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Frühjahrsgutachten : Institute erwarten fast drei Prozent Wachstum

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Bild: F.A.Z.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute wollen morgen ihr Frühjahrsgutachten vorstellen. Die Forscher trauen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr offenbar einiges zu: Im Herbst hatten sie noch zwei Prozent Wachstum vorausgesagt - jetzt ist von deutlich „über 2,5 Prozent“ die Rede.

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          Die deutsche Wirtschaft bleibt von der Katastrophe in Japan unbeeindruckt und wird auch vom höheren Ölpreis kaum gebremst. In ihrem Frühjahrsgutachten prognostizieren die führenden Wirtschaftsinstitute ein kräftiges Wachstum von 2,8 Prozent in diesem und 2,0 Prozent im nächsten Jahr. Das erfuhr diese Zeitung aus dem Kreis der Institute. Das Gutachten wird offiziell am Donnerstag in Berlin vorgestellt. Im Herbst waren die Institute noch zurückhaltend und sagten für dieses Jahr nur 2 Prozent voraus. Aufgrund der stärkeren Konjunktur wird die Arbeitslosenzahl nach den neuen Berechnungen im Jahresdurchschnitt auf rund 2,9 Millionen und 2012 auf 2,7 Millionen sinken. Die Sanierung des Staatshaushalts mache Fortschritte: Diese Jahr werde die Defizitquote auf 1,7 Prozent, 2012 auf 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts fallen.

          Mit ihrer Prognose liegen die Forscher über der Schätzung der Bundesregierung, die bisher nur mit 2,3 Prozent Wachstum in diesem Jahr rechnet, sowie über der Erwartung des Bundesverbands der Deutschen Industrie, der 2,5 Prozent als realistisch ansieht. Wie kräftig der Aufschwung gegenwärtig ist, signalisiert auch der Auftragseingang in der Industrie. Im Februar sei er um 2,4 Prozent gestiegen, gab das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch bekannt. Dieser Zuwachs lag deutlich über den Erwartungen der meisten Analysten. Insbesondere Investitionsgüter waren gefragt (plus 4,5 Prozent gegenüber dem Vormonat). Die Nachfrage aus dem Inland fiel mit einem Zuwachs von 2,6 Prozent etwas kräftiger aus als die Bestellungen aus dem Ausland (plus 2,3 Prozent). Von einem Bremseffekt durch die Katastrophe in Japan oder den höheren Ölpreis ist in diesen Zahlen nichts zu sehen.

          „Japan hat auf die deutsche Konjunktur so gut wie gar keine Auswirkungen“, sagte einer der Forscher der Institute dieser Zeitung. Die Bundesbank rechnet selbst im Fall einer schweren Rezession in Japan nach dem verheerenden Erdbeben und dem Atomunfall nicht mit größeren Beeinträchtigungen in Europa. Selbst wenn Japans Wirtschaftsleistung um 3 bis 4 Prozent einbreche, werde das Wachstum im Euro-Raum nur um 0,2 Prozentpunkte gebremst, sagte Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler unter Berufung auf eine Modellrechnung der Bundesbank. Die Institute erwarten auch wegen des gestiegenen Ölpreises nur eine leichte Bremsung der Konjunktur. Bleibe der Brent-Ölpreis auf dem derzeitigen Niveau von mehr als 120 Dollar, koste dies 1 bis 2 Zehntelprozent Wachstum, hieß es aus dem Kreis der Konjunkturforscher.

          Baggerballett: Die Wirtschaftsforscher sind optimistisch

          An dem Gutachten sind das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen, das Institut für Weltwirtschaft in Kiel und das Ifo-Institut in München beteiligt. Sie kooperieren mit Forschern in Zürich, Mannheim und Wien. Ihre Prognosen sind eine wichtige Grundlage für die Prognose der Regierung nächste Woche und die Steuerschätzung im Mai.

          Kritisch sehen die Institute die Finanz- und Wirtschaftspolitik im Euro-Raum. Die „Euro-Rettung“ sei sehr kostspielig, sagte ein Forscher. Wenn die europäische Kommission künftig versuche, die makroökonomische Entwicklung zu steuern, dann maße sie sich ein Wissen über die Wirtschaft und über die „richtigen“ Lohnniveaus an, das sie nicht besitze.

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