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Gegen die Krise : „Keynes wirkt - aber nur im Extremfall“

  • Aktualisiert am

Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff Bild: ASSOCIATED PRESS

In der derzeitigen Krise hat der Staat massiv eingegriffen, um das Schlimmste zu verhindern. Momentan scheint die Rechnung aufzugehen. Sind keynesianische Lösungen also besser als ihr Ruf? Wir haben den Starökonom Kenneth Rogoff befragt, der die Finanzkrisen der Geschichte genau untersucht hat.

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          Wenn eine Große Depression droht, muss der Staat viel Geld ausgeben, meint Starökonom Kenneth Rogoff: Das stärkt das Vertrauen. Die Finanzkrisen der Geschichte hat kaum jemand so genau untersucht wie der amerikanische Ökonom. Gemeinsam mit seiner Kollegin Carmen Reinhart hat er genau beschrieben, wie sich Wirtschaften entwickeln, bevor sie in Krisen stürzen, und was nach den Krisen geschieht.

          Im amerikanischen Wahlkampf 2008 hat Rogoff den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain beraten. Im Hauptberuf lehrt Rogoff an der Harvard-Universität. Vorher war er Chefökonom des Internationalen Währungsfonds. In seiner Jugend war Rogoff einer der besten Schachspieler Amerikas. Er trägt den Titel eines Schach-Großmeisters.

          Professor Rogoff, die größte Krise der letzten 60 Jahre ist schneller vorbei als befürchtet. Haben wir jetzt den Beweis, dass Keynes wirkt?

          Ich bin noch nicht sicher, wie robust die Wirtschaft wirklich ist. Bisher haben wir nur erreicht, dass es nicht mehr abwärtsgeht. Aber in der Tat: Wir haben eine Große Depression wie in den dreißiger Jahren vermieden, weil die Verantwortlichen sehr entschlossen reagiert haben. Die Notenbanken zum Beispiel haben viel aggressiver eingegriffen als damals. Zum Glück.

          Und die Konjunkturprogramme, die überall in der Welt aufgelegt wurden?

          Die haben sicher auch einen Beitrag geleistet. Allerdings denke ich: Die Finanzpolitik der Regierungen war nicht ganz so wichtig wie die Maßnahmen der Notenbanken. Aber sie hat auch geholfen. Zumindest hat sie die Zuversicht der Menschen gestärkt.

          Welche Wirkung können die Programme denn jetzt schon haben - ein Großteil des Geldes ist doch noch nicht mal ausgegeben?

          Die Konjunkturpakete wirken trotzdem schon. Rund um die Welt sind weniger Menschen entlassen worden als befürchtet. Schon die Tatsache, dass die Unternehmen mit den Konjunkturprogrammen rechnen, hat Auswirkungen - psychologische. Wenn die Wirtschaft wieder anzieht, wollen die Unternehmen dafür bereit sein und noch genug gute Mitarbeiter haben.

          Für viele deutsche Firmen ist nicht die Nachfrage des deutschen Staates wichtig, sondern ihre Geschäftspartner im Ausland.

          Die deutschen Firmen profitieren zurzeit auch von den Konjunkturprogrammen in anderen Ländern. Andere Länder hatten schließlich noch größere Konjunkturpakete - deshalb hatten die Vereinigten Staaten die Europäer ja dazu gedrängt, mehr zu machen. Deutschland hat dem zu Recht widerstanden. Es war gut, dass die Europäer es nicht übertrieben haben.

          Dabei hatten die Deutschen für ihre Verhältnisse auch ein riesiges Konjunkturpaket.

          Die ganze Welt hatte ja Angst vor einer zweiten Großen Depression. Ich habe für diesen historischen Sonderfall sehr aggressive Maßnahmen befürwortet. Und zwar an allen Fronten - von der Notenbank und von den Regierungen. Inzwischen spricht vieles dafür, dass auch kleinere Konjunkturpakete gereicht hätten. Aber das ist schwer zu sagen. Wichtig war, das Vertrauen der Menschen zu stärken.

          Nicht das ganze Geld aus den Konjunkturprogrammen ist sinnvoll eingesetzt worden. Hätte man da nicht besser aufpassen müssen?

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