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IfW hebt seine Prognose : „Der Konjunktureinbruch ist zu Ende“

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Funken der Hoffnung: 4,9 statt 6 Prozent soll das BIP schrumpfen Bild: ddp

Nach Ansicht des Instituts für Weltwirtschaft haben sich die Konjunkturaussichten für Deutschland aufgehellt. Die Arbeitslosigkeit werde sich nicht so schlimm entwickeln, wie befürchtet. Doch der BDI warnt vor einer flächendeckenden Kreditklemme zum Jahreswechsel.

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          Während das Institut für Weltwirtschaft Gründe findet, das Bild einer weniger stark schrumpfenden Wirtschaft zu malen und seine Prognose 2009 zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts Deuschland von minus 6 Prozent auf minus 4,9 Prozent anzuheben, warnt der BDI vor einer flächendeckenden Kreditklemme zum Jahreswechsel. Diese Gefahr sei konkret, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Werner Schnappauf, am Mittwoch in Berlin. Für die Firmen seien in den kommenden Monaten ausreichend flüssige Mittel entscheidend. „Es muss auf jeden Fall vermieden werden, dass erste zaghafte Wachstumstriebe durch fehlende Liquidität abgewürgt werden“, sagte er.

          Mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland befürchte im kommenden halben Jahr schwierigere Bedingungen bei der Finanzierung, teilte der BDI zu einer gemeinsamen Umfrage mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) unter knapp 1200 Firmen mit. 28 Prozent der Betriebe gaben sogar an, dass sich ihre Situation deutlich verschärfen werde. Vor allem kleinere Firmen hätten Angst vor einer Geldknappheit. Jedes dritte Unternehmen erwarte dagegen unveränderte Bedingungen, und eine kleine Minderheit sogar Verbesserungen.

          IfW: Kredite werden auch weniger nachgefragt

          Nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) ist eine allgemeine Kreditklemme in Deutschland ist nicht ganz auszuschließen. Bislang sei eine breitangelegte Kreditknappheit zwar nicht zu beobachten, teilte das IfW am Mittwoch in Kiel mit. Angesichts hoher Abschreibungen, die den deutschen Banken noch drohten, sei eine Unterversorgung der Wirtschaft mit Krediten aber nicht vollends auszuschließen. Die Geldpolitik habe durch das Senken der Leitzinsen und die Liquiditätsspritzen einen Zusammenbruch des Weltfinanzsystems erfolgreich verhindert. Nun komme es darauf an, die Versorgung der Wirtschaft mit Geld sicherzustellen.

          Die derzeit zurückhaltende Kreditvergabe führt das IfW nicht nur auf Angebotsfaktoren auf Bankenseite zurück, sondern auch auf nachfrageseitige Effekte. So dürfte der Einbruch der Investitionstätigkeit zu einem deutlichen Rückgang der Kreditnachfrage geführt haben. Hierfür spreche auch, dass die Banken das gesunkene Zinsniveau in der aktuellen Rezession nicht weniger zögerlich an Unternehmen weitergegeben hätten als in früheren Zyklen. Bundesbank-Präsident Weber hatte am Dienstag gesagt, er sehe weder in Deutschland noch im Euro-Raum Anzeichen einer breiten Kreditklemme.

          Banken: „Die Konjunkturdynamik zieht nicht durch“

          Der Bankenverband erwartet für Deutschland im laufenden zweiten Halbjahr einen Wachstumsschub. Das Tempo werde sich aber nicht halten lassen. „Die Konjunkturdynamik zieht nicht durch“, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Konjunkturanalyse des Bundesverbandes deutscher Banken. Für 2010 rechnet er mit einer Erhöhung des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 1,5 Prozent. Selbst wenn sich dieser Trend fortsetze, werde es drei bis vier Jahre dauern, bis die Produktion wieder das Niveau vor der Krise erreicht haben wird.

          Schnappauf sagte weiter, dass sich zwar ein Ende der scharfen Rezession abzeichne, doch herrsche in vielen Branchen weiterhin
          tiefste Krisenstimmung. Zudem werde es einige Jahre dauern, bis die deutsche Wirtschaft wieder das Niveau von 2008 erreicht habe. Die deutsche Wirtschaftsleistung war im Frühjahr überraschend um 0,3 Prozent gewachsen, und Experten gehen von einer weiteren Beschleunigung im dritten Quartal aus. Mehrere Forschungsinstitute und auch der Internationale Währungsfonds haben inzwischen ihre Prognosen für das laufende Jahr angehoben.

          IfW hebt seine Prognose für 2009 an

          Nach Überzeugung des IfW haben sich die Konjunkturaussichten deutlich aufgehellt. Die Kieler Forscher rechnen in einer neuen Prognose für 2009 nur noch mit einem Einbruch des Bruttoinlandsproduktes von 4,9 Prozent. Bei der letzten Prognose im Juni hatte das IfW noch einen Einbruch von 6 Prozent in Aussicht gestellt. „Die Konjunktur in Deutschland hat sich stabilisiert“, hieß es in der am Mittwoch veröffentlichen Herbstprognose. Für das Jahr 2010 erwartet das IfW ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent.

          Auch die Arbeitslosigkeit werde sich nicht so schlimm entwickeln, wie noch im Sommer befürchtet, hieß es. Bis zum Ende des Jahres 2010 werde die Zahl der Arbeitslosen demnach auf 4,2 Millionen steigen. „Der Konjunktureinbruch in Deutschland ist zu Ende gegangen“, stellten die Wirtschaftsforscher fest. Sie begründeten ihre optimistischere Haltung unter anderem mit einem anziehenden privaten Konsum, mehr Aufträgen für die Bauindustrie wegen der staatlichen Konjunkturprogramme und einer steigenden Nachfrage aus dem Ausland.

          Krise triff Rest der Welt nicht so schlimm wie Deutschland

          Auch außerhalb Deutschlands zieht die Wirtschaft wieder an. „Im Sommer 2009 hat die Weltkonjunktur begonnen, sich zu erholen. Angesichts einer Belebung, die international weitgehend synchron erfolgt, ist sogar ein recht kräftiger Anstieg der Weltproduktion im zweiten Halbjahr zu erwarten“, stellen die Kieler Forscher fest. Insgesamt erwartet das IfW, dass einem Rückgang der Weltproduktion um 1,2 Prozent in diesem Jahr ein Anstieg um 2,8 Prozent im nächsten Jahr folgt. Damit wurde die Prognose für das laufende Jahr 2009 um 0,3 und für 2010 um 0,5 Prozentpunkte angehoben.

          Die staatlichen Konjunkturpakete und das Ende des Lagerabbaus dürften die globale Produktion bereits in der zweiten Jahreshälfte beflügeln. Allerdings werde der Anstieg der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr an Schwung verlieren. Als Belastung für die Konjunktur nannten die Forscher den anhaltenden Abbau der weltweiten Ungleichgewichte. „Auch die Probleme im internationalen Finanzsystem sind noch nicht überwunden und wirken der Entwicklung eines kräftigen Aufschwungs entgegen.“

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