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Konjunktur : Optimismus ergreift auch die deutschen Verbraucher

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Bild: F.A.Z.

Die deutschen Konsumenten sind ausgesprochen optimistisch. Sie erwarten eine besser laufende Konjunktur, mehr Einkommen, und wollen mehr einkaufen. Konsumforscher aber sehen noch keine Konsumeuphorie.

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          Der sich ausbreitende Konjunkturoptimismus hat auch die deutschen Verbraucher angesteckt. Der von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg berechnete Konsumklimaindex stieg im Januar von 3,5 auf 4 Punkte. Die GfK prognostiziert für Februar eine weitere Verbesserung auf 4,6 Punkte, warnt aber vor übertriebenen Hoffnungen.

          „Wir können uns darüber freuen, wenn das Konsumklima sich auf dem höheren Niveau etabliert“, sagte Dirk Mörsdorf von der GfK dieser Zeitung. „Die wirtschaftlichen Basisdaten sprechen nicht für eine Konsumeuphorie.“ Die GfK gehe nicht von einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung des Konsumklimaindex aus. Auch die Stimmung in der gewerblichen Wirtschaft hatte sich zuletzt deutlich aufgehellt (Ifo-Geschäftsklima auf Rekordkurs).

          Nach Auskunft der Konsumforscher ist die Grundstimmung der Verbraucher so positiv wie seit dem Jahr 2001 nicht mehr. Die Konsumenten schätzten im Januar sowohl die Konjunkturaussichten wie ihre persönlichen Einkommenserwartungen deutlich besser ein als zuvor. Sprunghaft nach oben stieg zudem ihre Neigung, in den kommenden Monaten größere Anschaffungen zu tätigen.

          Ost-Bonus für Merkel und Platzeck

          Mörsdorf sprach zurückhaltend insgesamt von einer Sonderbewegung. Als Gründe für das verbesserte Konsumklima nannte er den Jahresanfang, der die Verbraucher generell zuversichtlicher werden ließe, und die kommende Fußballweltmeisterschaft in Deutschland, die „belebend und leicht euphorisierend“ wirke. Zudem scheine die allgemein große Zustimmung zur neuen Regierung die Stimmung zu heben. Die Belastungen und Vergünstigungen, die auf die Verbraucher in diesem und im kommenden Jahr zukommen, lägen auf dem Tisch. „Das schafft Sicherheit“, sagte Mörsdorf.

          Besonders stark stiegen die Konjunkturerwartungen der Verbraucher zuletzt in den östlichen Bundesländern. Die Konsumforscher führen dies darauf zurück, daß Bundeskanzlerin Angela Merkel und der SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck aus dem Osten kommen. Dies löse dort ein besonderes Vertrauen aus.

          Konsumknoten geplatzt?

          Manche Bankvolkswirte wie Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank werteten das verbesserte Konsumklima als Signal, daß der Knoten bei den Verbrauchern geplatzt sei und der private Konsum zulegen werde. Andere zeigten sich skeptischer. Sebastian Wanke von der Deka-Bank warnte vor einer Enttäuschung der Bürger, wenn die Probleme am Arbeitsmarkt und bei der Alterssicherung nicht gelöst würden: „Wir befürchten, daß sich da nicht viel tun wird und diese Sorgen 2007 wie ein Bumerang auf die Verbraucher zurückkommen.“

          Die Aussagekraft des Konsumklimaindex der GfK für die Konjunkturentwicklung ist unter Volkswirten umstritten. Vielfach wird darauf verwiesen, daß der Zusammenhang zwischen dem Indikator und der Entwicklung des privaten Konsums nicht besonders eng sei. Auch werden die Daten nachträglich oft revidiert.

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