https://www.faz.net/-gqe-7abou

Kommentar : Ein nötiges Gewitter an der Börse

An den Börsen der Welt donnert es. Das ist schlecht für die Aktionäre, für den Rest der Wirtschaft nicht unbedingt.

          1 Min.

          An den Börsen der Welt gewittert es heftig: Gestern in Deutschland und Amerika, heute in China. Überall fallen die Kurse, seit Amerikas Notenbank-Präsident Ben Bernanke angekündigt hat, die Geldversorgung wieder ein wenig einzuschränken. Selten zeigt sich so deutlich, dass die Aktionäre und der Rest der Wirtschaft manchmal unterschiedliche Interessen haben.

          Natürlich sinken die Aktienkurse, wenn Amerikas Notenbank ihre Politik niedriger Zinsen einschränkt, denn für die Unternehmen werden Kredite teurer. Das schlägt auf ihren Gewinn. Gleichzeitig wird es für die Aktionäre attraktiver, ihre Aktien zu verkaufen und das Geld anderswo anzulegen.

          Dieses Mal sind die Reaktionen heftiger als sonst, die Kurse fallen tiefer. Das heißt aber noch lange nicht, dass das Handeln von Ben Bernanke falsch wäre. Die Notenbank erhöht noch nicht mal ihren Leitzins, sie will nur nach und nach weniger Staatsanleihen kaufen, bis die Käufe Mitte nächsten Jahres ganz enden. Dass so eine Ankündigung schon so heftige Reaktionen auslöst, zeigt eines: Die Kurse hängen inzwischen extrem von billigem Geld ab. Das ist auf Dauer nicht gesund.

          Zurückdrehen ist schwierig, aber nötig

          Das zurückzudrehen, wird nicht leicht. Das hat an diesem Freitag das Beispiel Chinas gezeigt. Zwischenzeitlich kamen Gerüchte auf, eine große Bank stehe vor der Insolvenz. Und die Notenbank intervenierte nicht offiziell mit billigem Geld. Schon wuchs die Angst in der Wirtschaft vor einem großen Crash - bis vielleicht inoffiziell doch etwas Geld kam. Ständig steht die Kreditversorgung großer Unternehmen in Frage.

          Es ist nicht leicht, da den richtigen Weg zu finden. Trotzdem sind die Entscheidungen nötig. Auch wenn es dann an den Börsen gewittert. Heute Morgen weiß zumindest in Deutschland jeder: Während des Gewitters ist man besser nicht draußen. Aber hinterher atmet man viel leichter.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Großbritannien lässt Corona-Impfstoff zu Video-Seite öffnen

          Von Biontech : Großbritannien lässt Corona-Impfstoff zu

          Die britischen Gesundheitsbehörden haben eine Notfallzulassung für den Corona-Impfstoff des Mainzer Pharmaunternehmens Biontech und seines Partners Pfizer erteilt. Der Impfstoff soll schon ab der kommenden Woche zur Verfügung stehen.

          Tesla-Chef offen für Fusionen

          Elon Musk : Tesla-Chef offen für Fusionen

          Elon Musk heizt die Gerüchteküche an. Falls jemand mit Tesla fusionieren wolle, könne man darüber reden. Eine feindliche Übernahme aber schließt er aus.

          Topmeldungen

          Moral und Demokratie : Wenn politische Lager zu Feindesland werden

          Die Krise würfelt beim Verhältnis von Wissenschaft, Moral und Demokratie einiges durcheinander. Die moralische Neucodierung politischer Konflikte macht es den Bürgern nicht leichter, sich als Retter der Demokratie ins Zeug zu legen. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.