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Teurer Sprit : Inflationsrate zieht zum Jahresende an

  • Aktualisiert am

Bild: DPA

Das Leben in Deutschland ist 2010 kaum teurer geworden. Die Inflation blieb mit 1,1 Prozent moderat, berichten Statistiker, erst am Jahresende zogen die Preise an. Der Einzelne mag das anders empfunden haben: Teurer wurden vor allem Rauchen, Tanken und Heizen. Im Eurogebiet zogen die Preise kräftiger an.

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          Höhere Preise für Sprit, Heizöl und Tabak haben die Teuerung in Deutschland 2010 wieder etwas angeheizt. Im Jahresdurchschnitt erhöhten sich die Verbraucherpreise um 1,1 Prozent zum Vorjahr, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mit und bestätigte damit erste Schätzungen. Damit blieb die Inflation in Deutschland moderat. Frühindikatoren - wie etwas die Entwicklung der Großhandelspreise - deuten aber auf einen weiteren Anstieg hin (siehe Im Großhandel steigen die Preise wie seit 1981 nicht mehr ).

          Im Euro-Raum schlugen die höheren Energiepreise schon deutlich auf die Verbraucherpreise durch. Sie erhöhten sich im Jahresdurchschnitt 2010 gegenüber 2009 um 1,6 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat am Freitag nach Schätzungen berichtete. Im Dezember kletterte die Inflation im Euroraum sogar erstmals seit mehr als zwei Jahren über die wichtige Marke von zwei Prozent. Die Europäischen Zentralbank (EZB) strebt eine jährliche Teuerung von knapp unter diesem Wert an.

          2009 hatte die Wirtschaftskrise die Teuerungsrate in Deutschland auf 0,4 Prozent gedrückt - den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung: In der Krise horteten Unternehmen und Verbraucher Geld, statt es zu investieren.

          Enormer Preisanstieg beim Heizöl

          Mit der starken Konjunkturerholung zogen die Preise nun aber besonders zum Jahresende 2010 an. Für Dezember 2010 ermittelten die Statistiker eine jährliche Inflationsrate von 1,7 Prozent - nach 1,5 Prozent im November. Im Vergleich zum November erhöhten sich die Preise im Dezember deutlich um 1,0 Prozent.
          Im Jahresdurchschnitt lieferte der Güterbereich Verkehr den größten Inflationsbeitrag. Die Preise stiegen in diesem Bereich gegenüber dem Vorjahr überdurchschnittlich um 3,5 Prozent - getrieben von den Kraftstoffpreisen, die um 11,2 Prozent nach oben schnellten.

          Haushaltsenergie wurde nur unwesentlich um 0,3 Prozent teurer. Der enorme Preisanstieg für leichtes Heizöl (plus 22,6 Prozent gegenüber 2009) wurde durch die günstige Preisentwicklung der anderen Haushaltsenergien wie Gas (minus 8,6 Prozent) stark gedämpft.

          Nahrungsmittel verteuerten sich im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent. Deutlich tiefer mussten Raucher in die Tasche greifen: Tabakwaren waren 2010 im Schnitt 2,2 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Dieser Trend wird sich wegen der geplanten Tabaksteuererhöhung der schwarz-gelben Koalition in den kommenden Jahren fortsetzen: Bis 2015 kommt auf Raucher eine jährliche Preissteigerung um vier bis acht Cent bei einer Zigarettenpackung mit 19 Stück zu.

          Im Euroraum übersteigt Inflationsrate die Zwei-Prozent-Marke

          Während die Preisentwicklung in Deutschland 2010 im Einklang mit den Zielen der EZB steht, blicken die Währungshüter mit etwas Sorge auf die Inflation im Euroraum. Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet hatte am Donnerstag zugegeben, dass er von der Jahresrate von 2,2 Prozent im Dezember überrascht wurde: „Das war etwas höher als erwartet und reflektiert die gestiegenen Energiepreise.“ In den kommenden Monaten kann die Inflationsrate nach EZB- Prognosen sogar noch weiter ansteigen. Gegen Ende des Jahres dürfte sie dann aber wieder fallen. Risiken seien die Energiepreise und die im Zusammenhang mit der Konsolidierung maroder Haushalte anstehenden Steuererhöhungen in vielen Ländern.

          Bundesbank-Präsident Axel Weber führte den Anstieg der Teuerung im Euro-Währungsraum am Freitag auf einen kurzfristigen Preisdruck bei den Energiepreisen zurück. Insgesamt sei der Preisdruck nach wie vor gedämpft und stehe im Einklang mit dem Ziel der Preisstabilität: „Allerdings könnten die Risiken für die mittelfristige Inflation durchaus steigen.“

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