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Nach Arbeitsmarktdaten : Steigt Amerikas Notenbank doch später aus Anleihekäufen aus?

Auch die Bank of America sucht neue Mitarbeiter Bild: REUTERS

Der amerikanische Arbeitsmarkt hat sich im August schwächer entwickelt als erwartet. An der Wall Street mehren sich Zweifel, ob die Notenbank wirklich schon in diesem Monat anfängt, weniger Anleihen zu kaufen.

          Der amerikanische Arbeitsmarkt hat sich im August weniger gut entwickelt als erwartet wurde. An der Wall Street mehren sich nun Zweifel, ob die Notenbank Federal Reserve schon in diesem Monat beginnen wird, den Ankauf von Anleihen zu verringern. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums fiel die Arbeitslosenquote im August von 7,4 auf 7,3 Prozent. Zugleich wurden 169.000 neue Stellen geschaffen. Das war etwas weniger als zuvor erwartet.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Analysten vermerkten negativ, dass im Juni und Juli nach korrigierten Angaben 74.000 Stellen weniger entstanden waren als zunächst gemeldet. Sie betonten zudem, dass der jüngste Fall der Arbeitslosenquote weitgehend darin gründete, dass weniger Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung standen. Die sogenannte Partizipationsquote sank im August von 63,4 auf 63,2 Prozent und lag damit so niedrig wie zuletzt im Jahr 1978.

          Die Erwartungen an den Finanzmärkten auf eine zügige Rücknahme der Anleihekäufe durch die Fed wurden dadurch gedämpft. Die Rendite auf amerikanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit gab 10 Basispunkte nach und betrug rund 2,9 Prozent, nachdem sie zuvor kurzfristig 3 Prozent erreicht hatte. Umfragen vor dem Arbeitsmarktbericht zeigten eine Mehrheit von Analysten, die erwarteten, dass die Fed schon in der Sitzung am 17. und 18. September beginnen werde, den Ankauf von Anleihen zu begrenzen. Im Zuge dieser quantitativen Lockerung kauft die Zentralbank seit der Jahreswende jeden Monat für 45 Milliarden Dollar Staatsanleihen und für 40 Milliarden Dollar Hypothekenanleihen.

          Mehr Unsicherheit

          Der Bericht schaffe mehr Unsicherheit, ob die Fed schon diesen Monat mit der Rücknahme der Anleihekäufe beginnen werde, kommentierte Ted Wieseman von Morgan Stanley. Er hielt indes an der Erwartung fest, dass die Notenbank sich in zwei Wochen bewegen werde. „An den Märkten ist die Erwartung, dass die Fed sich schon im September bewegt, nach wie vor intakt“, sagte der Amerika-Volkswirt der Bank Unicredit, Harm Bandholz. Die Verlangsamung des Stellenaufbaus während des Sommers sei eine vorübergehende Abschwächung. Vielleicht werde die Fed das Ankaufvolumen nur um 5 Milliarden statt um bislang erwartete 10 bis 15 Milliarden Dollar kürzen.

          Die Ökonomen von Goldman Sachs sprachen von einer „moderaten Enttäuschung“, die aber wohl nicht stark genug sei, um die Fed von der Rücknahme der Anleihekäufe abzubringen. Andere Analysten verwiesen dagegen darauf, dass die Neigung der Fed zum Abwarten wohl gestiegen sei.

          Charles Evans, der Präsident der regionalen Federal Reserve Bank von Chicago, hatte vor dem Arbeitsmarktbericht in einer Rede erklärt, die Fed könne wahrscheinlich später im Jahr mit der Rücknahme der Anleihekäufe beginnen. Evans unterstrich, dass die Notenbank Sicherheit haben müsse, dass die Wirtschaft sich so entwickele wie erwartet. Evans gehört im Offenmarktausschuss zu den moderaten Mitgliedern.

          Konjunkturdaten durchwachsen

          Diverse Wirtschaftsdaten hatten zuletzt auf eine sich kräftigende Konjunktur hingewiesen. Der Autoverkauf entwickelt sich gut, die Stimmung unter den Unternehmen generell hat sich verbessert. Auch im Arbeitsmarktbericht gab es positive Signale. So gab es im verarbeitenden Gewerbe nach einigen Dürremonaten 14.000 neue Stellen.

          Die Statistiker des Wirtschaftsministeriums, die sich durch kurzfristige Schwankungen üblicherweise weniger beirren lassen als die Finanzmärkte, erklärten, der Stellenaufbau bewege sich in etwa gemäß des Trends von plus 184.000 im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate. Für eine recht robuste Entwicklung am Arbeitsmarkt spricht, dass beide Arbeitsmarktumfragen, sowohl die Umfrage unter den Haushalten als auch die unter den Unternehmen, seit Jahresbeginn recht parallel laufen und einen Stellenaufbau seit Januar von 2 bis 2,2 Millionen anzeigen.

          Im zweiten Quartal war die amerikanische Wirtschaft mit einer Jahresrate von 2,5 Prozent gewachsen. Die Federal Reserve rechnet mit einer Beschleunigung im zweiten Halbjahr, wobei sie im September auch neue Prognosen vorlegen wird. Diese dürften schwächer ausfallen als zuvor, erwarten viele Volkswirte. Im Juni hatte der Offenmarktausschuss ein Wachstum von 2,3 bis 2,6 Prozent in diesem und von 3 bis 3,5 Prozent im kommenden Jahr prognostiziert.

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