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Konjunktur : „Das ist jetzt wirklich der Mehrwertsteuerschock“

  • Aktualisiert am

Rabattschlacht gegen Kaufunlust Bild: ddp

Noch nie ist der GfK-Indikator für das Konsumklima stärker gesunken: Schlagartig fiel das Barometer der Marktforscher um etliche Punkte. Steuererhöhung und Rabattschlachten verunsichern die Konsumenten. Auch die Unternehmer beurteilen das Geschäftsklima schlechter.

          Die Kauflaune der Deutschen hat sich mit der höheren Mehrwertsteuer und dem Wegfall der Vorzieheffekte dem Marktforschungsinstitut GfK zufolge schlagartig verschlechtert. Der monatlich ermittelte Indikator für das Konsumklima fiel für Februar auf 4,8 von revidiert 8,5 Punkten im Vormonat, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Donnerstag mitteilte.

          „Offenbar herrscht unter den Konsumenten zur Zeit noch erhebliche Verunsicherung darüber, wie sich die höhere Konsumsteuer tatsächlich auf die Preise ausgewirkt hat“, hieß es zu der Befragung von 2000 Verbrauchern. Anschaffungen würden deshalb zurückgehalten.

          Stärkster Rückgang seit 1980

          Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Experten hatten nur mit einem leichten Rückgang des Konsumklimaindikators um 0,2 Punkte gerechnet. Die Anschaffungsneigung stürzte im Januar auf minus 5,1 von 59,9 Zählern im Vormonat. Das ist der GfK zufolge der stärkste Rückgang binnen Monatsfrist seit Beginn der monatlichen Erhebung 1980. Nun zeichne sich die mehrfach angekündigte Schwächephase des privaten Konsums im ersten Quartal deutlich ab.

          „Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei dieser ausgeprägten Reaktion um eine Momentaufnahme handelt“, hieß es bei der GfK. Die Kaufbereitschaft hatte sich im Lauf des vergangenen Jahres mehr und mehr vom Gesamtindikator abgekoppelt und so die Stimmung im Vorfeld der Mehrwertsteueranhebung stark überzeichnet. Deshalb bleiben die GfK-Experten bei ihrer Prognose, dass der private Konsum 2007 um 0,5 Prozent zulegt.

          „Der Mehrwertsteuerschock“

          „Das ist jetzt wirklich der Mehrwertsteuerschock, den wir erleben“, sagte Analyst Andreas Rees von Unicredit. „Es gibt eine starke Zurückhaltung bei langlebigen Konsumgütern. Die Kaufkraft aus dem Vorquartal fehlt jetzt. Insofern spricht vieles dafür, dass der private Konsum im ersten Quartal schrumpfen wird und entsprechend das Wachstum belastet.“

          „Das Ausmaß überrascht vielleicht ein bisschen, aber dass es runter geht, war ja klar“, sagte dagegen Matthias Rubisch von der Commerzbank. „Die Vorziehffekte der Mehrwertsteuererhöhung gibt es im
          Januar ja nicht mehr.“ Überraschend sei jedoch, dass es den Gesamtindex so stark runtergezogen hat. „Das ist eine sehr starke Bewegung in einer Komponente. Das zeigt, dass der Indikator in den nächsten Monaten weiter nach unten gehen wird.“

          Auch der Ifo-Index sinkt überraschend

          Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex sank von 108,7 Punkten im Dezember auf 107,9 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Zuvor war der Index drei Mal in Folge gestiegen. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt einen Anstieg des Ifo-Index auf 109,0
          Punkte erwartet.

          „Die befragten Unternehmen berichten weiterhin von einer sehr guten Geschäftslage, bewerten sie aber nicht ganz so günstig wie im Vormonat. Dies hängt vermutlich auch mit der Mehrwertsteuererhöhung zusammen“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die 7000 befragten Unternehmen beurteilten ihre Geschäftserwartungen für die Zukunft zum vierten Mal in Folge positiver. Der Teilindex kletterte auf 103,2 von 102,5 Punkten im Dezember. Der Lageindex sank auf 112,8 von 115,3 Punkten.

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