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Konjunktur : Deutsche Wirtschaft lässt weiter nach

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Deutschlands Exportindustrie spürt die nachlassende Weltkonjunktur Bild: dpa

Stimmung und Lage der deutschen Wirtschaft verschlechtern sich weiter. Darauf weisen wichtige Indikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex und der Einkaufsmangerindex hin.

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          Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich den sechsten Monat in Folge verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im Oktober weiter von 101,4 auf 100,0 Punkte, wie das Ifo-Institut am Mittwoch in München mitteilte. Volkswirte hatten dagegen einen Anstieg auf 101,6 Punkte prognostiziert. Der wichtigste deutsche Konjunkturfrühindikator liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit Februar 2010.

          Dabei bewerteten die befragten 7000 Unternehmen ihre aktuelle Lage deutlich schlechter. Der relevante Teil- Index sank auf 107,3 von 110,3 Punkten im Vormonat. Ökonomen hatte einen Stand von 109,7 erwartet.  Die Erwartungen an das kommende Halbjahr blieben dagegen konstant. Auch wenn ein leichter Anstieg erwartet worden, so sanken die Erwartungen damit aber erstmals seit fünf Monaten nicht mehr.

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          „Die Wolken am deutschen Konjunkturhimmel verdunkeln sich“, erklärte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Besonders gilt dies für die Industrie. Die Geschäftslage im  Verarbeitenden Gewerbe verschlechterte sich deutlich und entspricht nun in etwa dem langfristigen Durchschnitt. Die Kapazitäten wurden von den Firmen erheblich weniger ausgelastet als im Vorquartal. Das war der dritte Rückgang in Folge. Immerhin erholten sich die Erwartungen an die weitere Geschäftsentwicklung erstmals seit einem halben Jahr leicht.

          Schon der früher am Tag veröffentlichte Einkaufsmanagerindex war schwach ausgefallen und zeigt damit eine wieder stärkere Talfahrt der deutschen Wirtschaft. Vor allem die Industrie sich überraschend schwach. Der vom Datendienstleister Markit erhobene Index fiel auf 45,7 Punkte nachdem er sich im September auf 47,4 Zähler leicht erholt hatte. Volkswirte hatten im Mittel einen weitere Indexanstieg auf 48,0 erwartet. Ein Indexstand von mehr als 50 Punkten signalisiert eine wachsende Wirtschaft.

          Der Index für die Dienstleistungsbranche schwächte sich leicht auf 49,3 Punkte ab, nachdem er im September bei 49,7 Zählern gelegen hatte. Damit konnte der Index entgegen den Erwartungen den Wachstumsbereich nicht erreichen. Volkswirte hatten ein Überspringen der Schwelle auf 50,2 Punkte prognostiziert.

          Schwäche in Euroraum und Asien belastet

          Nach Meinung von Markit-Ökonom Tim Moore machte den deutschen Industrieunternehmen vor allem der nachlassende Export nach Südeuropa und der Nachfragerückgang im Automobilsektor zu schaffen. Gleichzeitig habe die gedämpfte Ausgabenbereitschaft in Asien den Export von Investitionsgütern beeinträchtigt. Der Einkaufsmanagerindex wird durch Befragung einer Auswahl von Einkaufsmanagern nach der Entwicklung von Kenngrößen wie Auftragslage, Materialmengen, Fertigproduktmengen, Einkaufspreisen und Beschäftigtenzahl erhoben.

          Deutschland macht die schwache Wirtschaftslage im Euroraum offenbar immer mehr zu schaffen. Der gleichfalls am Mittwoch veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft der Währungsunion fiel überraschend um 0,3 auf 45,8 Punkte. Ökonomen hatten einen Anstieg auf 46,4 Punkte erwartet. Durch den dritten Rückgang in Folge liegt der Index nun auf den tiefsten Stand seit Juni 2009. „Die Euro-Zone ist zum Start des vierten Quartals wieder tiefer in die Rezession abgerutscht“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Das Bruttoinlandsprodukt werde um etwa 0,5 Prozent schrumpfen und damit stärker als im Sommer.

          Lichtblick aus China

          Die Erwartungen sind indes geringer als in der deutschen Wirtschaft. Der Auftragseingang ist im Euroraum abermals gefallen, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie im September. Die Unternehmen bauen Stellen und Kapazitäten ab. „Während in Deutschland nur ganz vereinzelt Arbeitsplätze wegfielen, vermeldete Frankreich einen nahezu genauso signifikanten Jobabbau wie die Peripherieländer“, schrieben die Markit-Ökonomen.

          Einen kleinen Lichtblick gab es unterdessen aus China. Dort hat sich die Stimmung unter den chinesischen Einkaufsmanagern der Industrie im Oktober aufgehellt. Der HSBC-Einkaufsmanagerindex stieg von 47,9 Punkten im Vormonat auf 49,1 Punkte und mithin auf den höchsten Stand seit drei Monaten. Der Wert befindet sich jedoch immer noch unter der Marke von 50 Punkten und signalisiert so immer noch eine leichte Abschwächung der Konjunktur. Allerdings sehen Ökonomen jetzt Anzeichen für eine Stabilisierung.

          Der offizielle Einkaufsmanagerindex wird am 1. November veröffentlicht. Bei diesem werden große, mehrheitlich staatliche Unternehmen befragt, die von den Infrastrukturmaßnahmen des chinesischen Staates besonders profitieren. Für den HSBC-Einkaufsmangerindex werden vor allem kleinere bis mittlere Unternehmen befragt.

          Schwache Geschäfte bei VW und Puma

          In der gerade begonnenen Berichtssaison deutscher Aktiengesellschaften zeigt sich bislang auch ein schwächerer Trend. Von der Krise der Solarindustrie einmal abgesehen, verzeichneten beispielsweise kleiner Unternehmen wie der Netzwerkausrüster ADVA Optical schwächere Ergebnisse. Aber auch der Gewinn von VW ist aufgrund eines Preiskampfs infolge der Absatzflaute in Europa gesunken. Für die nächsten Monate erwartet Volkswagen zudem eine Verschärfung der Absatzkrise. Der Rückgang werde sich bis Jahresende noch drastischer entwickeln, erklärte der Konzern.

          Die schwache Konsumnachfrage in Europa hat auch den Gewinn des Sportartikelkonzerns Puma deutlich belastet, auch wenn der Großteil des starken Gewinneinbruchs auf den laufenden Konzernumbau zurückzuführen ist. Der Konzern ist stark abhängig von Europa. Gute Geschäfte in Deutschland und Russland hätten die Rückgänge in anderen Ländern nicht ausgleichen können, so Puma. Auch in China habe sich das Wachstum abgeschwächt.

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