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Konjunktur : Deutsche Industrie erwartet 2004 spürbare Belebung

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Nach drei Jahren enttäuschender Produktionsentwicklung rechnen für das kommende Jahr laut DIHK-Industriereport nun 33 Prozent der Industrieunternehmen mit besseren Geschäften.

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          Nach drei Jahren enttäuschender Produktionsentwicklung stehen die Zeichen in der deutschen Industrie zum Jahreswechsel wieder auf Wachstum. Um bis zu zwei Prozent könne die Industrieproduktion 2004 steigen, sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Axel Nitschke, dieser Zeitung in Berlin. Grundlage der Berechnung sei die Auswertung der Angaben von mehr als 11500 Industrieunternehmen, die im Herbst über ihre Lage und ihre Perspektiven für 2004 befragt worden waren.

          Bis auf die Pharmaindustrie, die unter der Kostendämpfungspolitik der Bundesregierung leide, seien alle Industriezweige zuversichtlicher als im Vorjahr gestimmt. Am höchsten seien die Erwartungen in der Elektrotechnik. Die Geschäftslage der Industrie habe sich im Herbst verbessert. Das konjunkturelle Tal sei offenbar durchschritten. Allerdings werde sich der Stellenabbau 2004, wenn auch verlangsamt, fortsetzen.

          33 Prozent rechnen mit besseren Geschäften

          Für das kommende Jahr rechnen laut DIHK-Industriereport 2003 nun 33 (Frühsommer 20) Prozent der Industrieunternehmen mit besseren Geschäften. Eine unveränderte Lage erwarten fast die Hälfte (48 Prozent). Stark verringert habe sich mit 19 nach 37 Prozent der Anteil der Unternehmen mit schlechteren Geschäftsaussichten. Der Saldo zwischen zuversichtlichen und skeptischen Stimmen habe sich von minus 17 Prozentpunkte auf plus 14 Prozentpunkte auffällig stark in den positiven Bereich gedreht.

          Optimistischere Aussichten in der Industrie

          Vor allem die Exporteure würden 2004, vom starken Wachstum in den Vereinigten Staaten angeregt, profitieren. Die größere Nachfrage dürfte die anhaltende Stärke des Euro zum Dollar überkompensieren. "Wechselkurskapriolen hinterlassen aber wegen der erforderlichen Preisnachlässe starke Bremsspuren in den Ertragsbilanzen der Unternehmen", warnte Nitschke. Die Euro-Stärke werde das Wachstum dämpfen. "Jeder zusätzliche Cent, der bei dem jetzigen Kursniveau an den Devisenmärkten für den Euro aufgewendet werden muß, schmälert die Gewinne im Geschäft mit Amerika und Asien."

          Export bleibt Hoffnungsträger

          Dennoch bleibe die Ausfuhrwirtschaft der Hoffnungsträger der deutschen Industrie. Das belege auch die gute Stimmung in den Branchen mit den größten Ausfuhrvolumina: Chemie, Elektro, Kraftfahrzeuge, Maschinen- und Anlagenbau. Gerade die Pharmaindustrie suche nun Chancen auf ausländischen Märkten.

          Trotz sinkender Importpreise würden die Erträge vieler Industrieunternehmen belastet. Das wirke bremsend auf Investitionen und Beschäftigung. Förderlich dagegen sei die Zahl zusätzlicher Arbeitstage. Doch sei das Wachstumspotential vieler Unternehmen begrenzt: Fehlende Eigenmittel und die zurückhaltende Kreditvergabepolitik der Banken verhinderten eine Produktionsausweitung. Auch blieben der Umfrage nach - die vor den Reformbeschlüssen von Bundestag und Bundesrat gemacht wurde - viele Unternehmen gegenüber den weiteren Rahmenbedingungen für Investitionen skeptisch. Dadurch könne auch das gesamtwirtschaftliche Wachstum im nächsten Jahr unter den Nachfragemöglichkeiten bleiben. Der DIHK-Chefvolkswirt wertete das als einen Beleg für die restriktive Wirkung der langjährigen Investitionsschwäche und eine daraus folgende geringe Höhe des Potentialwachstums Deutschlands.

          Erwartungen an den privaten Verbrauch sind gering

          Berechtigte Erwartungen einer moderaten Erholung des privaten Verbrauchs bestünden allenfalls zum Teil, stellte Nitschke fest. Die langwierige Reformdebatte habe viele Verbraucher verunsichert. Hoffnungen der Anbieter richten sich auf vermehrten Ersatzbedarf der privaten Haushalte. Das Durchschnittsalter privater Pkws habe sich spürbar erhöht.

          Auch von den Investitionen der Industrie sei hierzulande in den nächsten Monaten kein durchschlagender Impuls zu erwarten. Allenfalls eine leichte Lockerung der bisherigen Zurückhaltung sei möglich. Bei den Investitionsabsichten stehen der Ersatz alter Anlagen (59 Prozent) oder Rationalisierungen (49 Prozent) im Vordergrund. Erweiterungsinvestitionen planten nur 16 Prozent der Unternehmen.

          Damit werde der Beschäftigungsabbau in der Industrie 2004 lediglich verlangsamt, nicht aber zum Stillstand kommen, warnt Nitschke. Einen zusätzlichen Vorbehalt erhebt er ob der Folgen "der unwägbaren Lohnpolitik". Ein Drittel (nach 41 Prozent im Frühjahr) der Unternehmen wollten 2004 Personal reduzieren. Immerhin 57 Prozent planten keine Veränderungen, 9 Prozent erwögen Personaleinstellungen.

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