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Spanien : Die Jungen leiden besonders

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Die Schlangen vor den Arbeitsämtern werden immer länger Bild: AFP

Anders etwa als im exportorientierten Deutschland hat die spanische Krise vor allem hausgemachte Ursprünge. Auf den Immobilienboom folgt nun ein tiefer Absturz. Wie sich die Rekord-Arbeitslosenquote von knapp 18 Prozent im spanischen Geschäftsleben niederschlägt, hat Michael Psotta in Madrid erlebt.

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          Die elegant gekleidete Verkäuferin einer Boutique im gehobenen Madrider Viertel Chamartín runzelt die Stirn. „Natürlich spüren auch wir die Krise. Es gibt ja kein anderes Thema mehr in Spanien“, antwortet sie etwas unwillig. Im teuren Fischrestaurant nebenan sind fast alle Tische frei, obwohl es früher Nachmittag ist, also klassische Zeit für das Madrider Mittagessen. Und der Rückflug von Madrid nach Frankfurt ist bis auf den letzten Platz besetzt - etwa von der jungen deutschen Sitznachbarin, die gegenwärtig noch in Madrid bei einem deutschen Hersteller von Luxusautos beschäftigt ist; jetzt sieht sie sich vorsorglich in ihrer Heimat nach einem neuen Arbeitsplatz um.

          Aus der Sicht der neuen Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado, die auch stellvertretende Ministerpräsidentin ist, ist das wohl keine perfekte Idee (Spaniens Wirtschaftsministerin: „Wir müssen für die Exzesse bezahlen“). Obwohl ihr Land mit 17,4 Prozent die höchste Arbeitslosenquote der EU aufweist, hält sie die Krise in Spanien für leichter steuerbar als in anderen Ländern Europas, die sich noch auf Überraschungen gefasst machen müssten.

          Spaniens Krise größtenteils hausgemacht

          Auf die Frage, ob sie ihr Amt derzeit lieber in Spanien oder in Deutschland bekleiden würde, antwortet sie jedenfalls ohne längere Überlegung: „in Spanien“. Und sie begründet dies mit der Verfassung des spanischen Bankensektors: „Wir kennen unsere Risiken, viele andere westlichen Länder nicht.“ Damit spielt sie darauf an, dass sich die spanischen Privatbanken und Sparkassen von hochriskanten Investitionen in ausländische Wertpapiere weitgehend ferngehalten haben.

          Dass Spanien dennoch von einer Wirtschaftskrise wie seit 70 Jahren nicht mehr überzogen wird, verschweigt Salgado natürlich nicht. Und auch nicht, dass diese Krise Strukturschwächen brutal offenlegt. Anders etwa als im exportorientierten Deutschland hat die spanische Krise vor allem hausgemachte Ursprünge. So wurden über viele Jahre bis zu 800 000 Wohnungen im Jahr gebaut, mehr als in Deutschland, Frankreich und Italien zusammen.

          Spekulationen mit Dritt- oder Viertwohnungen

          Das hatte zunächst durchaus seine Berechtigung: Innerhalb von gut zehn Jahren stieg die Bevölkerungszahl von 37 auf 45 bis 46 Millionen. Das lag fast ausschließlich an der Zuwanderung. Ob die Zahl der Einwanderer, die vor allem aus Lateinamerika, Nordafrika und Osteuropa gekommen sind, 4,5 Millionen beträgt, wie die Regierung dies offiziell ausweist, oder doch wegen illegaler Immigranten deutlich höher liegt, ist umstritten. Sicher ist aber, dass die Einwanderer fast vollständig auf dem Arbeitsmarkt unterkamen - und zahlreiche neue Wohnungen benötigten.

          Erst in den vergangenen Jahren kam es zum Exzess, als viele Spanier mit Zweit-, Dritt- und Viertwohnungen zu spekulieren begannen - und feststellen mussten, dass ihre vermeintlich sichere Anlage stark an Wert verlor und schließlich in vielen Fällen unverkäuflich wurde. Experten beziffern die Zahl der zum Verkauf stehenden Wohnungen derzeit auf gut eine Million. Schon 2007 sank die Zahl neu erbauter Wohnungen deutlich, 2008 lag sie nur noch bei 360 000, hatte sich also gegenüber 2008 mehr als halbiert, und 2009 wird sie nochmals erheblich zurückgehen.

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