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Konjunktur : OECD: Deutsche Konjunktur robust

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Bild: dpa

Mehr Arbeitsplätze und höhere Einkommen bringen im übernächsten Jahr die private Nachfrage in Deutschland in Schwung, die Inflation bleibt vorerst im Griff. Dies prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

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          Die deutsche Wirtschaft bleibt nach Berechnung der OECD trotz der Erhöhung der Mehrwertsteuer am 1. Januar 2007 auf robustem Wachstumskurs und bekommt weiter Schub von der Weltkonjunktur. Mehr Arbeitsplätze und höhere Einkommen brächten daher im übernächsten Jahr endlich auch die private Nachfrage kräftig in Schwung. Die Inflation bleibe vorerst im Griff, prognostizierte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag in Paris. Weltweit bleibt das Wachstum im OECD- Raum bis 2007 ausgewogen und kräftig.

          Wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent dürfte sich das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr in Deutschland zwar von 2,6 auf 1,8 Prozent verlangsamen. Das Wachstum werde dabei vor allem vom Export und von den Ausrüstungsinvestitionen weiter getragen, während der private Verbrauch nur um mäßige 0,3 Prozent expandiere. Schon 2008 dürften aber wieder 2,1 Prozent Wirtschaftswachstum erreicht werden, meinen die Experten. Dann werde auch der private Verbrauch mit einer Zunahme um 1,8 Prozent zu einer echten Konjunkturstütze.

          Kritik an Arbeitslosenvermittlung

          Mit dem Aufschwung steigt die Beschäftigung in Deutschland Jahr für Jahr um 0,5 bis 0,6 Prozent. Dies drückt die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr von 8,0 auf 7,7 Prozent und 2008 sogar auf 7,2 Prozent. Etwas mehr wäre drin, wenn die Kompetenzen bei der Vermittlung der Langzeitarbeitslosen rationeller verteilt würden. Allerdings bleibe der Sockel der strukturellen Arbeitslosigkeit hoch. Er wird von der OECD auf 7,3 Prozent geschätzt und dürfte bis 2008 nur um 0,2 Prozentpunkte schrumpfen. Die OECD-Zahlen sind wegen anderer Berechnung nicht mit den deutschen Arbeitsmarktzahlen vergleichbar.

          Vor diesem Hintergrund sieht die OECD die diskutierte Verlängerung des Bezugs des Arbeitslosengeldes I für ältere Menschen kritisch. Die Maßnahme würde das Arbeitskräfteangebot verknappen und über höhere Lohnabschlüsse die Erwerbslosigkeit eher steigern, heißt es. Schon jetzt herrsche in bestimmten Bereichen Arbeitskräftemangel. Die Experten empfehlen statt dessen weitere Reformen zur Steigerung des Potentialwachstums. Das reicht vom Abbau der Bürokratie im Steuersystem über Lockerungen der Handwerksordnungen bis zu mehr Wettbewerb in Branchen mit großen Netzen wie der Stromwirtschaft.

          Lohnzurückhaltung zeigt Wirkung

          Dank der jahrelangen Lohnzurückhaltung bleibt die Kerninflation in Deutschland der OECD zufolge weiter unter einem Prozent. Der Preisauftrieb werde sich im kommenden Jahr wegen der Steuererhöhung von 1,7 auf 1,9 Prozent beschleunigen, um 2008 wieder auf 1,0 Prozent zu fallen. Denn die Löhne dürften weiter weniger wachsen als Produktivität und Preise zusammen. Nach 2008 ließen aber Engpässe in der Produktion eine Beschleunigung der Inflation erwarten.

          Gut seien die Konjunkturaussichten auch für die übrigen Industrieländer. So dürfte die Wirtschaft im Euro-Raum im kommenden Jahr um 2,2 Prozent und 2008 um 2,3 Prozent expandieren, meint die OECD. Die Vereinigten Staaten könnten mit 2,4 und 2,7 Prozent rechnen. Auch in Japan werde das Wachstum mit jeweils 2,0 Prozent ordentlich ausfallen. Für den gesamten OECD-Raum sagt die Organisation ein Wachstum von 2,5 Prozent im kommenden Jahr und 2,7 Prozent 2008 voraus.

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