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Studie : Deutschland erstmals ein wirtschaftlich freies Land

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Bild: dpa

Deutschland durchbricht im „2006 Index of Economic Freedom“ erstmals seit zwölf Jahren die Mauer zum Rang eines wirtschaftlich „freien Landes“. Bisher rangierte Deutschland in dem Bericht stets in einer niederen Kategorie.

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          Deutschland durchbricht im "2006 Index of Economic Freedom" erstmals seit zwölf Jahren die Mauer zum Rang eines wirtschaftlich "freien Landes". Bisher rangierte Deutschland in dem Bericht, den die Heritage Foundation, ein angesehenes konservatives Forschungsinstitut in Washington, seit 1994 verfaßt, stets in der Kategorie der wirtschaftlich "überwiegend freien Länder". Neben diesen beiden Kategorien gibt es noch die schlechteren Klassifizierungen "überwiegend unfrei" und "unterdrückt". Ursache für den deutschen Fortschritt ist nach Angaben der Wissenschaftler sowohl die Drosselung der Außenzölle durch die Europäische Union als auch der Rückgang von Steuerlast und Staatsausgaben in Deutschland selbst.

          Insgesamt jedoch liest sich die Bewertung Deutschlands als zwar der größten, aber auch "einer der schwächsten Volkswirtschaften" der EU weiterhin negativ. "Die Wirtschaft bleibt ,world-class', aber sie hat ihr Potential in den vergangenen Jahren nicht ausgeschöpft", heißt es. Die Arbeitslosigkeit sei zu hoch, die Lohnnebenkosten seien zu erdrückend, das Wachstum sei dauerhaft zu schwach und das staatliche Haushaltsdefizit zu groß. Sehr gute Noten gibt es allerdings für die "sehr niedrige" Inflation in Deutschland, die Offenheit für Auslandsinvestitionen, den verläßlichen Schutz der Eigentumsrechte sowie die geringe Schattenwirtschaft. Als "gut" bewertet werden das recht niedrige Niveau an Protektionismus, der moderate Grad an Staatseingriffen sowie die vergleichsweise freie Lohn- und Preisbildung.

          Deutliche Fortschritte in der ganzen Welt

          Insgesamt verbucht die Heritage Foundation deutliche Fortschritte für die wirtschaftliche Freiheit in der ganzen Welt. Damit setze sich der Trend der vergangenen zehn Jahre fort. Im Vorwort des soeben in Hongkong vorgestellten Berichts betont der Heritage-Präsident Edwin Feulner die darin enthaltene gute Nachricht: "Die wirtschaftliche Freiheit zu verbessern und zu bewahren ist der einzige Weg, einen positiven Zyklus von wirtschaftlichem Wachstum und Wohlstand im Zeitalter der zunehmenden Globalisierung zu schaffen."

          Von 161 Ländern hätten sich diesmal 99 (Vorjahr: 75) verbessert, während 51 (69) Länder an wirtschaftlicher Freiheit einbüßten. Aus der Gesamtheit der untersuchten Länder werden 20 als wirtschaftlich "frei" eingestuft, 52 als "überwiegend frei", 73 als "überwiegend unfrei" und 12 als "unterdrückt". Die meisten Fortschritte wurden in Nordamerika und Europa erzielt. In dieser Region - ohnehin der freieste Wirtschaftsraum der Welt - verbesserten sich 33 Länder, nur 10 verschlechterten sich. Neben Deutschland sind auch Österreich und Zypern in die Kategorie der wirtschaftlich "freien" Länder vorgerückt.

          In Nordafrika und im Nahen Osten Lage verschlechtert

          Auch im südlichen Teil Afrikas geht es in "dramatisch" großen Schritten - wenn auch auf niedrigem Niveau - voran. Lateinamerika und die Karibik haben sich nur geringfügig verbessert. In Nordafrika und dem Nahen Osten hat sich die Lage verschlechtert. Für Asien und den pazifischen Raum ergibt sich ein uneinheitliches Bild: Hongkong und Singapur seien weiterhin Vorbilder, heißt es, Nordkorea indes bleibe die unfreieste Volkswirtschaft der Welt.

          Auch mit Blick auf China zeigt sich Heritage wenig begeistert. Zwar verbessert sich die Wertung der Volksrepublik von Jahr zu Jahr, doch über die Kategorie einer "überwiegend unfreien" Wirtschaft kommt das Land bisher nicht hinaus. Besonders schlecht schneidet China mit Blick auf die Offenheit für Auslandsinvestitionen, die Stabilität des Finanzsektors, die Lohn- und Preisbildung, den Schutz der Eigentumsrechte und die Regulierung ab.

          Wie schon seit Jahren führt Hongkong die Liste der wirtschaftlich freiesten Länder an. Dicht dahinter folgt weiterhin Singapur. Auf dem dritten Platz überrundet Irland Luxemburg, das auf Rang 4 rutscht. Auf Rang 5 stehen gemeinsam Island und Großbritannien. Die Vereinigten Staaten, die im vergangenen Jahr aus der Gruppe der zehn freiesten Volkswirtschaften herausgefallen waren, teilen sich diesmal Rang 9 mit Australien und Neuseeland.

          In den Index fließen 50 unabhängige Variablen ein, aufgeteilt auf die 10 gleichgewichteten Kategorien Außenhandel, Steuerlast, Staatseingriffe, Geldpolitik, Kapitalströme und Auslandsinvestitionen, Bankwesen, Löhne und Preise, Eigentumsrechte, Regulierung sowie Schattenwirtschaft.

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