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Konjunktur : IfW legt die bislang düsterste Prognose vor

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„Deutschland steht vermutlich vor der schwersten Rezession in der Nachkriegszeit” Bild: Rainer Wohlfahrt

In der aktuellen Konjunkturkrise überbieten sich derzeit die Institute mit Negativ-Prognosen. So pessimistisch wie das Kieler Institut für Weltwirtschaft war bislang noch keines: Das Institut sieht ein Minus von 2,7 Prozent im kommenden Jahr. Einziger Lichtblick: Ab 2010 gehe es wieder ganz leicht aufwärts.

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          Deutschland steht nach Ansicht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) vor der schlimmsten Wirtschaftskrise seit mehr als 50 Jahren. „Deutschland steht vermutlich vor der schwersten Rezession in der Nachkriegszeit“, schreiben die Kieler Ökonomen in ihrer jüngsten am Montag veröffentlichten Prognose. Das IfW rechnet für 2009 demnach mit einem Konjunktureinbruch von 2,7 Prozent. Das Minus wäre damit dreimal so groß wie im bisher schlechtesten Wirtschaftsjahr in der Geschichte der Bundesrepublik: 1975 ging das Bruttoinlandsprodukt um 0,9 Prozent zurück.

          Bisher erwarteten die Wirtschaftsforscher noch ein Wachstum von 0,2 Prozent. Im Jahr 2010 soll die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung der Kieler Forscher aber wieder auf Wachstumskurs zurückschwenken und um 0,3 Prozent zulegen.

          In der aktuellen Konjunkturkrise überbieten sich derzeit die Institute mit Negativ-Prognosen. Minus 1,9 Prozent sagte das Institut für Wirtschaftsforschung Halle voraus, minus 2,2 Prozent prognostizierte das Münchener ifo-Institut (siehe Ifo-Index so schlecht wie nie seit Wiedervereinigung), minus 2 Prozent das RWI (siehe Bundesrepublik droht stärkste Rezession seit Bestehen ).

          Hoffnung macht die Inlandsnachfrage

          Das Ifw nennt eine Reihe von Gründen für ihren extrem pessimistischen Ausblick: Die Forscher verweisen auf die Produktionsstopps mehrerer Großunternehmen, wie der Autoindustrie, die weit in das Jahr 2009 hineinreichen. Auch die Stimmungsumfragen unter den Firmen seien kräftig eingebrochen. Und die Exporterwartungen lägen in der Nähe historischer Tiefstände, erklärt das IfW: „Für das Jahr 2009 erwarten wir einen Rückgang der realen Exporte um 8,9 Prozent; für das Jahr 2010 ist mit einer leicht positiven Rate (2,6 Prozent) zu rechnen.“

          Hoffnung macht den Kieler Wirtschaftsforschern die Inlandsnachfrage: „Von der Binnennachfrage werden im Prognosezeitraum alles in allem stabilisierende Wirkungen auf die Konjunktur ausgehen“, heißt es. Steuerentlastungen und die gesunkenen Energiepreise kämen den Verbrauchern zugute, sagt das IfW.

          Dass die Wirtschaftskrise bislang nicht auf die Kauflaune der Verbraucher drückt, belegen Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Zum Jahresausklang habe sich die Konsumentenstimmung auf niedrigem, aber stabilem Niveau eingependelt, geht aus der am Montag veröffentlichten GfK-Konsumklimastudie für Dezember hervor (siehe Verbraucher zeigen sich noch in Kauflaune). Die Konsumenten seien beschwingt von der spürbar nachlassenden Inflation mit gesunkenen Benzin- und Heizölpreisen. Allerdings schätzten die Verbraucher ihre eigenen finanziellen Aussichten deutlich negativer ein als noch in den vergangenen Monaten.

          2009: „Verlust von rund 400.000 Arbeitsplätzen“

          Der Arbeitsmarkt dürfte nach Ansicht der Kieler Forscher etwas glimpflicher durch die Rezession kommen als in der Vergangenheit, vor allem wegen der Arbeitsmarktreformen und rückläufiger Lohnkosten. Zudem habe die Bundesregierung durch die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes Anreize geschaffen, Arbeitsplätze zu erhalten.

          Sorgen macht dem IfW die Entwicklung der Arbeitslosigkeit dennoch: „Die Erwerbstätigkeit dürfte im Durchschnitt des Jahres 2009 um 1 Prozent geringer sein als 2008; dies bedeutet einen Verlust von rund 400.000 Arbeitsplätzen. Im Jahr 2010 gehen nochmals rund 300.000 Arbeitsplätze verloren.“ Nach 3,3 Millionen Arbeitslosen im Jahr 2008 rechnet das IfW mit 3,7 Millionen im Jahr 2009 und 3,9 Millionen im Jahr 2010. Die Arbeitslosenquote werde bis dann um fast zwei Prozentpunkte auf 9,5 Prozent steigen - in der Rezession Mitte der siebziger Jahre lag der Anstieg bei 3,7 Prozentpunkten.

          OECD rechnet weltweit mit bis zu 25 Millionen Arbeitslosen mehr

          Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet unterdessen wegen der Krise bis 2010 mit bis zu 25 Millionen mehr Arbeitslosen weltweit. Allein in der OECD-Zone würden bis dahin etwa acht bis zehn Millionen Arbeitsplätze verlorengehen, sagte OECD-Chef Angel Gurría am Montag im französischen Radiosender BFM. Besonders schlimm betroffen sei die Baubranche, die durch die weltweite Krise „auf brutale Art“ zum Erliegen gekommen sei. Länder wie Spanien und Irland habe es besonders hart getroffen. Insgesamt werde es bis 2010 voraussichtlich 20 bis 25 Millionen mehr Arbeitslose geben, sagte Gurría.

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