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Geldpolitik : Fed will Erholung mit Manöver stützen

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Die amerikanischen Notenbanker um Ben Bernanke schauen mit Sorge auf die Konjunkturerholung und wollen ihr auf die Sprünge helfen Bild: AFP

Die amerikanischen Währungshüter um Notenbankchef Ben Bernanke haben angesichts eines schwachen Arbeitsmarkts und wachsender Sorge über die konjunkturellen Aussichten einen kleinen, aber symbolisch bedeutsamen Schritt zur Ankurbelung der Wirtschaft beschlossen.

          Die amerikanische Notenbank reagiert auf die Verlangsamung der Konjunkturerholung in den Vereinigten Staaten mit einem eher kleinen, aber psychologisch wichtigen Manöver. Der Umfang der bisherigen Unterstützung werde nicht wie geplant zurückgefahren, teilte die Federal Reserve nach einer Sitzung ihres Offenmarktausschusses (FOMC) am Dienstag mit. Vielmehr werde durch die Fälligkeit bereits gekaufter Wertpapiere flüssig werdendes Geld wieder reinvestiert und damit neue Staatsanleihen erworben.

          Im Klartext heißt dies, dass hypothekenbesicherte Anleihen und Papiere der staatlichen Hypothekenfinanzierer, die zur Stützung des taumelnden Häusermarktes erworben wurden, bei Fälligkeit von der Notenbank durch Staatspapiere ersetzt werden. Dadurch bleibt der Umfang der Hilfen für die Wirtschaft auf dem Papier zwar gleich, jedoch verschiebt sich die Gewichtung weg vom Immobilienmarkt hin zur allgemeinen Belebung der Konjunktur per Notenpresse.

          Leitzins bleibt unverändert

          Die Erholung der amerikanischen Wirtschaft von der schwersten Krise seit vielen Jahrzehnten war zuletzt ins Stocken geraten. Entsprechend positiv fiel die Reaktion der Börsen auf den von vielen Experten erhofften, aber dann doch überraschenden Schritt der Fed vom Dienstag aus. An der Wall Street drehte der Dow-Jones-Index zumindest kurzzeitig ins Plus. Am Anleihemarkt zogen die Kurse kräftig an, während es am Devisenmarkt für den Dollar zu wichtigen Weltwährungen abwärts ging.

          Ihren Leitzins beließen die Notenbanker um Fed-Chef Ben Bernanke wie erwartet bei 0 bis 0,25 Prozent. Sie bekräftigten zudem erneut, dass er „noch für einen längeren Zeittraum extrem niedrig“ bleiben soll. Im Begleitkommentar zum Zinsbeschluss hieß es, die Erholung der Wirtschaft habe sich in jüngster Zeit stärker als erwartet verlangsamt und der kurzfristige Ausblick habe sich stärker als erwartet eingetrübt (siehe auch: Amerikanische Notenbank: Bernanke sieht Risiken für Wachstum).

          Nach dem Beschluss der Notenbank sind an den Anleihemärkten in den Vereinigten Staaten und im Euroraum am Mittwoch die Kurse gestiegen und die Renditen entsprechend gefallen. Die Renditen von zehnjährigen Treasuries sanken auf den niedrigsten Wert seit 16 Monaten auf 2,72 Prozent, nachdem sie am Vortag bereits sieben Basispunkte abgegeben hatte. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten bei 2,48 Prozent sechs Basispunkte niedriger.

          Schlechte Nachrichten vom Arbeitsmarkt

          Probleme gibt es in den Vereinigten Staaten beispielsweise nach wie vor am Arbeitsmarkt. Erst im Juni waren abermals 131.000 Jobs weggefallen. Wie am Dienstag bekannt wurde, sank zudem die Produktivität im zweiten Quartal erstmals seit eineinhalb Jahren wieder. Das zweiten Quartal stand in den Vereinigten Staaten ohnehin unter keinem guten Stern. Das Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt verlangsamte sich in diesem Zeitraum wieder und ereichte nur noch ein Plus von 2,4 Prozent nach 3,7 Prozent in den ersten drei Monaten 2010.

          Experten äußerten sich in ersten Reaktionen zufrieden mit dem vorsichtigen Gegensteuern der Zentralbank. „Wir sehen, dass die Fed nicht so sehr in Panik ist, wie der Markt denkt, aber sie wollen auch nicht, dass ihre Bilanz abnimmt und deshalb investieren sie frei werdenden Mittel in Staatsanleihen“, sagte Anleihespezialist Ward McCarthy von Jeffries & Co. Auch Gary Thayer von Wells Fargo kann der Aktion einiges abgewinnen: „Der Aktienmarkt mag es anscheinend. Indem sie die Hypothekenpapiere nicht verfallen lassen, sondern das Geld weiter verwenden, bestätigen sie den Kurs und behalten den Grad der Unterstützung bei.“

          Fed hält weiter Papiere über mehr als zwei Billionen Dollar

          Die Fed hatte wie viele Notenbanken in aller Welt auch auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Leitzins kräftig gesenkt und zudem massiv Wertpapiere angekauft um zusätzlich Geld in das Finanzsystem, den Immobilienmarkt und die Wirtschaft zu pumpen: insgesamt für rund 1,7 Billionen Dollar. Da die Laufzeit dieser Papiere sukzessive zu Ende geht, nimmt diese Unterstützung automatisch ab, wenn das frei werdende Geld nicht wieder in Umlauf gebracht wird.

          Bislang hatte die Fed nur bei der Fälligkeit von Staatsanleihen wieder nachgekauft, nicht aber bei anderen Wertpapieren. Durch die jetzt bekannt gegebene Änderung ihrer Politik, die ab dem 17. August umgesetzt werden soll, bleibt das Volumen der von der Fed gehaltenen Papiere insgesamt bei etwas mehr als zwei Billionen Dollar stabil.

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