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Neues Allzeithoch : Erst kam das Öl - jetzt ist das Benzin dran

  • Aktualisiert am

Preisschock an der Tankstelle: 1,58 für den Liter Benzin Bild: ddp

Auf bis zu 170 Dollar könne der Ölpreis diesen Sommer noch steigen, hatte der Opec-Präsident spekuliert. Gasprom-Chef Miller prognostiziert gar 250 Dollar für das nächste Jahr. Der Ölpreis erreichte prompt am Freitag ein neues Allzeithoch. Das wiederum schlägt jetzt aufs Benzin durch.

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          Die Benzin- und Dieselpreise haben am Freitag einen kräftigen Sprung nach oben gemacht und neue Höchststände erreicht. Für einen Liter Benzin mussten die Autofahrer in Deutschland im Durchschnitt 1,58 Euro bezahlen, teilten Sprecher der Mineralölwirtschaft in Hamburg und Bochum mit. Diesel kostete im bundesweiten Durchschnitt an Markentankstellen mehr als 1,53 Euro je Liter. Shell hatte die Preisrunde mit Erhöhungen von rund drei Cent für Benzin und Diesel eingeleitet.

          Damit wurden die alten Höchststände beim Benzin um zwei Cent übertroffen, beim Diesel um einen Cent. Die Ölunternehmen verwiesen zur Begründung auf die hohen Rohöl- und Produktpreise an den internationalen Märkten.

          Ölpreis auf neuer Rekordjagd

          Der Ölpreis war am Freitag zu einer neuen Rekordjagd aufgebrochen. Am Freitag erreichte er einen weiteren Höchststand von mehr als 142 Dollar. Ein Barrel (159 Liter) Leichtöl mit Auslieferungstermin im August kostete im elektronischen Handel der New Yorker Börse zeitweise 142,26 Dollar und damit 2,01 Dollar mehr
          als am Vortag. Da hatte er bereits einen Sprung von über fünf Dollar gemacht und die Marke von 140 Dollar geknackt.

          150, 170 oder 250 Dollar - wohin geht die Reise?

          Grund für den Preissprung waren neben einer abermaligen Schwächung des Dollars Äußerungen von Opec-Präsident Chakib Khelil über die mögliche Entwicklung der Ölpreise. Er halte einen Ölpreisanstieg auf 150 bis 170 Dollar noch in diesem Sommer für möglich, sagte Khelil dem Sender France 24 am Donnerstag. Ende des Jahres könnten die Preise dann wieder etwas sinken. Einen Anstieg auf 200 Dollar halte er für unwahrscheinlich.

          Für weitere Unsicherheit sorgte der Chef der staatlichen Ölgesellschaft Libyens. Schokri Ghanem schloss nach Medienberichten eine Produktionskürzung nicht aus, da der Markt hinreichend versorgt sei.

          Gasprom-Chef: Opec hat Kontrolle über Preise verloren

          Gasprom-Chef Alexej Miller sagte, die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) habe ihren Einfluss auf den Ölpreis verloren. Die Preise für Öl und Gas würden auf ein „völlig neues Niveau“ steigen, erklärte der Chef des russischen Energiegiganten gegenüber der Zeitung „Financial Times“ (Freitagsausgabe). „In der letzten Zeit wurde keine einzige Entscheidung (bei der Opec) getroffen, die den weltweiten Ölmarkt wirklich beeinflusst hätte.“

          Miller hatte Ölpreise von 250 Dollar pro Barrel (159 Liter) für das nächste Jahr vorausgesagt. Miller sagte, dass Gazprom in den kommenden Jahren, nicht nur eines der größten Unternehmen der Welt, sondern auch das einflussreichste im Energiesektor sein werde. Ziel sei eine Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar (634 Milliarden Euro). Ausländische Unternehmen sollten in Russland nur an der Seite von staatlich kontrollierten Firmen wie Gazprom investieren, betonte der Miller. Als strategisch interessantes Geschäftsfeld nannte er Nordamerika.

          Brasilien will Ölreserven verdreifachen

          Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva teilte unterdessen mit, dass er die Ölreserven seines Landes mindestens verdreifachen will. Zu diesem Zweck soll auch ein neues Offshore-Gebiet, das den größten Ölfund der westlichen Hemisphäre seit 1976 umfasst, erschlossen werden. Das Ölfeld Tupi der staatlichen Ölgesellschaft Petroleo Brasileiro SA (Petrobras) dürfte 8 Mrd. Barrel erschließbares Öl enthalten. „Das ist für Brasilien sehr vielversprechend“, sagte Lula in einem Fernsehinterview mit Bloomberg TV in Brasilia. „Wir müssen dieses Öl nutzen, um das Land voranzubringen.“

          Sollte es dem südamerikanischen Land gelingen, seine Ölreserven von derzeit 12,6 Milliarden Barrel zu verdreifachen, würde es unter die zehn größten Ölförderländer aufsteigen, schätzt der Ölkonzern BP. Brasilien würde Nigeria, die derzeitige Nummer zehn mit 36,2 Milliarden Barrel, überholen und knapp hinter Kasachstan rangieren, das auf 39,8 Milliarden Barrel kommt. Lula hat jedoch seine Meinung geändert und befürwortet nicht mehr, dass Brasilien der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) beitritt. „Ich habe nicht mehr die falsche Vorstellung, dass Brasilien sich der Opec anschließen soll. Das hatte ich früher, aber jetzt nicht mehr.“

          Der Ölpreis werde wahrscheinlich hoch genug bleiben, um eine Erschließung des Tupi-Ölfelds zu rechtfertigen, sagt der brasilianische Präsident. Die Erschließung von Tupi und potenzieller nahegelegener Offshore-Felder dürfte 240 Milliarden Dollar kosten, erwartet Peter Wells, Leiter der Analysegesellschaft Neftex Petroleum Consultants. Denn das Öl sei schwierig aus dem Boden zu bekommen, da das Meer an dieser Stelle drei Kilometer tief ist und die Lagerstätten sieben Kilometer unter dem Meeresboden liegen. Das Feld dürfte 50 Milliarden Barrel Öl enthalten.

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