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Konjunktur : Die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen sinkt

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im ersten Halbjahr um 6,2 Prozent gesunken. Die Auskunftei Creditreform sieht aber keine Entwarnung. Verbraucherinsolvenzen erreichten ein Rekordhoch.

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          Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2005 um 6,2 Prozent gesunken. Erstmals seit fünf Jahren ging dabei im Vorjahresvergleich auch die Zahl der Unternehmenszusammenbrüche in Westdeutschland zurück, teilte die Neusser Creditreform Konjunktur- und Wirtschaftsforschung am Dienstag mit. Für Ostdeutschland stellt Creditreform bereits seit 2003 sinkende Insolvenzzahlen fest.

          "Von einer Entwarnung an der Pleitenfront kann gleichwohl keine Rede sein", sagte Vorstandsmitglied Helmut Rödl bei der Vorlage des jüngsten Insolvenzberichtes in Düsseldorf. Zwar dürften die Unternehmensinsolvenzen ihren Zenit überschritten haben, doch bleibe das Niveau mit 18700 Fällen nach wie vor hoch. "Wegen der strengen Kreditvergaberichtlinien nach Basel II kommt es zudem verstärkt zu einem stillen Heimgang von Unternehmen", sagte Rödl. Dafür spreche die um fast 8 Prozent erhöhte Zahl der Handelsregisterlöschungen.

          Rekord der Verbraucherinsolvenzen

          Neue Höchstmarken erreichten im ersten Halbjahr die Verbraucherinsolvenzen. Hier registrierte die Wirtschaftsauskunftei einen kräftigen Zuwachs von 33,5 Prozent auf 29200 Fälle. Nach Angaben von Creditreform gelten mittlerweile rund drei Millionen Haushalte als überschuldet, so daß mit einem weiteren Anstieg der Verbraucherinsolvenzen zu rechnen sei. Auslöser für den Wechsel von der Ver- in die Überschuldung seien meist Arbeitslosigkeit, Krankheit oder die Trennung vom Lebenspartner.

          Doch hätten auch die Kreditinstitute den Verbraucher als interessanten Kunden wiederentdeckt. Ihm werde suggeriert, daß die Kreditaufnahme einfach, flexibel und diskret sei. Zudem lasse die finanzielle Allgemeinbildung in weiten Teilen der Bevölkerung stark zu wünschen übrig, heißt es.

          Weniger Großinsolvenzen

          Insgesamt waren im ersten Halbjahr 269000 Arbeitnehmer von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen. Das waren 16,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Rückgang resultiert zum einen aus der niedrigeren Zahl der Unternehmenspleiten. Zum anderen gab es deutlich weniger Großinsolvenzen. Zu den bisher größten Insolvenzfällen dieses Jahres zählen die Walter Bau AG, die Drogeriemarktkette "Ihr Platz" und die Agfa Photo GmbH.

          Die wirtschaftlichen Schäden, die im ersten Halbjahr durch Insolvenzen angerichtet wurden, gingen nach Schätzung von Creditreform um 3,9 Milliarden Euro auf 18,8 Milliarden Euro zurück. Im Gesamtjahr rechnet das Forschungsunternehmen mit einem Rückgang der Unternehmensinsolvenzen um etwas mehr als 3 Prozent auf 38000 Fälle. Dabei könnten bis zu 580000 Arbeitsplätze verlorengehen. Dem stünden schätzungsweise nur 300000 neue Arbeitsplätze aus Neugründungen gegenüber, hieß es. Schon im ersten Halbjahr habe die Gründungsbilanz dürftiger ausgesehen als in den Vorjahren.

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