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Konjunktur : Zahl der Firmenpleiten kräftig gestiegen

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Lehman und die Folgen: Viele Unternehmen haben keine Reserven mehr Bild: dpa

Die Zahl der Firmenpleiten ist im ersten Halbjahr um fast 15 Prozent gestiegen. Vielen Unternehmen geht die Luft aus, obwohl sie „eigentlich gesund“ seien, wie Insolvenzverwalter sagen. Auch Verbraucherinsolvenzen drohen weiter zuzunehmen.

          Die schwere Wirtschaftskrise hinterlässt tiefe Spuren in der Unternehmenslandschaft. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, stieg die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland im ersten Halbjahr um fast 15 Prozent. Insgesamt meldeten in diesem Zeitraum mehr als 16.000 Unternehmen Insolvenz an, alleine im Juni waren es knapp 2.800 - ein Plus von gut 16 Prozent. Der Insolvenzverwalterverband VID befürchtet, dass die Zahl der Unternehmenspleiten in den kommenden Monaten weiter steigen wird. Die leichte konjunkturelle Erholung in den vergangenen Monaten sei aller Wahrscheinlichkeit nicht nachhaltig, da vor allem Schlüsselbranchen wie Automobil- und Maschinenbau, aber auch die Möbelindustrie noch eine weite Wegstrecke zurück zur Normalität zu bewältigen hätten. „Von einem Rückgang der Insolvenzanmeldungen bei Unternehmen ist deshalb vermutlich erst Ende 2010 auszugehen“, erklärte Verbandschef Siegfried Beck.

          Besonders besorgniserregend ist aus Sicht des VID, dass zuletzt eine Vielzahl „eigentlich gesunder Unternehmen“ hätten Insolvenz anmelden müssen. Sie verfügten zwar über eine starke Eigenmittelausstattung und hielten deshalb in der Krise länger durch als andere. „Viele Unternehmen bleiben noch kurz vor Ende der Durststrecke liegen“, sagte Beck. „Sie haben keine Reserven mehr, um ans rettende Ufer zu gelangen.“ Hinzu komme noch die weiterhin sehr vorsichtige Kreditvergabepraxis der Banken, die vor allem den Mittelstand belaste.

          Auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen stieg zuletzt etwas an. Im ersten Halbjahr sank jedoch die Zahl derjenigen, die von ihren privaten Schulden erdrückt wurden. Von Januar bis Juni entschieden sich rund 48.000 Menschen für den Weg in die Privatinsolvenz, 2,6 Prozent weniger als im Vergleichzeitraum des Vorjahres. Experten rechnen hier in den kommenden Monaten mit einer abermaligen Zunahme, da in der Spätphase der Krise viele Kündigungen befürchtet werden, die wegen der verlängerten Kurzarbeiterregelung von zahlreichen Firmen bislang noch nicht ausgesprochen wurden.

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