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Preisbericht : Preisschub durch Mehrwertsteuererhöhung wirkt dauerhaft fort

Bild: F.A.Z.

Die Inflationsentwicklung verläuft in Deutschland moderat. Der Preischub wegen der höheren Mehrwertsteuer wurde gnädig verdeckt. Doch Frühindikatoren zeigen sich aufbauenden Inflationsdruck. Der vierteljährliche Preisbericht der F.A.Z.

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          Die Bundesregierung hat Glück gehabt. Die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar hat in der Wirtschaft zwar merkliche Spuren hinterlassen, wie der im ersten Quartal drastisch gesunkene Einzelhandelsumsatz belegt. Eine befürchtete allgemeine Erregung der Verbraucher über große Preiserhöhungen blieb indes aus. Der Grund dafür liegt nicht darin, dass es keine Preiserhöhungen gab. Der Grund liegt allein darin, dass in den ersten Monaten des Jahres der Ölpreis zunächst fiel. In der Haushaltsrechnung der Verbraucher hat dieser ausgleichende Effekt den mehrwertsteuerbedingten Preisanstieg überlagert. Die allgemeine Inflationsrate stieg von Dezember auf Januar zwar nur moderat von 1,4 auf 1,6 Prozent. Rechnet man aber die Energiepreise heraus, dann sprang die Inflationsrate zum Jahreswechsel von 1,1 auf 1,9 Prozent.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Vergleich macht deutlich, wie sehr die deutsche Politik zur Jahreswende durch die höhere Steuerlast die reale Kaufkraft der Verbraucher geschmälert hat. Nach einer Modellrechnung der Wirtschaftsforschungsinstitute im Frühjahrsgutachten hat die Erhöhung des Regelsatzes der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent die Verbraucherpreisinflation bis Februar in etwa um einen vollen Prozentpunkt in die Höhe getrieben. Ein Teil dieser Preiserhöhungen zeigte sich schon im Jahresschlussquartal 2006, weil Unternehmen und vor allem die Tabakindustrie vorab ihre Preise angepasst hatten.

          Zweischneidiges Schwert für die Geldpolitik

          Im fünften Monat des Jahres 2007 scheint der Preisschub durch die Mehrwertsteuererhöhung zwar Vergangenheit. In der weiteren Inflationsentwicklung aber wirkt die Mehrwertsteuererhöhung nach. Rechnerisch treibt der Preissprung zwölf Monate lang die Inflationsrate in die Höhe, weil diese ja den Preisvergleich zum Vorjahresmonat anzeigt. Wirtschaftlich aber wirkt die Mehrwertsteuererhöhung auf lange Zeit, weil sie das Preisniveau erhöht hat und wohl auch in ferner Zukunft nicht wieder zurückgenommen werden wird. Die Güter sind dauerhaft teurer geworden.

          Für die Geldpolitiker in der Europäischen Zentralbank (EZB) sind Mehrwertsteuererhöhungen wie in Deutschland ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite wissen die Zentralbanker, dass der Preisschub durch höhere indirekte Steuern nach einem Jahr rechnerisch aus der Inflationsrate herausfällt und insofern keinen Aktivismus auslösen muss. Auf der anderen Seite haben staatliche Interventionen durch höhere indirekte Verbrauchssteuern in den vergangenen Jahren in vielen Euro-Staaten immer wieder dafür gesorgt, dass die Inflationsrate im Euro-Raum höher lag, als sie liegen müsste. Dies wirkt auf die Inflationserwartungen der Verbraucher, und es verführt zu höheren Lohnforderungen, um den realen Kaufkraftverlust auszugleichen. Insoweit ist es angemessen, dass die Notenbanker im Euro-Tower in Frankfurt in ihrer Geldpolitik auch höhere Mehrwertsteuern berücksichtigen.

          Scheinbar moderate Inflationsentwicklung

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