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Konjunktur : „Binnenwirtschaft kommt in Gang“

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Bild: dpa

„Es geht weiter aufwärts. Die Konjunktur wird jedoch im Jahr 2006 wenig an Schwung gewinnen“, erklärt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag zu seiner Herbst-Umfrage. Auch Akteure an den Finanzmärkten sind optimistisch.

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          Zwei aktuelle Umfragen lassen Hoffung auf eine Erholung der Konjunktur aufkommen: Nach einer Erhebung des Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) beurteilen die Finanzmärkte die Aussichten für die deutsche Konjunktur leicht optimistischer als vor einem Monat. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat in seiner Herbstumfrage ermittelt, daß die bislang vom Export getragene Erholung auch endlich die deutsche Binnenwirtschaft zu erfassen scheint. Das Wachstum werde jedoch auch im kommenden Jahr zunächst schwach bleiben.

          „Es geht weiter aufwärts. Die Konjunktur wird jedoch im Jahr 2006 wenig an Schwung gewinnen“, erklärte der DIHK am Dienstag zu seiner Herbst-Umfrage unter mehr als 25.000 Firmen. Für das kommende Jahr sei in Deutschland ein Wirtschaftswachstum von bis zu 1,5 nach ein Prozent in diesem Jahr zu erwarten. „Das ist angesichts des mehrjährigen Rekordwachstums der Weltwirtschaft eher enttäuschend“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Die Wirtschaft habe jedoch dem hohen Ölpreis getrotzt und profitiere über den Export von der dynamischen Weltwirtschaft.“Aber auch die binnenwirtschaftlichen Kräfte scheinen sich endlich von ihren Fesseln zu lösen“, hieß es.

          Der Saldo der ZEW-Konjunkturerwartungen der rund 300 befragten Analysten und institutionellen Anleger stieg im Oktober auf 39,4 von 38,6 Punkten im Monat zuvor, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. „Positiv zu Buche schlagen der etwas niedrigere Ölpreis sowie das weiterhin robuste Wachstum der Weltwirtschaft“, sagte ZEW-Chef Wolfgang Franz. Dagegen dürfte die anhaltende Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik die Stimmung belastet haben. Die aktuelle Lage bewerteten die Experten fast unverändert, der entsprechende Indikator stieg auf minus 58,0 von minus 58,1 Punkten.

          In der jüngsten Herbst- Umfrage des DIHK bewerteten die Firmen ihre Geschäftslage, Geschäfts- und Exporterwartungen sowie Investitions- und Beschäftigungspläne besser als im Frühjahr, wobei sich die Beurteilungen der Geschäftslage und der Exporterwartungen am deutlichsten erhöhten. Der DIHK erwartet daher sowohl in diesem wie auch im kommenden Jahr einen Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen um fünf Prozent. Die derzeitige Investitionsbelebung reiche zwar nicht aus, um Beschäftigung in Deutschland spürbar aufzubauen. Allerdings rechneten die Unternehmen damit, dass der Abbau von sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung langsam zu Ende kommt, sagte Wansleben. Dennoch werde die Zahl der Erwerbstätigen wegen mehr geringfügiger Beschäftigung und Ein-Euro-Jobs zulegen.

          Hoffnungsschimmer kommen vom privaten Verbrauch

          Der Saldo der Lageeinschätzung - die Differenz aus positiven und negativen Antworten - kletterte auf Null von minus sieben Punkten. Investitionsgüterhersteller, aber auch einige konsumnahe Branchen profitierten von einer sich leicht belebenden Binnennachfrage. „Die Konjunktur ist folglich zurück in der Spur ihrer sachten Erholung.“

          Hoffnungsschimmer kommen zudem vom privaten Verbrauch, wenn auch zunächst verhalten. Der private Konsum belebe sich lediglich um 0,3 Prozent in diesem und um 1,0 Prozent im kommenden Jahr. Denn für spürbare Konsumimpulse müsste sich die Lage am Arbeitsmarkt deutlich verbessern. „Das neue Standbein Inlandsnachfrage steht noch auf tönernen Füßen“, erklärte die Kammerorganisation. Die positiven Signale wie bei Investitionen und Beschäftigung seien schwächer als bei früheren konjunkturellen Erholungsphasen. Starke Impulse kämen nach wie vor vom Export, wo der DIHK 2006 ein Plus von fünf Prozent nach Plus sechs Prozent in diesem Jahr veranschlagt.

          Der hohe Ölpreis hat nach DIHK-Angaben zwar die Gewinnmargen der Firmen gedrückt, ist aber“bislang kein Tiefschlag für die deutsche Konjunktur.“ Grund dafür sei die zunehmende internationale Wettbewerbsfähigkeit der Exportfirmen. Zudem habe es bisher kaum Zweitrundeneffekte wie höhere Löhne gegeben. Das teure Öl gehe vor allem auf die steigende weltwirtschaftliche Nachfrage zurück, von der deutsche Exportunternehmen wiederum profitierten. Ferner könnten die Ausfuhren vom niedrigen Euro Rückenwind erwarten:“Auch in den nächsten Monaten dürften sich die Effekte des seit März 2005 spürbar gesunkenen und seither stabilen Außenwerts des Euro positiv auf die Exportmengen auswirken.“

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