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0,8 Prozent Wirtschaftswachstum : Russland vermeidet die Rezession

  • -Aktualisiert am

Russland bekommt die Folgen von Ukraine-Krise und Sanktionen zu spüren. Bild: Bloomberg

Die russische Wirtschaft wächst im zweiten Quartal nach einer ersten Schätzung um 0,8 Prozent. Das liegt leicht über den Markterwartungen, doch sonst gibt es wenig Grund zur Freude.

          Die russische Wirtschaft hat eine Rezession im zweiten Quartal höchstwahrscheinlich vermieden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs nach einer ersten Schätzung des nationalen Statistikamtes von April bis Juni um real 0,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Dies impliziert eine leichte Zunahme gegenüber Januar bis März dieses Jahres, als die Wirtschaft zwar um 0,9 Prozent zur Vorjahresperiode zulegte, im Vergleich mit dem letzten Quartal 2013 aber geschrumpft war. Zwei Vierteljahre hintereinander mit einem schrumpfenden BIP und damit eine sogenannte technische Rezession bleiben dem drittgrößten Schwellenland also erspart.

          Das Wachstum lag leicht über den Markterwartungen, doch sonst gibt es wenig Grund zur Freude. Der Mix aus einer strukturellen Wirtschaftsschwäche sowie den Folgen von Ukraine-Krise und Sanktionen hinterlassen immer tiefere Spuren. Lag die Teuerung im Januar noch um 6 Prozent über dem Vorjahresniveau, so waren es im Juni bereits 7,8 Prozent. Einen Anteil daran hatte der Verfall des Rubels, der Importpreise verteuerte.

          In der Folge litt der Inlandskonsum, der, getrieben von staatlichen Lohn- und Pensionserhöhungen sowie Rohstoffeinnahmen, ein wichtiger Wachstumstreiber der vergangenen Jahre war. Die Einzelhandelsverkäufe sind von einem Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum im Februar kontinuierlich auf nur noch 0,7 Prozent im Juni abgesackt – laut der Bank VTB der schwächste Wert seit 50 Monaten. Das Wachstum der Reallöhne bildete sich von 5,2 Prozent im Januar auf 1,7 Prozent im Juni zurück.

          Das Wirtschaftsministerium hatte für das zweite Quartal ein Plus des BIPs von 1,1 Prozent vorhergesagt. Ob sich die Hoffnungen des Kremls in der zweiten Jahreshälfte erfüllen werden, ist sehr ungewiss. Zwar könnte die in manchen Bereichen proklamierte Importsubstitution die Industrieproduktion und die zuletzt arg gebeutelten Investitionen stützen. Aber die Unsicherheit hält an: Der Rubel hat seit Mitte Juli wieder an Boden verloren und sank Ende der vergangenen Woche zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit Mitte März.

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