https://www.faz.net/-gqe-otqw

Geldpolitik : EZB-Präsident Trichet dämpft Zinssenkungsspekulationen

  • Aktualisiert am

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins unverändert bei 2 Prozent belassen. Die schwedische Reichsbank senkte ihren Leitzins dagegen auf den historischen Rekord von 2 Prozent

          2 Min.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins unverändert bei 2 Prozent belassen. Das derzeitige Zinsniveau sei angemessen, um mittelfristig Preisstabilität zu gewährleisten, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag. Das niedrige Zinsniveau unterstütze die moderate wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum. Dagegen senkte die schwedische Reichsbank ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf den historischen Tiefstand von 2 Prozent.

          EZB-Vizepräsident Lucas Papademos teilte mit, daß der EZB-Rat die Nominierung von José Manuel González-Páramo als künftiges Mitglied im sechsköpfigen EZB-Direktorium gebilligt habe. Der Spanier soll Anfang Mai seinen Landsmann Domingo Solans ablösen. González-Páramo, der 45 Jahre alt ist, sei auf dem Gebiet des Geld- und Bankwesens ein anerkannter Fachmann, sagte Papademos.

          Ausgeglichene Preisrisiken

          An den Finanzmärkten war die Entscheidung der EZB weithin erwartet worden, wenngleich zuletzt die Spekulationen auf einen Zinsschritt zugenommen hatten. Vielfach überrascht hat allerdings, daß Trichet keine Hinweise gab, aus der sich die Bereitschaft zu einer Ermäßigung des Leitzinses im Mai oder Juni ableiten ließ. Trichet betonte mehrfach, daß der EZB-Rat nach Auswertung aller Konjunkturdaten die Risiken für die Preisstabilität sowohl nach oben als auch nach unten für ausgeglichen halte. Im März und Februar lag die Inflationsrate im Euro-Raum bei 1,6 Prozent, etwas weniger als die angestrebte Zielgröße von knapp 2 Prozent. In nächster Zeit könne die Inflationsrate aufgrund technischer Faktoren etwas zunehmen, sagte Trichet. Dies sei aus heutiger Sicht unbedenklich.

          An den Zinsterminmärkten, an denen auf fallende Zinsen spekuliert worden war, ist der Zins für Dreimonatsgeld nach Trichets Äußerungen wieder recht deutlich auf nahezu 2 Prozent gestiegen. Der Euro stieg im Tagesverlauf um mehr als einen Cent auf knapp 1,24 Dollar.

          Trichet räumte ein, daß jüngste Wirtschaftsdaten "gemischt" ausgefallen seien. Doch habe dies nichts an der Einschätzung des EZB-Rates geändert, daß sich die Konjunktur Schritt für Schritt erhole. "Der beste Beitrag, den wir zur Erholung der Wirtschaft leisten können, ist der Anker der Preisstabilität", sagte Trichet. "Preisstabilität ist der magnetische Norden unseres Kompasses."

          Eines der größten Risiken für die weitere Entwicklung sieht Trichet in der Konsumschwäche im Euro-Raum. Die EZB trage mit stabilen Preisen dazu bei, daß für die Bürger die Kaufkraft erhalten und das Zinsniveau langfristig niedrig bleibe. Die EZB leiste so ihren Beitrag zur Stimulierung des Wirtschaftswachstums. Größere Auswirkungen der Terroranschläge von Madrid auf das Verbrauchervertrauen seien bisher nicht festzustellen. Trichet erneuerte seinen Aufruf an die Regierungen Europas, Strukturreformen zügig umzusetzen und das Tempo zu beschleunigen.

          Zinssenkung in Schweden

          In Schweden hat die kräftige Senkung des Leitzinses, die am 7. April in Kraft tritt, nicht überrascht, nachdem Reichsbankpräsident Lars Heikensten diese zuvor in ungewöhnlich klarer Form als notwendig bezeichnet hatte. Auf Unmut nicht nur der bürgerlichen Opposition war gestoßen, daß auch Ministerpräsident Göran Persson öffentlich den "Wunsch" der Regierung nach einer Zinssenkung geäußert hatte. Der Verfassungsausschuß des Reichstages hatte daher Heikensten am Mittwoch zu einer Anhörung gebeten. Der Notenbankpräsident sagte, die Rechtslage sei klar. Die Bank sei weder an Anordnungen noch an Ratschläge der Regierung gebunden.

          Die Reichsbank begründete die Zinssenkung damit, daß die Inflationsrate stärker als erwartet auf 0,7 Prozent gesunken sei. Sie strebt auf mittlere Sicht eine Inflation von 2 Prozent an. Seit drei Jahren hatte der schwedische Leitzins stets über denen in den Vereinigten Staaten und im Euro-Raum gelegen.

          Positive Signale

          Im Euro-Raum und in den Vereinigten Staaten sind die vielbeachteten Einkaufsmanagerindizes des Verarbeitenden Gewerbes für den Monat März überraschend gestiegen. Die Umfrageergebnisse deuten unverändert auf eine Fortdauer des Wirtschaftswachstums hin. Der für die Nachrichtenagentur Reuters erhobene Index für den Euro-Raum stieg von 52,5 auf 53,3 Punkte. In Amerika kletterte der entsprechende ISM-Index von 61,4 auf 62,5 Punkte. (pwe.)

          Weitere Themen

          Wer baut, bekommt Geld geschenkt

          Pläne der KfW : Wer baut, bekommt Geld geschenkt

          Die Staatsbank will erstmals Kredite mit Negativzinsen vergeben. Profitieren sollen Privatleute, Mittelstand und Kommunen. Bis die Negativzinsen beim Endkunden ankommen, könnte es allerdings noch dauern.

          Topmeldungen

          Wahl in Nordirland : Selbst die Grenze hat eine Stimme

          In Nordirland hilft nur noch Galgenhumor: Die britische Provinz fühlt sich von allen Seiten verkauft. Die bitterste Ironie ist die Zwickmühle, in die Boris Johnson die nordirischen Konservativen gebracht hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.