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Robuster Arbeitsmarkt : Anteil befristeter Arbeitsplätze sinkt

  • Aktualisiert am

Da sprühen die Funken: Deutschlands Arbeitsmarkt befindet sich seit Jahren in einer robusten Verfassung. Bild: dpa

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz findet, dass in Deutschland zu viele Menschen befristet beschäftigt sind. Zahlen zeigen: Der Anteil solcher Stellen geht seit Jahren zurück. Leicht.

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          Der Anteil der befristeten Stellen ist in Deutschland auch im Jahr 2015 gesunken. Dies geht aus einer neuen Berechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, des wissenschaftlichen Arms des Bundesagentur für Arbeit. Daraus ergebe sich, dass der Anteil der befristeten Stellen seit den Jahren 2011/12 leicht rückläufig ist, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Damals seien ohne Auszubildende 8,4 Prozent der Arbeitsverträge befristet gewesen. 2015 seien 8 Prozent der Verträge zeitlich begrenzt gewesen.

          Etwas besser sehe es auch im Bereich der Neueinstellungen aus: Im Jahr 2009, als sich die Folgen der Finanzkrise deutlich zeigten, habe sich beinahe  jeder zweite (47 Prozent) Neueinsteiger mit einem Vertrag auf Zeit begnügen müssen. Im Jahr 2015 habe dies noch auf 42 Prozent der neu Eingestellten zugetroffen.

          Deutlich sichtbarer sind die Folgen des robusten deutschen Arbeitsmarktes demnach an einer anderen Stelle: Im Jahr 2015 wurden nach Angaben des IAB bereits 40 Prozent der befristet Eingestellten unbefristet übernommen - im Jahr 2009 seien es 30 Prozent gewesen.

          Das Thema ist insofern brisant, als es im Bundestagswahlkampf eine wichtige Rolle spielen könnte. Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte zuletzt kritisiert, dass es in Deutschland zu viele junge Menschen gebe, die nur befristete Arbeitsverträge hätten. Schulz will deshalb den Arbeitgebern die Möglichkeit nehmen, Arbeitsverträge ohne sachlichen Grund für bis zu zwei Jahre zu befristen.

          IAB-Experte Christian Hohendanner äußerte große Zweifel, ob dies wirken kann. Der Wissenschaftler nannte es „naiv“ zu glauben, dass Betriebe wegen des Wegfalls des Instruments der Befristung „automatisch mehr Beschäftigte gleich dauerhaft anstellen“. Vielmehr könnten Arbeitgeber dann mehr Leiharbeiter einsetzen, Arbeitsbereiche auslagern oder Mitarbeiter frei auf Honorarbasis beschäftigen.

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