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Ifo-Institut : Weltwirtschaftsklima auf tiefstem Stand seit 20 Jahren

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Jedes Vierteljahr erstellt das Ifo-Instiut sein Barometer für das Klima in der Weltwirtschaft. Doch so dramatische Ergebnisse wie diesmal kamen seit 20 Jahren nicht mehr heraus. Kein Wunder, dass Ifo-Chef Hans-Werner Sinn eine „globale Rezession“ sieht.

          Das Klima der Weltwirtschaft hat sich im vierten Quartal laut einer Umfrage des Ifo Instituts zum fünften Mal in Folge eingetrübt und erreichte den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Der entsprechende Indikator sei von 73,4 Punkten auf 60,0 Zähler gesunken, teilte das Münchner Forschungsinstitut am Donnerstag mit. Der Rückgang resultiere vor allem aus der ungünstigeren Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage, aber auch die Erwartungen für die nächsten sechs Monate hätten sich weiter eingetrübt. „Insgesamt deuten die erhobenen Daten auf eine globale Rezession hin“, erklärte der Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

          Die Beurteilung der aktuellen Wirtschaftslage sank im vierten Quartal von 85,8 auf 67,6 Punkte. Der Erwartungsindex ging von 61,4 auf 52,6 Punkte zurück. Die Abkühlung des Weltwirtschaftsklimas betraf den Angaben zufolge nicht nur die großen Wirtschaftsregionen Nordamerika, Westeuropa und Asien, sondern auch Mittel- und Osteuropa, Russland, Lateinamerika und Australien.

          „Inflationserwartungen haben Höhepunkt überschritten“

          In den Vereinigten Staaten werde die derzeitige Situation kritisch gesehen, allerdings seien dort die Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate nicht mehr ganz so pessimistisch, sagte Ifo-Experte Gernot Nerb. Dort gebe es Hoffnung, dass die Maßnahmen der Regierung bald Wirkung zeigten. In Asien dagegen seien sowohl die Urteile zur aktuellen Lage als auch zu den Erwartungen deutlich nach unten revidiert
          worden. Besonders ungünstig sei die Situation in Japan, Südkorea und Taiwan bewertet worden.

          „Die Inflationserwartungen haben weltweit ihren Höhepunkt überschritten“, hieß es weiter in der Ifo-Mitteilung. Nahezu überall seien die Inflationserwartungen für die nächsten sechs Monate gesunken. Außerdem würden der Dollar und der Yen kaum noch als unterbewertet angesehen. Dadurch habe sich die Überbewertung des Euro zwar zurückgebildet, ist aber nach Ansicht der Experten noch nicht abgeschlossen.

          Das Ifo Institut befragt im vierteljährlichen Turnus zusammen mit der Internationalen Handelskammer in Paris Experten aus einer Vielzahl von Ländern zur Konjunkturentwicklung und zu anderen Wirtschaftsdaten. An der jüngsten Erhebung im Oktober 2008 nahmen 1001 Experten aus 91 Ländern teil. Die Umfrage wird in Zusammenarbeit mit der Internationalen Handelskammer in Paris (ICC) gemacht.

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