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Stabile Preise : Verbraucherpreise fallen erstmals seit 1987

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Schon in den vergangenen Monaten hatten sich die Kosten für die Lebenshaltung nur noch gering erhöht Bild: ddp

Zum ersten Mal seit 22 Jahren sind die Preise in Deutschland binnen eines Jahres gesunken. Eine Deflation - also einen Preisverfall auf breiter Front und über einen längeren Zeitraum - befürchten die meisten Fachleute aber nicht.

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          Die deutschen Verbraucherpreise sind im Juli erstmals seit mehr als 22 Jahren gefallen. Das Preisniveau lag nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 0,6 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Die Statistiker schätzte die Zahl auf Basis von Daten aus sechs Bundesländern. Gemessen am Vormonat sanken die Preise demnach um 0,1 Prozent. Details will das Statistische Bundesamt erst am 11. August nennen.

          Der Rückgang fiel doppelt so stark aus wie von Analysten vorhergesagt. Die Inflationsrate trägt damit zum ersten Mal seit 1987 wieder ein negatives Vorzeichen. Im März 1987 waren die Preise im Jahresvergleich um 0,3 Prozent zurückgegangen. Zwischen April 1986 und April 1987 hatte die Inflationsrate jeden Monat zwischen null Prozent und minus 1,0 Prozent gelegen.

          Wie schon damals ist auch in diesem Jahr vor allem der starke Rückgang der Spritpreise für die Minus-Inflation verantwortlich. Im vergangenen Juli hatten die Preise für Benzin und Diesel mit mehr als 1,50 Euro pro Liter einen historischen Höchststand erreicht. Grund ist der massive Verfall der Weltmarktpreise für Rohöl. Für ein Fass wurde vor einem Jahr der Rekordwert von knapp 150 Dollar verlangt. Derzeit sind es mit rund 66 Dollar weniger als die Hälfte, weil die Nachfrage wegen der weltweiten Rezession gesunken ist Lebensmittel waren in den sechs Bundesländern um bis zu 3,3 Prozent günstiger zu haben.

          Eine Deflation - also einen Preisverfall auf breiter Front und über einen längeren Zeitraum - befürchten die meisten Experten aber nicht (siehe auch Preisbericht: Die Kerninflationsrate bleibt deutlich positiv): „Es wird keine Deflation geben. Nimmt man die Energie und Lebensmittel heraus, steigen die Preise sogar merklich“, sagt etwa Simon Junker, ein Analyst bei der Commerzbank. Ab Herbst erwarte er wieder moderate Preissteigerungen.

          Fachleute verweisen zudem darauf, dass die Blase am Rohölmarkt - und damit auch die Energiepreise - im Juli 2008 ihren Höhepunkt erreicht hatten. Letztere seien seitdem um knapp 12 Prozent gefallen. „Dieser Effekt wird in den kommenden Monaten an Bedeutung verlieren, weshalb die Teuerungsrate allmählich wieder anziehen dürfte.“ Für 2009 insgesamt gehen die Analysten von einer Inflationsrate von 0,4 Prozent aus, für 2010 erwarten sie 1,5 Prozent.

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