https://www.faz.net/-gqe-rz82

F.A.Z.-Konjunkturbericht : Die Bäume wachsen nicht in den Himmel

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Wirtschaft im Euro-Raum dürfte in diesem Jahr zum inflationsneutralen Wachstum zurückfinden. Erstmals seit 2003 könnte sich die Wachstumslücke zu den Vereinigten Jahren verringern. Der Konjunkturbericht der F.A.Z.

          4 Min.

          Die Wirtschaft im Euro-Raum wird in diesem Jahr rund 2 Prozent wachsen. Das prognostizieren fast einhellig die großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. Damit würde die Euro-Wirtschaft die Wachstumsdelle des vergangenen Jahres, in dem das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um rund 1,4 Prozent zulegte, überwinden und an die 2,1 Prozent des Jahres 2004 anschließen.

          Nach den Prognosen wüchse die Euro-Wirtschaft abermals gemäß ihrer inflationsneutralen Potentialwachstumsrate, die die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit etwa in dieser Größenordnung ansetzt. Für einen echten Aufschwung müßte es mit dem Wachstum indes schon deutlich darüber hinausgehen.

          Aufholen zu den Vereinigten Staaten

          Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, denen mehrheitlich eine leichte Abschwächung des Wirtschaftswachstum von 3,6 auf etwa 3,4 Prozent prognostiziert wird, würde der Euro-Raum nach den Prognosen aufholen. Erstmals seit 2003 könnte der Wachstumsunterschied zwischen den Vereinigten Staaten und dem Euro-Raum deutlich schrumpfen - wenngleich die Europäer den Amerikanern weiterhin hinterherhinken würden. Der Vergleich zeigt, daß mit der erwarteten Erholung im Euro-Raum die Bäume nicht in den Himmel wachsen werden.

          Die jüngsten Wirtschaftsdaten lassen die um sich greifende Zuversicht gerechtfertigt erscheinen. Im dritten Quartal des vergangenen Jahres - neuere Angaben liegen noch nicht vor - wuchs die Euro-Wirtschaft um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal oder um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In sechs der zwölf Euro-Staaten beschleunigte sich das Wachstum, was die Breite der Erholung anzeigt. Besonders kräftig fiel das Auf in Finnland aus, das mit plus 1,9 Prozent zum Vorquartal kraftvoll aus einer Rezession herausfand. Wegen der wirtschaftlichen Größe wichtiger für den Euro-Raum aber war, daß Deutschland und Frankreich mit Wachstumsraten von 0,6 und 0,7 Prozent zum Vorquartal die Schwäche im Frühjahr hinter sich ließen. Von den drei gewichtigsten Euro-Staaten schwächte sich nur in Italien das Wachstum ab.

          Vorteile des schwachen Euro

          Vorbehaltlich etwaiger Revisionen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, ist das Wachstum im Euro-Raum zuletzt in drei Quartalen nacheinander stärker als zuvor ausgefallen. Eine solche andauernde Aufwärtsbewegung, wenn auch von sehr niedrigem Niveau, gab es in den vergangenen zehn Jahren nicht. Dies spricht zum einen für eine Substanz der Erholung, verweist zum anderen aber darauf, daß die Wirtschaft im vergangenen Jahr zunehmend von einem im Trend fallenden Euro-Wechselkurs profitierte.

          Gegenüber dem amerikanischen Dollar verlor der Euro 12 Prozent. Der reale effektive Wechselkurs des Euro, der Inflationsunterschiede gegenüber den wichtigsten Handelspartnern berücksichtigt und damit ein besseres Maß für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Außenhandel darstellt, verringerte sich um 7 Prozent. Deshalb, aber auch wegen der kräftig wachsenden Weltwirtschaft, verzeichnete der Euro-Raum trotz des rapiden Anstiegs des Ölpreises einen kräftig steigenden Export. Die Auswirkungen der Abwertung dürften den Export zumindest im ersten Halbjahr 2006 weiterhin anregen.

          Die Binnennachfrage könnte stärker sein

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Coronakrise : Kein „Tschernobyl-Moment“

          Chinas Führung kämpft gegen unliebsame Informationen über das Coronavirus. Jetzt hat Staatschef Xi gesprochen. Das zeigt, dass die Lage ernst ist. Problem: Wenn Xi im Spiel ist, muss alles besser werden – zumindest offiziell.
          Offenbar gehört der Mensch doch nicht sich selbst, jedenfalls nicht im Sinne eines frei verfügbaren Eigentumsverhältnisses zum eigenen Körper.

          Organspende-Entscheidung : Wem der Mensch gehört

          Das Parlament hat die Organspende unlängst im Sinne der erweiterten Zustimmungslösung geregelt. Aber was wurde damit eigentlich genau entschieden? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.