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Tarifeinigung : Das Plus im Geldbeutel und die Folgen

In der Metall- und Elektroindustrie in NRW hat es an diesem Freitag eine Tarifeinigung gegeben. Bild: dpa

Die beiden größten Lohnrunden dieses Jahres sind abgeschlossen. Bei den Beschäftigten landet mehr im Geldbeutel. Aber Lohnsteigerungen bergen auch die Gefahr höherer Arbeitslosigkeit. Warum diese gar nicht so gering ist.

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          Mit dem Tarifkompromiss für die insgesamt 3,8 Millionen Metaller sind nun die beiden größten Lohnrunden dieses Jahres abgeschlossen. Ende April hatten sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und die kommunalen Arbeitgeber mit der Gewerkschaft Verdi auf Tariferhöhungen von ebenfalls knapp fünf Prozent für insgesamt 2,3 Millionen Beschäftigte des öffentlichen Diensts verständigt.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Dieser Tarifabschluss sah im Einzelnen vor, dass die Gehälter der Staatsbediensteten rückwirkend zum 1. März 2016 um 2,4 Prozent angehoben werden und zum 1. Februar 2017 um weitere 2,35 Prozent. Darüber hinaus einigten sich  die Tarifparteien des öffentlichen Dienstes auf eine neue sogenannte Entgeltordnung; sie regelt die Eingruppierung der verschiedenen Tätigkeiten in den Tarifvertrag und führt für einige Berufsgruppen zu zusätzlichen Gehaltssteigerungen.

          Insgesamt sind nach einer Übersicht der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in diesem Jahr Branchentarifverträge für rund 12 Millionen Beschäftigte in Deutschland neu zu verhandeln. So laufen derzeit beispielsweise noch die Tarifrunden für 785.000 Beschäftigte der Bauwirtschaft und für gut 200.000 Beschäftige des Bankgewerbes.

          Die Arbeitgeber der Bauwirtschaft hatten im April eine Lohnerhöhung um 1,3 Prozent im Westen und 2 Prozent im Osten angeboten. Die Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU), die mit einer Lohnforderung von 5,9 Prozent angetreten ist, wertete dies als „Provokation“. Ihre Verhandlungen werden am Dienstag in Wiesbaden in vierter Runde fortgesetzt. Im Bankgewerbe fordert die Gewerkschaft Verdi 4,9 Prozent mehr Geld.

          Tarifeinigung : Metall-Tarifparteien einigen sich in NRW auf Pilotabschluss

          Extrem niedrige Inflation könnte spürbare Reallohnsteigerungen bescheren

          Ungewöhnlich sind die ökonomischen Rahmenbedingungen der diesjährigen Tarifrunden vor allem durch die extrem niedrige Inflation. Sie macht es theoretisch möglich, dass schon kleine Tariferhöhungen den Beschäftigten spürbare Reallohnsteigerungen bescheren. Wie stark die geringe Teuerung die Entwicklung der Reallöhne begünstigt hatte sich schon im vergangenen Jahr gezeigt: Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts hatten die Arbeitnehmer 2015 im Durchschnitt preisbereinigt 2,4 Prozent mehr in der Tasche als im Jahr zuvor.

          Gleichzeitig bewegt sich allerdings auch die zweite wichtige Kenngröße der Lohnpolitik, der gesamtwirtschaftliche Produktivitätszuwachs, auf niedrigem Niveau. In der Theorie gelten Tarifabschlüsse als beschäftigungsfreundlich, solange sie unterhalb der Steigerungsrate des Produktivitätsforschritts bleiben. Das kürzlich von den Wirtschaftsforschungsinstituten im Auftrag der Bundesregierung vorgelegte Frühjahresgutachten beziffert den Produktivitätsforschritt für die Jahre 2016 und 2017 auf zusammen 0,8 Prozent.

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