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Immobilienmarkt : Bundesbank warnt vor Preisblase

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Gleichwohl sind sie mit einem Anteil von über zwei Dritteln der mit Abstand größte Posten der Verschuldung privater Haushalte. Und mit 40 Prozent machen diese Kredite einen großen Teil der gesamten inländischen Kreditvergabe der deutschen Kreditinstitute aus. Bei Sparkassen und Kreditgenossenschaften liegt der Anteil der Immobilienkredite an private Haushalte sogar bei etwa 50 Prozent. Für Deutschland sieht die Bundesbank die Gefahr eines Immobilienpreisbooms derzeit nicht. „Aus heutiger Sicht bleibt die Gefahr von Preisübertreibungen für Deutschland insgesamt gering“, heißt es im Finanzstabilitätsbericht. Allerdings will die Bundesbank nicht ausschließen, dass es „in regionalen Teilmärkten“ zu so einer Entwicklung kommt. Deshalb will sie die Marktenwicklung „intensiv beobachten“.

Am ehesten wären Preisübertreibungen wohl für die Ballungszentren zu befürchten. 2011 stiegen die Preise neuer Wohnimmobilien in 125 Städten um 6,3 Prozent. Im Vorjahr war der Anstieg mit 3,5 Prozent fast nur halb so groß gewesen. In den sieben größten Städten verteuerten sich neue Wohnimmobilien sogar um 9,1 Prozent, verglichen mit 4,9 Prozent im Vorjahr. Die Bundesbank geht davon aus, dass sich diese Entwicklung im ersten Halbjahr des laufenden Jahres fortgesetzt hat, besonders in den sieben größten Städten.

Sie erklärt sich diese für deutsche Verhältnisse recht dynamische Preisentwicklung unter anderen mit Sonderfaktoren, wie den niedrigen Zinsen. Diese machen Kredite zum Immobilienerwerb billig und Immobilien als Kapitalanlage attraktiv. Teilweise kommt es auch zu Vorzieheffekten. Besonders deutlich wird die Entwicklung bei Etagenwohnungen in Ballungsräumen.
„Nicht zuletzt fördert ein gesunkenes Vertrauen gegenüber dem Finanzsystem seit Ausbruch der Finanzkrise die Umschichtung von Finanz- in Realvermögen“, merkte die Bundesbank an. Das macht Immobilien auch für ausländische Anleger attraktiv.

Dass die die Bundesbank im Immobilienmarkt derzeit insgesamt kein Risiko für die Finanzstabilität sieht, hat nicht zuletzt etwas mit den strengen Richtlinien zur Kreditvergabe zu tun. Sollten sich diese aber regional gesehen als zu schwach erweisen, würde die Bundesbank mehr tun, wie sie in ihrem Bericht erläutert: „Neben verschiedenen Varianten zur Erhöhung der Kapitalunterlegung sind auch direkte Eingriffe in die Ausgestaltung der Kreditvergabestandards, wie beispielsweise ein Absenken der Beleihungsgrenzen, denkbar“, heißt es dort.

Aktuelle Daten zur Immobilienpreisentwicklung sind in Deutschland Mangelware. Der Preisindex des Verbandes Deutscher Pfandbriefbanken stieg im zweiten Quartal mit einer Jahresrate von 4,3 Prozent. Die Teuerung lag damit genau auf Vorquartalsniveau. Daten für das dritte Quartal werden am Donnerstag veröffentlicht.

Der monatlich von Europace auf Basis von Finanzierungsdaten erhobene EPX-Preisindex deutet einen deutlichen Teuerungsrückgang am aktuellen Ende an. Die Jahreswachstumsrate sank von 6,2 Prozent im Juli auf 3,2 Prozent im Oktober.

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