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Rückläufige Exportwirtschaft : Wachstum in Amerika schwächt sich ab

Rückläufig statt hoch hinaus: Der Dollar verliert an Wert Bild: REUTERS

Energie- und Nahrungsmittelpreise haben für eine Zunahme der Inflation in den Vereinigten Staaten gesorgt. Gleichzeitig gingen die Exporte und die Ausgaben im Bausektor zurück. Die Zentralbank zeigt sich vom Preisschub allerdings unbeeindruckt.

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          Die amerikanische Wirtschaft hat sich im ersten Quartal des Jahres spürbar verlangsamt. Das reale Bruttoinlandsprodukt wuchs von Januar bis März nur mit einer Jahresrate von 1,8 Prozent, gegenüber 3,1 Prozent am Jahresschluss 2010. Das teilte das Wirtschaftsministerium nach einer vorläufigen Rechnung mit. Nach europäischer Rechnung entsprechen die Daten einer Wachstumsverlangsamung von 0,8 auf 0,4 Prozent. Bankvolkswirte werteten die Wachstumsverlangsamung überwiegend als Delle, nicht aber als Ende der wirtschaftlichen Erholung. Am Devisenmarkt sank der Kurs des Dollar nach Veröffentlichung der Daten; ein Euro kostete nun 1,483 Dollar. Schon am Mittwoch hatte der Dollar an Wert verloren, nachdem die Zentralbank Federal Reserve keine Absicht erkennen ließ, ihre Geldpolitik bald zu straffen.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Grund für das schwächere Wachstum im ersten Quartal war ein geringerer Export, wogegen der Import zunahm. Weniger Ausgaben der Bundesregierung bedeuteten ebenfalls eine Nachfrageschwächung. Die Bautätigkeit gab stark nach. Der private Konsum wuchs langsamer nach dem Weihnachtsgeschäft. Dagegen investierten die Unternehmen mehr.

          Die Zentralbank sieht die Wachstumsverlangsamung als vorübergehend

          Die Inflation hat sich im Winter deutlich beschleunigt. Der Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben stieg auf ein Jahr hochgerechnet um 3,8 Prozent. Treibende Kräfte waren die Energie- und Nahrungsmittelpreise. Die Federal Reserve hatte sich am Vortag weitgehend unbeeindruckt von dem Preisschub gezeigt. Der Vorsitzende Ben Bernanke betonte in einer Pressekonferenz zwar, dass sie die Entwicklung aufmerksam beobachte. Sollten die langfristigen Inflationserwartungen steigen, gebe es keine Alternative zu geldpolitischem Handeln, erklärte Bernanke. Die Zentralbank erwartet indes, dass der Preisschub vorübergeht. Die Prognosen des Offenmarktausschusses zeigen für 2011 eine Inflationsrate von 2,1 bis 2,8 Prozent. Die Teuerung überträfe damit das implizite langfristige Inflationsziel der Fed von 1,7 bis 2 Prozent. In den beiden Folgejahren aber sieht die Fed die Teuerungsrate schon wieder unter 2 Prozent.

          Bernanke stellte klar, dass die Zentralbank den Ankaufprogramm von Staatsanleihen für 600 Milliarden Dollar im Juni beenden werde. Die geldpolitische Debatte konzentriert sich nun darauf, wann die Fed mit einer Straffung beginnt. Bernanke erklärte, als erster Schritt würden wahrscheinlich die Erträge aus ihrem Wertpapierbestand und ablaufende Wertpapiere nicht mehr reinvestiert. Damit begänne die Zentralbank, ihre Bilanz zu schrumpfen. Doch bestätigte die Fed zugleich ihre Einschätzung, dass sie den Leitzins für ausgedehnte Zeit auf dem sehr niedrigen Niveau von 0 bis 0,25 Prozent halten wolle. Bernanke sagte, es werde ein paar Sitzungen dauern, bis die Fed handeln werde. Manche Volkswirte lesen in diese Äußerung hinein, dass die bisherige Interpretation der Marktteilnehmer von „ausgedehnte Zeit“ als etwa 6 Monate zu lang gewesen sei.

          Die Zentralbank sieht die Wachstumsverlangsamung als vorübergehend. Die unerwartet niedrigen Verteidigungsausgaben im ersten Quartal würden wohl im Laufe des Jahres wieder aufgeholt, sagte Bernanke. Auch der Export werde wieder stärker zulegen. Die Wachstumsdynamik längerfristig schwächen könnte aber der Rückgang der Bauinvestitionen. Die Fed erwartet für dieses Jahr ein Wachstum von 3,1 bis 3,3 Prozent, das sich in den beiden Folgejahren auf durchschnittlich etwa 3,7 Prozent beschleunigen soll.

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