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Konjunkturausblick : Viele Branchen sehen sich im Aufwärtstrend

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Nur die Lederindustrie geht von einer steigenden Beschäftigung aus Bild: Rainer Wohlfahrt, F.A.Z.

Zahlreiche Betriebe in Deutschland gehen einer Umfrage zufolge mit Optimismus ins kommende Jahr. Doch mit Investitionen wollen sich viele zurückhalten. Und viele Unternehmen werden wohl um einen Arbeitsplatzabbau nicht herumkommen.

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          Trotz besserer Geschäftsaussichten rechnen die meisten Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik 2010 mit einem Stellenabbau. Zwar erwartet die Hälfte der 44 großen Branchenverbände ein Umsatz- oder Produktionsplus, wie das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) am Dienstag zu seiner Umfrage mitteilte. Dennoch halten 27 einen Arbeitsplatzabbau für kaum vermeidbar. Nur die Lederindustrie geht von einer steigenden Beschäftigung aus.

          „Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise ist nach wie vor nicht überwunden und wird auch im nächsten Jahr einige Branchen noch hart treffen“, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, erwartet deshalb einen kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit. „Die schlechte Nachricht besteht darin, dass wir rund 500.000 Arbeitslose mehr bekommen werden als im Jahr 2009“, sagte Franz im SWR. „Insgesamt rechne ich für 2010 mit einer durchschnittlichen Anzahl von registrierten Arbeitslosen in der Größenordnung von vier Millionen.“

          Ein weiteres Krisenjahr mit Jobabbau und Firmenpleiten erwarten mit den Maschinenbauern auch der mit mehr als 900.000 Beschäftigten größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland. „Die Krise liegt noch lange nicht hinter uns“, erklärte der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Manfred Wittenstein. Viele Betriebe würden die Folgen erst 2010 mit voller Härte zu spüren bekommen.

          Der Pessimismus wird zur Seite gewischt, doch die Krise ist noch lange nicht vorbei

          Ungeachtet der besseren Konjunkturlage wollen sich die meisten Wirtschaftszweige mit Investitionen zurückhalten. Elf Branchen wollen weniger Geld ausgeben, nur neun rechnen mit steigenden Ausgaben, 24 mit unveränderten Budgets, wie die IW-Umfrage ergab. Damit blieben die Aussichten für den Arbeitsmarkt unsicher. „Die Unternehmen konnten lange Zeit mit flexiblen Arbeitszeitkonten sowie Kurzarbeit ihre Beschäftigten halten und werden dies auch im kommenden Jahr versuchen“, sagte Hüther. „Sollten die Erwartungen allerdings weiter einbrechen, werden viele Unternehmen nicht um einen Arbeitsplatzabbau herumkommen.“

          Der IW-Direktor warnte aber vor Schwarzmalerei. Ziehe die internationale Konjunktur schneller und deutlicher an als erwartet, könnte auch die exportabhängige deutsche Wirtschaft stärker als andere Länder auf den Weltmärkten punkten und damit die Krise überwinden. Auch sei die Stimmung wesentlich besser als vor einem Jahr, als die Finanzkrise einen neuen Höhepunkt erreichte: 27 der 44 Verbände gaben an, die Unternehmen ihrer Sparte seien optimistischer als vor Jahresfrist. Nur zehn bewerteten die Situation als ungünstiger.

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