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Kommentar : Ein nötiges Gewitter an der Börse

An den Börsen der Welt donnert es. Das ist schlecht für die Aktionäre, für den Rest der Wirtschaft nicht unbedingt.

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          An den Börsen der Welt gewittert es heftig: Gestern in Deutschland und Amerika, heute in China. Überall fallen die Kurse, seit Amerikas Notenbank-Präsident Ben Bernanke angekündigt hat, die Geldversorgung wieder ein wenig einzuschränken. Selten zeigt sich so deutlich, dass die Aktionäre und der Rest der Wirtschaft manchmal unterschiedliche Interessen haben.

          Natürlich sinken die Aktienkurse, wenn Amerikas Notenbank ihre Politik niedriger Zinsen einschränkt, denn für die Unternehmen werden Kredite teurer. Das schlägt auf ihren Gewinn. Gleichzeitig wird es für die Aktionäre attraktiver, ihre Aktien zu verkaufen und das Geld anderswo anzulegen.

          Dieses Mal sind die Reaktionen heftiger als sonst, die Kurse fallen tiefer. Das heißt aber noch lange nicht, dass das Handeln von Ben Bernanke falsch wäre. Die Notenbank erhöht noch nicht mal ihren Leitzins, sie will nur nach und nach weniger Staatsanleihen kaufen, bis die Käufe Mitte nächsten Jahres ganz enden. Dass so eine Ankündigung schon so heftige Reaktionen auslöst, zeigt eines: Die Kurse hängen inzwischen extrem von billigem Geld ab. Das ist auf Dauer nicht gesund.

          Zurückdrehen ist schwierig, aber nötig

          Das zurückzudrehen, wird nicht leicht. Das hat an diesem Freitag das Beispiel Chinas gezeigt. Zwischenzeitlich kamen Gerüchte auf, eine große Bank stehe vor der Insolvenz. Und die Notenbank intervenierte nicht offiziell mit billigem Geld. Schon wuchs die Angst in der Wirtschaft vor einem großen Crash - bis vielleicht inoffiziell doch etwas Geld kam. Ständig steht die Kreditversorgung großer Unternehmen in Frage.

          Es ist nicht leicht, da den richtigen Weg zu finden. Trotzdem sind die Entscheidungen nötig. Auch wenn es dann an den Börsen gewittert. Heute Morgen weiß zumindest in Deutschland jeder: Während des Gewitters ist man besser nicht draußen. Aber hinterher atmet man viel leichter.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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