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F.A.Z.-Preisbericht : Unter der ruhigen Oberfläche nimmt der Inflationsdruck zu

Die gestiegene Kerninflationsrate zeigt zudem an, dass die Unternehmen im kräftigen Aufschwung mehr Spielräume für Preiserhöhungen haben und diese nutzen - und auch nutzen müssen, weil die Preise für Vorleistungsgüter mit zuletzt 5 Prozent zwar etwas langsamer, aber immer noch stark stiegen. Die global große Nachfrage nach Rohstoffen fordert unvermindert ihren Tribut. Auch die Preissteigerungen bei Investitionsgütern haben sich, als Folge des Aufschwungs, bei überdurchschnittlichen 2 Prozent festgesetzt, was Preisdruck anzeigt. In den monatlichen Befragungen des NTC-Forschungsinstituts berichteten die Einkaufsmanager in der Industrie zuletzt zwar über weniger stark steigende Absatzpreise; die Antworten lassen aber weiterhin einen überdurchschnittlich hohen Preiserhöhungsspielraum erkennen. Auch die Einkaufspreise nehmen nach der Umfrage weiterhin zu.

Geldmenge wächst rasant

Zu diesen konkreten Warnsignalen aus dem Wirtschaftsleben gesellt sich aus Sicht der EZB der mittelfristige Preisdruck, den das rasante Geldmengen- und Kreditwachstum in der Währungsunion anzeigt. Die breit gefasste Geldmenge M3 stieg im Juni beschleunigt um 10,9 Prozent und erreichte fast den Rekordwert von 11 Prozent im März. Die Geldmenge M3 setzt sich aus mehreren Teilen zusammen. Bargeld und täglich fällige Einlagen werden als Geldmenge M1 gezählt. Hinzu kommen kurzfristige Spareinlagen von bis zu 3 Monaten und Termingeldeinlagen von bis zu 2 Jahren, die mit M1 die Geldmenge M2 ergeben. Die Geldmenge M3 umfasst zusätzlich marktfähige Finanzmarktinstrumente wie Geldmarktfondsanteile oder Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu 2 Jahren. Das Wachstum der engen Geldmenge M1, Bargeld und täglich fällige Einlagen, hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verlangsamt, auch wenn es im Juni sich auf 6,1 Prozent beschleunigte. In dieser Abschwächung von M1 schlagen sich die Zinserhöhungen der EZB seit Dezember 2005 nieder. Treibende Kraft hinter der Geldmengenexpansion waren in den vergangenen Monaten die Termingeldeinlagen (als Teil von M2) und die Geldmarktfondsanteile (als Teil von M3). Auch ihr starker Anstieg gründet zum Teil in den höheren kurzfristigen Zinsen, die Anleger in diese Finanzinstrumente locken. Die EZB erkennt diese Verschiebungen als wahrscheinlich temporäre Sondereffekte und warnt deshalb, dass das aktuelle Geldmengenwachstum den künftigen Preisdruck überzeichnet.

Auch ohne diese Sondereffekte bleibt das Geldmengenwachstum im Trend indes nach Einschätzung der EZB sehr robust und zeigt deutliche Preisrisiken an. Entscheidend für dieses Urteil ist, dass die beschleunigte Expansion der Geldmenge mit einem kräftigen Zuwachs der Kreditvergabe einhergeht. Das Wachstum der Buchkredite an private Haushalte hat sich zwar auch als Folge der höheren Zinsen abgeschwächt. Doch steigen die Darlehen an Unternehmen unvermindert weiter; im Juni lagen sie 13,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor. So bestätigt die monetäre Analyse, dass die Inflationsrisiken im Aufschwung trotz der derzeit moderaten Teuerungsraten deutlich größer werden.FAZ.NET

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