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Konjunktur : „Die Wirtschaft arbeitet sich aus der Krise“

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Bild: F.A.Z.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist wieder so gut wie vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Spätsommer 2008. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im November zum achten Mal in Folge: „Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich weiter aus der Krise“, kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

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          Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist wieder so gut wie vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Spätsommer 2008. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im November von 92 Punkten im Vormonat auf 93,9 Punkte, wie das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Dienstag in München mitteilte. Damit fiel der Anstieg noch stärker aus als erwartet.

          Es war der achte Anstieg in Folge. Der Index erreichte den höchsten Stand seit August vergangenen Jahres. Dennoch ist das Stimmungsbarometer aber noch weit von seinem Niveau vor der Finanzkrise entfernt. In den Boomjahren 2006 und 2007 lag der Index durchgehend bei weit über 100 Punkten. Inzwischen erreichte er aber zumindest das Niveau unmittelbar vor dem Schock durch die Lehman-Pleite im September 2008. „Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich weiter aus der Krise“, kommentierte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

          Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Das monatlich erhobene Stimmungsbarometer basiert auf einer Umfrage bei rund 7000 Unternehmen. Die Stimmung hat sich vor allem in der Industrie und im Handel verbessert, während sich der Geschäftsklima-Index im Bauhauptgewerbe verschlechterte.

          Sinkender Konsum bremst Konjunkturerholung

          Die voraussichtlich steigende Arbeitslosigkeit in Deutschland wird nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts den privaten Verbrauch im nächsten Jahr hemmen. „Der Konsum wird eher schwächer werden“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Dienstag zu Reuters. Dieses Jahr hatte unter anderem die staatliche Abwrackprämie für Altautos die Nachfrage nach neuen Wagen angekurbelt. Zudem hätten sinkende Energiekosten den Verbrauch stabilisiert, sagte Abberger. Auch dieser Effekt entfalle nun: „Der Einzelhandel ist aber noch zuversichtlich für die nächsten Monate und erhofft sich ein gutes
          Weihnachtsgeschäft.“

          Trotz des schwachen Konsums sehen Experten die Daten insgesamt positiv: „Die Ifo-Umfrage signalisiert: Die Wirtschaft dürfte auch künftig spürbar wachsen. Am Jahresende dürfte es ein ähnlich solides Wachstum geben wie im dritten Quartal“, sagte Ökonom Alexander Koch von Unicredit.

          Bereits am frühen Morgen hatte das Statistische Bundesamt bestätigt, dass die deutsche Wirtschaft zwischen Juli und September dieses Jahres um 0,7 Prozent gewachsen war. Ökonomen gehen auch angesichts des anhaltenden Höhenflugs des Ifo-Geschäftsklimas davon aus, dass sich das robuste Wachstum im vierten Quartal fortsetzen wird. Bereits im Frühjahr hatte sich die Wirtschaft aus der Rezession gelöst. Wegen des massiven Konjunktureinbruchs zu Jahresbeginn dürfte die deutsche Wirtschaft 2009 dennoch auf das ganze Jahr berechnet um knapp 5 Prozent schrumpfen.

          Wie die Herbst-Umfrage des arbeitgebernahen Instituts IW in Köln ergab, will jedes dritte Unternehmen seine Produktion 2010 hochfahren. Im Frühjahr hatten noch fast zwei Drittel angekündigt, auf die Produktionsbremse zu treten.

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