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Konjunktur : Amerikanische Banken sehen die Zukunft düster

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Notenbankchef Ben Bernanke schürt den Pessimismus, obwohl er selbst nicht mit einem Schrumpfen der amerikanischen Wirtschaft rechnet. Bankvolkswirte aber sehen die amerikanische Wirtschaft am Rande einer Rezession. Und auch um Japan herrscht Sorge.

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          Die amerikanische Wirtschaft steht am Rande einer Rezession. Fallende Immobilienpreise und eine wachsende Zurückhaltung der Banken in der Kreditvergabe bergen die Gefahr eines herben Rückschlags bei Konsum und Investitionen. Durch die Krise der Bauwirtschaft und den Stellenabbau im produzierenden Gewerbe hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert und droht den privaten Verbrauch zusätzlich zu belasten. Diese Botschaft hat Amerikas oberster Währungshüter, Ben Bernanke, vermittelt und mit der Ankündigung verbunden, die Leitzinsen schon bald weiter zu senken.

          Die Notenbank (Fed) bleibt zwar bei ihrer Einschätzung, dass die größte Volkswirtschaft der Welt nicht in eine Rezession gleiten werde, sondern nur eine Phase sehr schwachen Wachstums durchlaufe. Doch in einer Reihe von Banken an Wall Street wird unverhohlen eine Rezession prognostiziert - es wäre die erste seit sieben Jahren. Ein Schrumpfen der Wirtschaft sei kaum noch abzuwenden, sagt Goldman-Sachs-Volkswirt Andrew Tilton. „Die jüngsten Daten legen den Schluss nahe, dass die Schockwellen der Häuserkrise und die knappere Kreditvergabe die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession schieben.“

          Besonders beunruhigt haben ihn der jüngste Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,7 auf 5 Prozent im Dezember und der Stellenverlust in der privaten Wirtschaft. Dadurch erhöhe sich das Risiko deutlich schwächerer Konsumausgaben, zumal das Verbrauchervertrauen Zeit schlecht sei, auch wegen der hohen Öl- und Benzinpreise. „Die Rezession wird vermutlich zwei bis drei Quartale dauern und im historischen Vergleich recht mild ausfallen. Wir rechnen mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von insgesamt einem halben Prozent“, sagt Tilton.

          Auch David Rosenberg von Merrill Lynch sieht im Anstieg der Arbeitslosigkeit ein wichtiges Warnsignal: „In den vergangenen sechs Jahrzehnten galt stets: Wenn die Arbeitslosenquote von ihrem zyklischen Tiefpunkt mehr als 60 Basispunkte steigt, rutscht die Wirtschaft in eine Rezession. Jetzt liegt die Quote bei 5 Prozent, verglichen mit 4,4 Prozent im März 2007“. Rosenberg verweist auf den Stellenabbau im produzierenden Gewerbe und auf den Einkaufsmanagerindex dieses Wirtschaftszweigs, der zuletzt auf weniger als 50 Punkte gefallen ist. Werte von weniger als 50 Punkten deuten auf eine sinkende Wirtschaftsleistung hin.

          Dean Maki, Chefökonom von Barclays Capital in New York, hat zwar jüngst seine Leitzinsprognose an die schlechteren Konjunkturdaten angepasst und rechnet mit einer Verringerung des Tagesgeldzinses, doch er hält es nach wie vor für wahrscheinlich, dass Amerika einer Rezession entgeht. Der Arbeitsmarkt sei nicht in einer so schlechten Verfassung, wie der Blick auf die Arbeitslosenquote vermuten lasse. In vielen Sparten des Dienstleistungsgewerbes würden nach wie vor zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Das schaffe einen Ausgleich für den Stellenabbau in der Bauwirtschaft und im produzierenden Gewerbe.

          Nach einer verbreiteten Beschreibung befindet sich die Wirtschaft in einer Rezession, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in zwei aufeinander folgenden Quartalen schrumpft. Die Zahlen für das vierte Quartal 2007 liegen zwar noch nicht vor, doch Ökonomen erwarten, dass das BIP zuletzt noch leicht zugelegt hat. Zwischen dem zweiten und dritten Quartal kletterte das BIP mit einer Jahresrate von 4,9 Prozent; im Vergleich zum dritten Quartal 2006 war es ein Plus von 2,8 Prozent. Auch für das erste Quartal 2008 rechnet die Mehrzahl der Bankvolkswirte mit einem leichten Wachstum, nicht mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung.

          Gewissheit über eine mögliche Rezession wird es wohl nur mit einigem zeitlichen Abstand geben. Das National Bureau of Economic Research, das angesehenste Wirtschaftsforschungsinstitut des Landes, brauchte während der bisher letzten Rezession im Jahr 2001 acht Monate, ehe es verkündete, dass im März des Jahres eine Rezession eingesetzt hatte. Befürchtungen, die Terroranschläge vom 11. September 2001 würden die Wirtschaft längere Zeit lahm legen, bestätigten sich nicht. Die Rezession endete im November 2001.

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