https://www.faz.net/-gqe-x6sa

Hohe Ölpreise - schlechte Erwartungen : Ifo-Index auf Tiefststand seit Ende 2005

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni überraschend stark abgekühlt; der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf seinen tiefsten Stand seit Dezember 2005. Die gute Nachricht: Das Institut erwartet keine Rezession. Die schlechte: Die Ölpreise machen Ifo-Präsident Sinn große Sorgen.

          Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni überraschend deutlich abgekühlt. Der Geschäftsklimaindex sei von 103,5 Punkten im Vormonat auf 101,3 Punkte gesunken, teilte das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Montag in München mit. Die Unternehmen beurteilten ihre derzeitige Situation schlechter und schätzten auch ihre Zukunftserwartungen eindeutig skeptischer ein.

          Der Index notierte auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2005. Fachleute hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang des Konjunkturbarometers auf 102,5 Punkte gerechnet. „Die stark gestiegenen Ölpreise belasten offensichtlich zunehmend die deutsche Wirtschaft“, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

          Sinn: Arbeitsplatzaufbau in der Industrie dürfte an Kraft verlieren

          Für den Ifo-Index werden monatlich rund 7000 Unternehmen verschiedener Branchen nach ihrer derzeitigen Situation und ihren Zukunftsperspektiven für die kommenden sechs Monate befragt. Der Index für die derzeitige Geschäftslage gab demnach im Juni von 110,1 Punkten auf 108,3 Punkte nach, der Erwartungsindex verschlechterte sich von 97,2 auf 94,7 Punkte.

          Die Aussichten sind trübe; eine Rezession wird dennoch nicht erwartet

          Vor allem in der Industrie kühlte sich das Klima deutlich ab. Der Arbeitsplatzaufbau in der Branche dürfte vor diesem Hintergrund an Kraft verlieren, erklärte Sinn. Vom Auslandsgeschäft erwarteten sich die Industrie-Unternehmen in den kommenden Monaten geringere Impulse. Trotz des starken Euro befürchteten sie aber keinen Einbruch des Exports, sagte Sinn.

          „Es sieht noch nicht nach Rezession aus“

          Auch im Groß- und Einzelhandel ist die Stimmung gedämpft. Die starke Teuerung belaste die Kaufkraft der Verbraucher. Die Konsumenten ächzten ebenso wie die Unternehmen unter den massiven Ölpreis-Steigerungen, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger. Der Ölpreis drücke die Margen der Firmen und fresse die Lohnerhöhungen an den Tankstellen wieder auf. „Das ist eine starke Belastung, aber es sieht noch nicht nach einer Rezession aus.“

          Auch Analysten rechnen nicht mit einer Rezession, also mindestens zwei Quartale in Folge mit einem schrumpfenden Bruttoinlandsprodukt. Zwar sei fast sicher, dass die Wirtschaftsleistung im Frühjahr sinken werde, sagte Commerzbank-Ökonom Matthias Rubisch: „Eine Rezession erwarten wir aber weiterhin nicht. Die deutschen Unternehmen haben hohe Gewinnmargen und sind nach wie vor wettbewerbsfähig.

          Der unerwartet schwache Ifo-Index setzte den Euro und den deutschen Aktienmarkt unter Druck. Der Euro notierte zuletzt bei 1,5512 Dollar, nachdem er kurz zuvor noch bei 1,5560 Dollar gelegen hatte. Der Dax gab seine Gewinne von rund 0,3 Prozent zeitweise fast vollständig ab.

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Nach Unwettern : Verkehr in Teilen Deutschlands gestört

          Ein starkes Unwetter sorgt in Teilen Deutschlands für Störungen und Ausfälle im Bahnverkehr. Auch auf vielen Autobahnen gibt es massive Behinderungen. Am Frankfurter Flughafen wird die Abfertigung zwischenzeitlich eingestellt.
          Hans Kammler (Mitte) auf dem Weg zu einer rüstungstechnischen Anlage bei Ebensee (1944).

          „Hitlers Geheimwaffenchef“ : Der verschwundene SS-General

          Hans Kammler gehörte zur engeren Führung des NS-Regimes. Er war mitverantwortlich für den Holocaust. Im Mai 1945 soll er Suizid begangen haben. Doch daran gibt es große Zweifel, wie das ZDF zeigt.
          Tenor seiner Aussagen: „Ibiza“ war peinlich, aber nichts Unrechtes sei gesagt worden, „ich habe eine saubere Weste.“ – Heinz-Christian Strache

          Strache und die FPÖ : „Ich habe eine saubere Weste“

          Die Zukunft der skandalträchtigen FPÖ ist nach dem „Ibiza“-Skandal um Heinz-Christian Strache weiter ungewiss. Die Razzien bei FPÖ-Leuten bezeichnete er als ein politisch motivierten „Unrechtsakt“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.