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Vor Steuererhöhung : Japans Wirtschaft wächst um 6 Prozent

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Einkaufen in Tokio Bild: REUTERS

Japan hat gerade die Mehrwertsteuer erhöht. Viele Menschen haben vorher nochmal kräftig eingekauft - und der Wirtschaft einen erstaunlichen Schub verpasst. Das ändert sich nun.

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          Die japanische Wirtschaft wächst so schnell wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Im ersten Jahresviertel legte das Bruttoinlandsprodukt um aufs Jahr hochgerechnet beinahe 6 Prozent zu, zeigen neue Daten der Regierung in Tokio.

          Als Grund dafür gilt vor allem auch die jüngste Steuererhöhung - die Mehrwertsteuer beträgt seit April nicht mehr fünf, sondern nun acht Prozent. Im Vorfeld machten die Verbraucher offenbar noch zahlreiche Anschaffungen zum niedrigeren Steuersatz. Auch Firmen investierten mehr.

          Die hohe Wachstumsrate hat sogar die nicht geringere Erwartung zuvor befragter Ökonomen übertroffen - sie hatten mit einem annualisierten Plus von 4,2 Prozent gerechnet. Es war der stärkste Anstieg seit dem dritten Quartal 2011. Die Wirtschaftsleistung der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt nach den Vereinigten Staaten und China legte damit das sechste Quartal in Folge zu.

          Die privaten Konsumausgaben, die etwa 60 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, stiegen gegenüber dem Vorquartal um rund zwei Prozent. Ein ähnliches Hoch hatte es zu Jahresbeginn 1997 gegeben - ebenfalls kurz vor der letzten Erhöhung der Mehrwertsteuer.

          Firmen investierten 4,9 Prozent mehr als noch ein Vierteljahr zuvor. Das war mehr als doppelt so viel wie von Analysten erwartet und die höchste Rate seit mehr als zwei Jahren. Das deutet darauf hin, dass sich die japanische Wirtschaft schneller von dem Sondereffekt der Mehrwertsteuererhöhung erholen könnte als gedacht: Wenn Firmen mehr investieren entstehen üblicherweise mehr Arbeitsplätze und die Löhne steigen. „Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaft von April bis Juni um rund fünf Prozent schrumpfen wird und von Juli bis September dann wieder um rund zwei Prozent zulegt“, sagte Analyst Taro Saito vom NLI Research Institute.

          Sorgen bereiteten aber nach wie vor die Exporte. Sollten diese nicht anziehen, könnte sich die Notenbank gezwungen sehen, ihre Geldpolitik bereits im Juli weiter zu lockern, sagen Analysten. Die japanische Zentralbank senkte erst vor kurzem wegen der nur langsamen Exportbelebung ihre Wachstumsprognose. Die Bank of Japan geht nur noch von einem Wachstum von 1,1 Prozent anstatt 1,4 Prozent aus.

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