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F.A.Z.-Preisbericht : Der Inflationsausblick birgt große Risiken

Bild: F.A.Z.

In sieben von acht Jahren stiegen die Preise schneller, als es die EZB eigentlich versprochen hatte. Für dieses und das kommende Jahr erwarten Bankvolkswirte eine Inflationsrate von um 2 Prozent. Doch bestehen nach Sicht der Notenbank deutliche Inflationsrisiken.

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          Mit einer Inflationsrate von 2,2 Prozent im vergangenen Jahr hat sich die Bilanz der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht verbessert. Seit die EZB 1999 das Steuer der Geldpolitik im Euro-Raum übernommen hat, lag die Inflationsrate meistens über, aber nahe 2 Prozent. Dies verfehlt das Ziel, das die Notenbanker selbst als Preisniveaustabilität definiert haben: eine Inflationsrate auf mittlere Frist von unter, aber nahe 2 Prozent. Die im Jahresvergleich stets knappe Verfehlung der Preisniveaustabilität erklärt sich zum Teil durch einen rasant gestiegenen Ölpreis und durch andere, auch staatlich bestimmte Preiserhöhungen. Doch bleibt ein Makel: In sieben von acht Jahren stiegen die Preise schneller, als es die EZB der Bevölkerung eigentlich versprochen hatte. Für dieses und das kommende Jahr erwarten Bankvolkswirte mehrheitlich eine Inflationsrate von um 2 Prozent. Doch bestehen nach Sicht der Notenbank deutliche Inflationsrisiken.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Wie so oft in den ersten Jahren des Euro war die Inflationsentwicklung im vergangenen Jahr vor allem durch teureres Öl bestimmt. In Euro gerechnet, stieg der Ölpreis zwar weniger stark als die 43 Prozent im Jahr 2005, aber immer noch um kräftige 18 Prozent. Das Ölpreisplus trieb die allgemeine Inflationsrate deutlich in die Höhe; der binnenländische Preisdruck aber blieb verhalten. Die Kernrate der Inflation, aus der die besonders stark schwankenden Preise für Öl und unverarbeitete Nahrungsmittel herausgerechnet sind, verharrt seit der Jahresmitte bei 1,5 bis 1,6 Prozent. Weil der Ölpreis nach den Rekordständen im Herbst zuletzt deutlich auf 46 Euro je Barrel (rund 159 Liter) abgerutscht ist, sank auch die allgemeine Inflationsrate spürbar und lag im Dezember bei 1,9 Prozent. Ob der Ölpreis aber niedrig bleibt, ist unsicher.

          Berg- und Talfahrt des Ölpreises

          Die Berg-und-Tal-Fahrt des Ölpreises im vergangenen Jahr wird die Inflationsentwicklung in diesem Jahr spürbar beeinflussen. Der Grund sind statistische Basiseffekte. Im ersten Halbjahr 2007 wird der rasante Ölpreisanstieg 2006 aus der jährlichen Inflationsrate herausfallen. Nach Berechnungen der EZB dürfte dies für sich genommen die Inflationsrate im Schnitt um 0,4 Prozentpunkte drücken - ohne dass dies per se einen niedrigen Preisdruck anzeigt. Im zweiten Halbjahr dagegen wird der gegenteilige Effekt eintreten: Der Ölpreisverfall in den späteren Monaten des Jahres 2006 wird sich dann, zwölf Monate später, in einer höheren gemessenen Inflationsrate niederschlagen. Die EZB schätzt, dass diese Spätfolgen für sich genommen die Inflationsrate von August bis November 2007 um 0,5 Prozentpunkte höher ausfallen lassen werden.

          Rätselraten über Mehrwertsteuereffekt

          Diesen absehbaren statistischen Effekten, die im Jahresverlauf dennoch für Verwirrung sorgen könnten, stehen zwei große Unbekannte der Inflationsentwicklung gegenüber: die Folgen der Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland zum Jahresbeginn und die Lohnrunden vor allem in Deutschland. Allgemein wird erwartet, dass die Händler die Erhöhung des allgemeinen Mehrwertsteuersatzes von 16 auf 19 Prozent zu vielleicht zwei Dritteln auf die Preise aufschlagen werden. Dies könnte die deutsche Inflationsrate in diesem Jahr deutlich um bis zu einen Prozentpunkt nach oben schnellen lassen; im Euro-Raum kämen davon rund 0,3 Prozentpunkte an.

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