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Konjunktur : Amerikas Defizite gefährden die Weltwirtschaft

  • -Aktualisiert am

Keine Zeit für Selbstgefälligkeit: EZB-Präsident Trichet erläutert seine Sicht auf die Weltwirtschaft Bild: Reuters

Die Regierung von Präsident Barack Obama wird am Dienstag ihre Prognose für die kommenden Haushaltsdefizite um 2 auf 9 Billionen Dollar heraufsetzen. Die steigende amerikanische Staatsverschuldung droht zu einer ernsten Gefahr für das globale Finanzsystem zu werden, warnen prominente Ökonomen.

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          Die hohen Haushaltsdefizite und die steigende Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten können zu einer ernsten Gefahr für das globale Finanzsystem und die Weltwirtschaft werden. Davor haben verschiedene Ökonomen auf der geldpolitischen Konferenz von Jackson Hole am Wochenende gewarnt. Während sich zahlreiche Währungshüter, unter ihnen der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, recht optimistisch zur Erholung der Konjunktur äußerten, fiel das Urteil von Wissenschaftlern über die Wirksamkeit des milliardenschweren Konjunkturpakets bestenfalls gemischt aus.

          In einem Arbeitspapier, das den Währungshütern, Bankern und Ökonomen in dem Bergstädtchen im amerikanischen Bundesstaat Wyoming präsentiert wurde, stimmen Alan Auerbach (Universität Berkeley) und William Gale (Brookings Institution) zwar der Einschätzung zu, dass angesichts der Schwere der Wirtschaftskrise ein finanzpolitischer Impuls notwendig war. Doch sei das 787 Milliarden Dollar schwere Konjunkturpaket nicht optimal geschnürt, weil eine Reihe von Maßnahmen gar nicht zügig umgesetzt worden sei. Von einem weiteren Konjunkturprogramm, über das in Washington diskutiert wird, rieten Auerbach und Gale dringend ab. Zum einen befinde sich die Wirtschaft schon auf dem Weg der Besserung, zum anderen würden dann die langfristigen Haushaltsprobleme noch größer.

          „Ernste wirtschaftliche Verwerfungen“ nicht auszuschließen

          Auf Sicht von zehn Jahren werden sich die Etatdefizite der amerikanischen Regierung nach Berechnung der beiden Ökonomen auf zusammen 10 Billionen Dollar belaufen, womöglich sogar noch mehr. „Ernste wirtschaftliche Verwerfungen“ seien nicht auszuschließen, warnten Auerbach und Gale und wiesen darauf hin, dass an den Kapitalmärkten schon über mögliche Zahlungsschwierigkeiten Amerikas spekuliert werde. John Taylor, Professor an der Universität Stanford und einer der prominentesten Geldtheoretiker, formulierte es noch eindringlicher: „Wenn die Defizite außer Kontrolle geraten und die Zinsen in die Höhe klettern, weil Anleger all die Schuldtitel nicht mehr kaufen wollen, dann wird das auf das Wirtschaftswachstum drücken. Es ist ein systemisches Problem.“

          Debatten über finanzpolitische Impulse: Trichet, Bernanke und der Gouverneur der Bank von Japan Shirakawa

          Obama erwartet höheres Haushaltsdefizit

          Wie am Wochenende bekannt wurde, wird die Regierung von Präsident Barack Obama an diesem Dienstag ihre Prognose für die zusammengefassten Haushaltsdefizite der nächsten zehn Jahre um rund 2 Billionen Dollar auf 9 Billionen Dollar heraufsetzen. Für das laufende Budgetjahr, das im September zu Ende geht, sagten die Etatfachleute des Weißen Hauses nun einen Fehlbetrag von 1,58 Billionen Dollar voraus, rund 260 Milliarden Dollar weniger als noch vor einigen Wochen befürchtet. Unter anderem habe die Regierung weniger Geld für die Rettung von Banken ausgeben müssen, weil sich die Lage auf den Finanzmärkten entspannt hat, hieß es zur Begründung.

          Bernanke äußerte sich in seinem Vortrag nicht dazu, ob die Geldpolitik künftig durch frühzeitige Zinserhöhungen der Entstehung von gefährlichen Preisblasen auf dem Häusermarkt oder anderen Vermögensmärkten vorbeugen soll. Stattdessen plädierte er für eine Neuordnung der Finanzaufsicht und zeigte sich zuversichtlich, dass die Rezession nun bald überwunden sei. Der oberste amerikanische Währungshüter rechtfertigte die außergewöhnlichen Rettungsmaßnahmen der vergangenen Monate und sagte, dass die Konjunkturerholung aller Voraussicht nach nur schleppend verlaufen werde. Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, warnte vor Selbstgefälligkeit. Die Wirtschaft, auch jene des Euro-Raums, befinde sich nun zwar nicht mehr im freien Fall. Doch müsse alles unternommen werden, um den Aufschwung zu stützen und keine neuerliche Krise heraufzubeschwören.

          Zu den Themen, die am Rande der Konferenz diskutiert wurden, zählte auch die Zukunft Bernankes an der Spitze der Fed. Obama hat sich noch nicht dazu geäußert, ob er Bernanke für eine zweite Amtszeit als Vorsitzender des geldpolitischen Rates nominieren wird. Dessen erste Amtszeit endet im Januar. Andrew Crocket, früherer Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und nun in Diensten von JP Morgan Chase, forderte von Obama eine schnelle Entscheidung. Die Ungewissheit mache die Akteure an den Finanzmärkten nur unnötig zusätzlich nervös, sagte Crockett.

          In Jackson Hole warnen Ökonomen vor Turbulenzen und steigenden Zinsen. Das Weiße Haus muss eine schlechtere Budgetprognose verkünden.

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