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Schrumpfung der Weltwirtschaft : Weltbank und OECD mit dramatischen Prognosen

  • Aktualisiert am

Düstere Aussichten für die Konjunktur Bild: AP

Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg sagt nun die Weltbank eine Schrumpfung der Weltwirtschaft voraus. Die globale Wirtschaft werde in diesem Jahr um 1,7 Prozent zurückgehen, heißt es in einer aktuell veröffentlichten Studie. Doch die OECD prognostiziert noch Schlimmeres.

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          Die Prognosen für die Weltkonjunktur werden immer düsterer. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg sagt nun die Weltbank eine Schrumpfung der Weltwirtschaft voraus: Die globale Wirtschaft werde in diesem Jahr um 1,7 Prozent zurückgehen.

          Die Prognose der OECD sieht noch sogar noch dramatischer aus. Hier erwarten die Experten einen Rückgang der Weltwirtschaftsleistung um 2,75 Prozent.

          Moderate Erholung im kommenden Jahr

          Im Wirtschaftsausblick der Weltbank, der an diesem Dienstag in Washington vorgelegt wurde, heißt es, der Welthandel werde um mehr als 6 Prozent einbrechen - so stark wie seit 80 Jahren nicht. Im Euro-Raum wird die Wirtschaft der Studie zufolge um 2,7 Prozent schrumpfen.

          Bereits im kommenden Jahr sei eine moderate Erholung möglich, doch sei dieser Ausblick „höchst ungewiss“, räumte die Weltbank ein. Sie rechnet für 2010 mit einem weltweiten Wachstum von 2,3 Prozent - also so schwach, dass die Arbeitslosigkeit bis 2011 weiter ansteigen werde. Den Entwicklungs- und Schwellenländern droht nach Einschätzung der Weltbank eine Finanzierungslücke von bis zu 700 Milliarden Dollar. Besonders betroffen seien davon Europa und Zentralasien, Lateinamerika und Schwarzafrika.

          Im Euro-Raum sieht die Organisation im kommenden Jahr derweil lediglich ein schwaches Plus von 0,9 Prozent. Hingegen könnten die Vereinigten Staaten dann schon wieder um solide 2 Prozent zulegen.

          OECD deutlich pessimistischer

          Die OECD ist mit ihrer ebenfalls an diesem Dienstag veröffentlichten Vorhersage von einer Schrumpfung um 2,75 Prozent noch pessimistischer. „Die Weltwirtschaft ist mitten in der tiefsten und am stärksten synchronisierten Rezession, die wir je erlebt haben, ausgelöst von einer globalen Finanzkrise und verschärft durch einen Zusammenbruch des grenzüberschreitenden Handels“, erklärte OECD Chefvolkswirt Klaus Schmidt-Hebbel.

          Die Rezession werde sich im Jahresverlauf verschärfen, bevor im kommenden Jahr ein Erholung schrittweise Fuß fasse, die durch die Konjunkturprogramme beflügelt werde, teilte die OECD weiter mit. Für 2010 sagen die OECD-Experten ein mageres Plus für die Weltwirtschaft von 1,25 Prozent voraus.

          Furcht vor kräftig steigender Arbeitslosigkeit

          Die Arbeitslosigkeit werde in den OECD-Mitgliedsstaaten in den kommenden Monaten kräftig steigen und ihren Höhepunkt erst 2010 oder Anfang 2011 erreichen. Allein in den sieben größten Industriestaaten (G7) seien Ende kommenden Jahres wohl 36 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz - etwa doppelt so viele wie Mitte 2007. Das unterstreiche, wie wichtig es sei, die Konjunkturprogramme durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zu ergänzen, um soweit wie möglich einen Anstieg der strukturellen Arbeitslosigkeit zu verhindern, sagte Schmidt-Hebbel.

          Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, sei ein weiteres Eingreifen der Staaten nötig, sagte der OECD-Fachmann. Die Konjunkturprogramme müssten überdies international koordiniert werden. Die OECD sieht aber auch die Notenbanken in der Pflicht: Die Zinssätze müssten in die Nähe von null gesenkt werden und dort für längere Zeit bleiben, forderte Schmidt-Hebbel. Zusätzlich müssten die Währungshüter über alternative Mittel Geld in die Wirtschaft pumpen. Derzeit setzen unter anderem die amerikanische Notenbank Fed und die Bank von England sogenannte „quanititative Maßnahmen“ ein und kaufen etwa Staatsanleihen auf, um die Geldmenge zu erhöhen.

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