https://www.faz.net/-gqe-167pb

Konjunktur : Ist die Krise jetzt zu Ende?

Die Auftragseingänge im Maschinenbau ergeben kein einheitliches Bild Bild: ddp

Geht es nach langer Durststrecke jetzt wieder aufwärts mit der Konjunktur? Diese Frage stellt sich derzeit jeder Manager und Unternehmer. Doch das Bild bleibt diffus. Asien, vor allem China, zieht die Konjunkturlokomotive. Reicht das?

          Nehmen wir Nick Reilly. Der britische Abgesandte des Opel-Mutterkonzerns General Motors wurde Chef in Rüsselsheim, als das Unternehmen in den Abgrund blickte. Opel war schon vorher angeschlagen, dann kam die Wirtschafts- und Finanzkrise. Eine Zeitlang schien es so, als gehe innerhalb der alten Konzernstrukturen nichts mehr. Der Absatz profitierte von staatlichen Stützungsprogrammen in den Ländern Europas. Wie lange welche Fabrik mit wie vielen Mitarbeitern weiterbetrieben wird, wie sich Opel künftig finanziert - alles war offen. Noch immer sind diese Fragen nicht abschließend geklärt. Verhandlungen über finanzielle Garantien durch die deutsche Bundesregierung laufen noch. Fest steht nur, dass Opel irgendwann ein Symbol für die Wirtschaftskrise des Jahres 2009 sein wird.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Aber: Wer Reilly in diesen Tagen trifft, begegnet einem ruhigeren Menschen als unmittelbar zu Beginn seines Einsatzes in Rüsselsheim. Er ist in Deutschland angekommen, nach Königstein bei Frankfurt umgezogen; nur die Kisten müssen noch ausgepackt werden. Reilly richtet sich darauf ein, zu bleiben, freut sich auf Opern und Konzerte in Frankfurt. Denn, da ist er sich sicher: Mit Opel wird es weitergehen, so oder so. Die ersten europäischen Länder haben Hilfen zugesagt oder signalisiert, in Deutschland nähert man sich einer Lösung, und auch GM in Detroit braucht Opel. Vor allem aber: der Autoabsatz hat sich zuletzt besser entwickelt, als Reillys Kollegen von Opel es noch vor sechs Monaten prognostiziert hatten. Ist Opel nun also auch ein Symbol dafür, dass die Krise zu Ende ist?

          Die unmittelbaren Existenzsorgen scheinen weg zu sein

          Denn die positive Überraschung teilt Reilly mit vielen anderen, die in Deutschland Unternehmen führen müssen: „Vor einem Jahr waren die Sorgen um die Stabilität des Finanz- und Wirtschaftssystems noch sehr viel größer. Gemessen daran, hat sich die Lage deutlich stabilisiert“, sagt auch Ulf Schneider, der Vorstandsvorsitzende des Gesundheitskonzerns Fresenius. 2009 war das Jahr der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Aber in vielen Unternehmen seien die unmittelbaren Existenzsorgen weg, sagt Schneider. An der Börse spiegelt sich dieser Eindruck schon seit Monaten in einer Erleichterungsrally wider. Die Aktienkurse haben Höhen erreicht, die man zuletzt unmittelbar vor dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 betrachten durfte. Und es war deren Konkurs, der die Finanz- und danach die Wirtschaftswelt in ihren Grundfesten erschüttert hatte.

          Die Frage aber, wie es in den kommenden sechs Monaten weitergehen wird, beantwortet gerade Schneider aber mit einer sehr viel größeren Sicherheit als die meisten seiner deutschen Kollegen oder auch als Reilly, dessen neue Wahlheimat nicht weit von der Fresenius-Konzernzentrale in Bad Homburg entfernt ist. Denn Schneider hat sich zur Bilanzvorlage getraut, eine exakte Prognose für das laufende Jahr abzugeben. Noch ungewöhnlicher: Schon im vergangenen Jahr war er davor nicht zurückgeschreckt - und hat bewiesen, dass die Gesundheitsbranche eine große Planbarkeit auszeichnet, denn alle Ziele wurden letztlich erreicht oder übererfüllt. Für 2010 lautet seine Prognose auf bis zu 9 Prozent Umsatzwachstum und bis zu 10 Prozent Ergebnisplus. Der Konzern, merkt er noch an, „pflüge“ durch die Krise. Doch so viel Optimismus teilen öffentlich bisher nur wenige; BMW zum Beispiel: Die Münchner wollen ihren Autoabsatz in den nächsten zwei Jahren von 1,3 auf 1,6 Millionen Autos steigern. Der Absatz der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce werde schon 2010 um mehr als 5 Prozent wachsen, verspricht Friedrich Eichiner, der Finanzvorstand.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wegen Amazonas-Bränden : Europa droht Bolsonaro mit Blockade

          Der Streit mit Brasilien um die Waldbrände eskaliert: Finnland prüft ein Einfuhrverbot für brasilianisches Rindfleisch in die EU. Irland und Frankreich drohen, ein Handelsabkommen zu blockieren. Politiker aus Europa schießen gegen Präsident Bolsonaro.
          Empfindet Schäubles Äußerungen als „wohltuend“: der frühere Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen

          Streit über Maaßen : Nach der Attacke ist vor der Attacke

          Mit einer gezielt gesetzten Äußerung heizt Wolfgang Schäuble den Streit um einen möglichen Parteiausschluss von Hans-Georg Maaßen weiter an. Wieso macht er das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.