumschancen für die Volkswirtschaft. Allgemein rechnet die Kammernorganisation mit einem Wachstum von 2 Prozent und einem Plus von 300.000 Stellen.

          Inland: Industrie setzt auf steigende Kaufkraft

          Aktuell liefen die Geschäfte der Unternehmen nicht mehr so gut wie in der ersten Jahreshälfte 2007. „Vor allem in den bau- und in den konsumnahen Branchen hat sich das Stimmungsbild zuletzt spürbar verschlechtert“, sagte Treier. Trotz der abgeschwächten Geschäftslage weist die Kammernorganisation im „Industriereport 2007/08“ darauf hin, eine ähnlich gute Lageeinschätzung habe es „zuletzt zur Zeit der Wiedervereinigung gegeben“. Das ist jetzt 17 Jahre her. Während die Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern aus dem In- und Ausland weiter als robust beschrieben wird, gebe es Schwächetendenzen im privaten Wohnungsbau und in der Konsumgüterindustrie.

          Für 2008 erwarteten die Industrieunternehmen weiterhin ein dynamisches Exportgeschäft. Die Kammern rechnen mit einem Ausfuhrzuwachs von 7 Prozent nach 8 Prozent im abgelaufenen Jahr. „Insbesondere die Wachstumsmärkte in Mittel- und Osteuropa, vor allem aber in Russland, Indien und China versprechen hohe Zuwachsraten“, sagte Treier. Für das Inland hoffe die Industrie auf Absatzchancen durch die steigende Kaufkraft der Verbraucher.

          „36 Prozent der Betriebe planen höhere Ausgaben“

          Allerdings sei die Prognose mit einigen Unsicherheiten belastet. Als Beispiele nannte der DIHK-Chefvolkswirt den Preisanstieg bei Rohstoffen und Energie sowie das langsamere Wachstum der Weltkonjunktur, die belastet werde von den noch nicht ausgestandenen Folgen der amerikanischen Hypothekenmarktkrise. Die Auswirkungen des gegenüber dem Dollar weiter starken Euro hielten sich angesichts der gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie in Grenzen. Der DIHK erklärt die rückläufigen Geschäftserwartungen auch durch wachsende Zweifel an der Reformbereitschaft der Bundesregierung. „Insbesondere die Mindestlohndebatte sowie rückwärtsgewandte Korrekturen an den Hartz-IV-Reformen beunruhigen“, sagte Treier.

          Hinzu komme die Verunsicherung durch die aktuelle Klimaschutzdebatte. Umweltschutz sei inzwischen für 12 Prozent der Unternehmen das Hauptmotiv für Investitionen, 2006 hätten nur 9 Prozent diesen als wichtigstes Motiv genannt. Vor allem in der Automobilbranche seien die klimaschutzbedingten Investitionspläne auffällig. Auch wenn die Industrieinvestitionen 2008 wegen steuerbedingter Vorzieheffekte im Jahre 2007 leicht zurückgehen dürften, planten 36 Prozent der Betriebe höhere Ausgaben. Das sei „ein beachtlicher Wert im langfristigen Vergleich“. Im Branchenvergleich wiesen Unternehmen der Pharmaindustrie (zuletzt Rang 11) sowie der Medizintechnik und der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik die besten Geschäftserwartungen auf.

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