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Konjunktur : Gute Stimmung trotz Stagnation

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Das Wirtschaftswachstum hat zum Jahresschluß 2005 eine Pause eingelegt. Die Stagnation steht im Gegensatz zu dem Konjunkturoptimismus, den auch die Frühjahrsumfrage des DIHk ausstrahlt.

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          Trotz der Stagnation im Jahresschlußquartal 2005 erwarten die Bundesregierung und die Wirtschaft für dieses Jahr weiterhin eine deutliche Belebung des Wirtschaftswachstums. „Die wichtigsten Indikatoren zeigen an, daß sich die Lage in der deutschen Wirtschaft weiter verbessert und zusätzlich zur anhaltend starken außenwirtschaftlichen Dynamik nun auch die Binnennachfrage anzieht“, erklärte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) am Dienstag in Berlin. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) setzte seine Wachstumsprognose für dieses Jahr von 1,5 auf bis zu 2 Prozent herauf. Basis sind die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage des Verbands unter 25000 Unternehmen.

          Das Statistische Bundesamt hatte zuvor in einer Schnellmeldung seine Aussage von Anfang Januar bestätigt, daß die Wirtschaft im Jahresschlußquartal 2005 stagnierte (Das deutsche Wachstum ist labil). Bereinigt um saisonale Einflüsse, um die Inflation und um die unterschiedliche Zahl an Arbeitstagen, sei das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Zeitraum von Oktober bis Dezember gegenüber dem Vorquartal unverändert geblieben. Die ausgewiesene Wachstumspause im Jahresschlußquartal unterzeichnet die konjunkturelle Dynamik ein wenig, weil die Feiertage im Dezember alle auf Wochenenden fielen. Dies wird durch die übliche Kalenderbereinigung nicht ganz erfaßt. Dennoch hat die konjunkturelle Dynamik sich nach einem BIP-Zuwachs von 0,6 Prozent im dritten Quartal zuletzt stark abgeschwächt.

          Weiche versus harte Wirtschaftsdaten

          Die mageren Wachstumsdaten stehen im Gegensatz zu dem sich ausbreitenden Konjunkturoptimismus für dieses Jahr. Alle aus Umfragen unter Unternehmen, Verbrauchern oder Finanzmarktteilnehmern gewonnenen Stimmungsindikatoren für die deutsche Wirtschaft zeigten in den vergangenen Monaten steil nach oben. Der am Dienstag veröffentlichte Index der ZEW-Konjunkturerwartungen stabilisierte sich im Februar auf hohem Niveau.

          Nach den Angaben der Statistiker wird die positive Stimmung bislang nur durch einzelne Entwicklungen in der Wirtschaft gedeckt. Positive Wachstumsimpulse seien zum Jahresschluß 2005 nur von den Investitionen gekommen und dabei vor allem von den Bauinvestitionen, hieß es. Diese profitierten von einem teilweise milden Dezember und von dem Auslaufen der Eigenheimzulage.

          Andauernde Schrumpfung des privaten Konsums

          Die abermalige Schrumpfung des privaten und auch des öffentlichen Konsums machte die positiven Impulse indes zunichte. Der private Konsum, der nach Ansicht von Volkswirten auch durch die hohen Energiekosten gedämpft wurde, schrumpfte das vierte Quartal nacheinander. Eine solch andauernde Negativentwicklung hat es seit Beginn der Quartalsstatistik Anfang der sechziger Jahre noch nicht gegeben. Die gute Exportentwicklung im vierten Quartal wurde offenbar durch einen stark gestiegenen Import rechnerisch ausgeglichen.

          Detaillierte Zahlenangaben zur Wirtschaftsentwicklung im vierten Quartal liegen noch nicht vor. Nach Angaben der Statistiker lag das BIP im vierten Quartal 1Prozent höher als vor einem Jahr, nach zuvor 1,4 Prozent. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Zahl an Arbeitstagen ergab sich ein Plus von 1,6 Prozent, nach 1,5 Prozent.

          DIHK warnt vor Risiko Mehrwertsteuererhöhung

          Auf Basis der DIHK-Frühjahrsumfrage machte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben eine deutliche Stimmungsaufhellung in der deutschen Wirtschaft aus, die freilich durch die für das kommende Jahr geplante Anhebung des Mehrwertsteuersatzes um 3 auf 19 Punkte wieder getrübt werden könnte. "Die Regierung geht damit ein hohes Risiko ein", sagte Wansleben. Hinzu kämen Gefahren aus den rasant steigenden Rohstoffpreisen oder die Gefahr abrupter Wechselkursanpassungen. Um so wichtiger sei es, daß die jetzt günstige Lage für weitere Reformen genutzt werde.

          DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke nannte die Vorzeichen für das laufende Jahr "so günstig wie seit fünf Jahren nicht mehr". Die Frühjahrsumfrage zeige, daß die Wirtschaft sich kräftige Impulse aus den Auslandsgeschäften erhoffe und deutlich mehr investieren wolle. Für die kommenden zwölf Monate erwarten 31 Prozent der Unternehmen bessere Geschäfte, 54 Prozent eine gleichbleibende Entwicklung und 15 Prozent eine Verschlechterung. Die bessere Wirtschaftslage werde auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Der Personalabbau komme vorzeitig zum Stillstand. Jedes siebte Unternehmen denke wieder an zusätzliche Beschäftigung. Das sei der höchste Anteil seit dem Jahr 2001, sagte Nitschke.

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