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F.A.Z.-Konjunkturbericht : Der Optimismus erfaßt auch die Skeptiker

Bild: F.A.Z.

Am Ende dieses Jahres hat der neue deutsche Konjunkturoptimismus auch viele Skeptiker unter den professionellen Prognostikern erfaßt. Der monatliche Konjunkturbericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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          Am Ende dieses Jahres hat der neue deutsche Konjunkturoptimismus auch viele Skeptiker unter den professionellen Prognostikern erfaßt. Die jüngsten Vorhersagen großer deutscher Wirtschaftsforschungsinstitute weisen für das kommende Jahr durchgängig Wachstumsraten um 2 Prozent aus - und eine Fortdauer des Aufschwungs auch im Jahr 2008. Selbst die üblicherweise zurückhaltenden Ökonomen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel haben ihren Ausblick radikal geändert und die Wachstumsprognose für das kommende Jahr innerhalb von drei Monaten auf 2,1 Prozent verdoppelt. Jetzt erwarten auch sie, daß der Aufschwung das Potential hat, trotz einer vorerst leicht schwächeren Weltwirtschaft die höheren fiskalischen Belastungen wegzustecken.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Vor zwölf Monaten verspürten die Institute - wie viele andere Institutionen - noch keine große Zuversicht für 2007. Damals erwarteten sie recht einheitlich, daß der sich zögerlich abzeichnende Aufschwung 2006 als Folge der Mehrwertsteuererhöhung und anderer Belastungen wieder zusammenbrechen und die Wachstumsrate 2007 auf etwa 1,2 Prozent sinken würde. Erst im Sommer spaltete sich das Bild. Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung in München nimmt in Anspruch, als erstes die Tragfähigkeit des Aufschwungs erkannt zu haben, weil es im Juni der hiesigen Wirtschaft 1,7 Prozent Wachstum für 2007 vorhersagte und vom bis dahin recht einheitlichen Konsens der Forscherkonkurrenz deutlich nach oben abwich. Tatsächlich setzen andere Institute wie das IfW, das HWWA in Hamburg oder das Hallenser IWH noch im Spätsommer angesichts des zeitweise sich eintrübenden Wirtschaftsklimas auf eine spürbare Abkühlung.

          OECD vor München

          Die Ehre der frühen Erkenntnis gebührt dem Ifo-Institut indes nur im nationalen Rahmen: Schon im Dezember 2005, ein halbes Jahr vor den Münchener Ökonomen, hatten die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und kurz danach auch die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) Deutschland einen auch 2007 andauernden, kräftigeren Aufschwung prognostiziert, als es deutsche Forscher damals wahrhaben wollten. (Daß der IWF wenige Wochen später eine weit pessimistischere offizielle Prognose veröffentlichte als zuvor seine Mitarbeiter, gehört zu den Rätselhaftigkeiten politisch beeinflußter internationaler Organisationen.)

          Insgesamt haben die meisten Wirtschaftsforscher in diesem Jahr die Stärke des Aufschwungs unterschätzt. Dies lag auch daran, daß die Statistiken über das Wirtschaftswachstum oft nach oben revidiert wurden. So setzte das Statistische Bundesamt noch im November die Wachstumsraten für die ersten beiden Quartale abermals spürbar herauf. In der Rückschau entpuppte sich der Investitionsaufschwung mehrfach kräftiger als zuvor bekannt. Die verzögerte Wahrnehmung der tatsächlichen Entwicklung erklärt teilweise, warum die Wachstumsprognosen für 2006 mittlerweile rund 2,5 Prozent erreichen - und vor einem Jahr noch gut einen Prozentpunkt niedriger lagen.

          Mit Schwung ins neue Jahr

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